@Sofatester & Maddin
Erstmal Respekt. :daumen:
Das hebt meine Laune nochmal, die jetzt gerade gar nicht so schlecht war, weil die Baustelle auf der Stephanie-Brücke seit Mo. weg ist und mir das jeweils morgens und abends mindestens eine Viertelstunde erspart.
Eine gute Offensiv-Strategie ist im Optimalfall wichtiger Teil einer Defensivtaktik und umgekehrt, da hat Maddin mMn schon recht. Weswegen es nicht so einfach zu sagen ist, dies oder jenes wäre leichter oder schwieriger zu spielen. Dass ein Konterspiel rein reaktiv sein soll, sehe ich allerdings so nicht. Es gab einige Jahre, da ist Bayern München
im Wesentlichen über Konterfussball und eine abwartende Haltung mehrfach Meister geworden, hatte aber immer die individuellen Möglichkeiten, anders zu spielen (nebenbei gesagt war dieser Verein deswegen so verhasst). Einfach, weil sie auf Destruktivtaktiken Mittel finden und nicht zuletzt ständig Ergebnisse bringen mussten. Und der jahrelange "die-Null-muss-stehen" Schalker Fussball entstand ebenso aus den Nachwehen der schweren Jahre Ende 80er bis Anfang 90er. Die haben eben nicht rein reaktiv gespielt, sondern sich den Gegebenheiten angepasst.
Der Trick ist ja gerade, die individuellen Qualitäten einer Mannschaft nicht nur individuell zu nutzen, sondern vor allem dadurch, besser zu sein als die Taktik des Gegners. Eng stehen bei gegnerischem Ballbesitz und Platz schaffen nach Balleroberung hat nur oberflächlich betrachtet was mit rein defensiv betonter Variante zu tun, viel mehr geht es a) um
Raumbeherrschung, die den Ausschlag gibt und b) um Struktur. Also exakt das, was Maddin zu a) vollkommen zurecht benennt - Außenverteidiger und Aussenstürmer stehen oft zu tief oder eben zu hoch, 20m-Platz, weil die IV zu tief oder das Mf zu hoch steht, rückt die IV auf, gibt`s Harakiri, in der Breite des Feldes fehlt die Aufteilung und stimmen die Abstände nicht usw. Darauf aufbauend und in Bezug auf b) insgesamt die Spielanlage, die Du, @Sofatester ebenfalls richtig beschreibst.
Manche Varianten modernen Fussballs, die hier oft fälschlicherweise als destruktiv verschrien werden, sind eben genau das Gegenteil. Gilt im offensiven wie im defensiven Spektrum, niemand verbietet intelligenten Fussball. Aber Werder hat schon in guten Zeiten auf solche Taktiken mit kopflosem und teils wütendem Angriffsfussball reagiert, meist mit absehbarem Ergebnis, manchmal noch gerettet durch fussballerische Klasse Einzelner. Und genau das ist
reaktiv, nicht die (scheinbare) Defensivtaktik des Gegners.
Wobei hier natürlich noch ein Punkt zum Tragen kommt, der mir in Eurer Betrachtung fehlt, die FLEXIBILITÄT in der Spielgestaltung. Dass Werder in den allermeisten Fällen nur ein Mittel hat und dieses auch dann noch anwendet oder sogar noch mehr anwendet, wenn der Spielverlauf bereits klar und deutlich aufgezeigt hat, dass dieses nicht funktioniert. Deshalb war ein Spieler wie Baumann für eine taktisch dermaßen fragwürdige Truppe wie Werder ein Geschenk und Micoud für eine Truppe, die sich selbst entwickeln muss, aber der die Grundlagen des einfachen Spiels offenbar kaum beigebracht werden, ebenfalls. Wie hoch der Anteil gewisser Spieler an den Erfolgsjahren im Vergleich zum Anteil des Trainers war, konnte man nach dem Abgang dieser Spieler gut beobachten.
Maddin hat mE ja nicht unrecht, wenn er meint, dass eine Spielweise wie Augsburg letzten Freitag keiner glänzenden Taktik entspringen muss. Der Punkt ist aber, dass Werder`s Taktik regelmäßig noch schlechter ist.
Es geht darum, den eigenen Möglichkeiten in Kombination mit den nicht unberechtigten Ansprüchen (z. Bsp. wegen Qualität und Finanzierbarkeit eines Kaders) Sorge zu tragen und eine Philosophie zu entwickeln/ anzupassen, die dem entspricht. Und genau an der Stelle stößt mir Schaaf nicht erst seit dieser oder letzter Spielzeit sauer auf und an der Stelle kann ich irgendwann auch Werder in keinster Weise mehr verstehen.