Dennoch stelle ich mir jetzt die Frage, ob man in der jetzigen Zeit diese Geduld aufbringen "darf", dass wieder was gedeihen kann, oder ob in Relation dazu gesehen, aufgrund der von dir angeführten höheren Leistungsdichte in der BL im Vergleich zu den Zeiten, wo man das erste Mal unter Schaaf etwas "Wachsen" lassen konnte, wo es btw. auch immer wieder Rückschläge gab, es vielleicht doch ratsamer wäre, die Mannschaft bzw. die Spieler"an der kurzen Leine zu lassen und konkrete Vorgaben mit wenig bis keine Freiheiten zu tätigen, um dadurch Fehlerquellen zu verringern, da es jetzt ungleich schwerer sein könnte als früher, den richtigen Kurs rechtzeitig zu finden, um a) erfolgreich in der Tabelle abzuschneiden bzw. b) um eine Schwächeperiode möglichst kurz zu halten, um so nicht den Anschluss zu verlieren ?
@mick
Wahrscheinlich hattest du irgendwann schonmal auf die Frage geantwortet bzw. iwo mal erwähnt.
Wäre es deine Meinung nach möglich mit der Art von Fussball der 2003/04 hier gespielt wurde, inklusive der Fähigkeiten,vorausgesetzt die SPieler könnten es so umsetzen wie damals, heute noch nen Blumentopf zu gewinnen ?
Ich glaube, dass die Spieler von damals sehr wohl auch heute gut passen würden, sie müssten sich halt nur umstellen. Was wiederrum bei der Intelligenz von Micoud, Baumann oder Ernst sicher möglich wäre.
Ich bin jetzt zu faul, alles doppelt zu schreiben, daher fasse ich mal aus dem worum zitierend zusammen, was auch zu Deiner Frage/ Deinen Ansichten passt:
Was Schaaf dem Grunde nach spielen lassen will, halte ich für taktisch anspruchsvoll.
Eine strenger austarierte Team-Formation, in der die Spieler die Laufwege kennen/ verinnerlicht haben und daher besser die Ordnung halten, hat den Vorteil, dass die Akteure auf diese Weise die Konzentration eher fokussieren können und weniger Probleme mit den generellen Automatismen – wie verschiebe ich, wie könnte der Gegner es tun, wie und wo muss ich stehen, was werden Spieler B und Spieler C tun und alternativ tun können, wenn Spieler A so oder so handelt. In der Art.
Der Ansatz, den mir Schaaf aber zu wählen scheint, ist wohl der, dass das Ganze nicht nur durch stupides Training, welches den Spielern in einer Art Mechanismus beibringt, warum und wie sie die erforderlichen DINGE immer und immer wieder abrufen müssen/ können, sondern dass es die Spieler in den Kopf bekommen, also sich selbst entwickeln. Und das birgt stetig die Gefahr, dass es als erstes schnell wieder vergessen wird oder aber im Spiel in entscheidenden Szenen nicht vorhanden ist und hat seine Ursache darin, dass die Jungs die Notwendigkeit noch nicht begriffen haben.
Ist doch wie im täglichen Leben. Was Du zwei Jahre lang paukst, kannst Du zur Prüfung und weisst es vielleicht noch 1,5 Jahre danach, aber 5 Jahre später ist fast alles weg. Was Du einmal aus dem Effekt heraus, es lernen und vor allem anwenden zu müssen begreifst, behälst Du meist Jahrzehnte.
Mit ersterer Vorgehensweise kannst Du über einen Zeitraum erfolgreicher sein, Schaaf` s Vorgehensweise könnte langfristiger greifen, vorausgesetzt die Jungs verstehen es irgendwann. Und vorausgesetzt die Truppe bleibt einigermaßen zusammen. Genau da liegt bei uns meiner Ansicht nach der Kasus Knacktus.
Denn besonders in Kombination mit einer offensiveren Ausrichtung ist dieser Ansatz taktisch schwer umzusetzen, weil es immer wieder und eher als bei den Systemtrainer - Teams die Konzentrationsschwächen geben wird, ebenso die Defizite der Jungs in den Abläufen innerhalb eines Spiels, die uns bei anderen Mannschaften so viel solider vorkommen und die vor allem bei mangelnder Absicherung brachial in die Hose gehen können.
Diese Idee Schaaf` s (wie ich glaube) ist sehr romantisch, mir viel zu romantisch und gefühlt immer mehr chancenlos gegen eine Entwicklung, die den konsequenten Systemfussball fördert und zwar mit entgegengesetzten Mitteln, als sie TS vermutlich bevorzugt. Mit eben diesen Mechanismen und Automatismen, die den Spielern eingeprügelt werden. Es ist halt an der Kurzlebigkeit des Fussballs orientiert. Mir würde es reichen, wenn Schaaf dem ein Stück weit Sorge tragen würde. Er müsste eben mal einsehen, dass er die Jungs in ihrer "Selbstverantwortung" überfordert.
Deswegen versuchen es ja viele Trainer erst gar nicht, sondern bleiben erst mal bei "Schuster` s Leisten". Wie van Gaal schon nach der WM 2010 anmerkte: "90 Prozent der Teilnehmer haben es nicht geschafft, anzugreifen." Es ehrt Schaaf gewissermaßen, dass er diesen Anspruch hat, aber seine Umsetzung scheint immerfort naiv, unzureichend in den Details vermittelt und überlebt sich mehr und mehr.