Auch wenn Werder tatsächlich eine sehr spielerisch und offensiv ausgerichtete Mannschaft hat und in verschiedener Hinsicht da besonders in dieser Saison die Balance fehlt (zwischen Ballbesitz und Spiel gegen den Ball, beim Umschalten dazwischen):
Parolen, die im Endeffekt nur auf aktionistische Gesten hinauslaufen, (Wir wolln euch kämpfen sehen, Gras fressen, Ärmel hochkrempeln) führen überhaupt nicht weiter. Man siehts doch an Frings.
Besonders in dieser Saison? Das erstaunt mich jetzt, @dkbs, da Du doch auch die mangelnde Lernfähigkeit oft genug richtig erkannt hast.
Das Umschalten ist schon jahrelang ein krasses Problem, wie auch der Start in die Rückrunde oder die fehlenden Konsequenzen auf schwache Darbietungen. Fällt nur diesmal mehr auf, weil die Punkte aus der Hinrunde fehlen. Doch eigentllich haben wir den Grundstein für das, was gerade passiert, schon lange vorher gelegt. Oder meinst Du nicht?
Doch, doch.
Aber der entscheidende Unterschied ist doch, dass es in den vorhergehenden Spielzeiten gelang, die vorhandenen Probleme beim Umschalten, bei der Balance, im Defensiv- und taktischen Verhalten durch spielerisch herausragende Leistungen zu überspielen, aber eben auch zu kompensieren. Die damaligen Klagen fanden so gesehen auf hohem Niveau statt. Und auch wenn man eine gewisse Brüchigkeit im Spielsystem feststellen konnte: "Irgendwie" funktionierte es eben doch, zumindest in der Regel. Und die Defizite waren "nur" oder vorwiegend in Spitzenspielen zu sehen bzw. hauten dort rein.
In dieser Saison jedoch ist, um im Bild der Brüchigkeit zu bleiben, in der Spielwese Werders etwas zerbrochen.
Bei Frings war es nie eine Frage des Willens. Ich glaube, momentan will er einerseits zu viel, was blockiert und andererseits hat er nach vielen Verletzungen und in diesem Alter vielleicht schlicht und einfach seinen Zenit überschritten.
Sehe ich auch so. Ich war (und bin) nur genervt von den reflexartigen Parolen, die in Krisen immer wieder die gleichen sind, aber zu Werders Situation nur sehr bedingt passen. Nochmal: Es hat gegen Bielefeld und Schalke nicht am Willen, an der Kampfbereitschaft usw. gelegen, sondern auf die Einzelspieler bezogen an der Cleverness und dem Mangel an klugem Spiel.
Gerade die größten Kämpfer in Werders Team muss man hier eben nennen. Frings, aber auch Boenisch. Sicher eine bewundernswerte Moral, aber im fehlt kein Tritt in den Ups, ich muss meine Wortwahl ändern

und kein Aufruf zum Kämpfen, sondern die eine oder andere Lektion in taktischem Verhalten.
Werder hat die Spiele gegen Bielefeld und in Schalke nicht verloren, weil sie nicht gekämpft hätten oder weil sie keinen Spieler hatten, der mit gebrochenem Arm gespielt hat (Rosenberg hat sich gegen Bielfeld nebenbei auch aufgeopfert, mit beklagenswertem Resultat); sondern weil sie sich gegen Bielfeld über 90 Minuten und in Schalke in einigen entscheidenden Situationen (Freistoßversursachung vor dem Gegentor, Verhalten bei Gegentor, eigene Chancen) zu doof angestellt haben, d.h. fehlende Cleverness, Übersicht und mangelnde Disziplin.
MFG dkbs
Das ist es mMn nicht allein. Es ist auch die zunehmende Ausrechenbarkeit einer immer gleich spielenden Mannschaft. Zwar schaffen sie es inzwischen manchmal, 30 Minuten so etwas wie eine defensive Grundausrichtung vorzuführen (was gegen bekannt einfallslose Schalker nicht so schwer sein sollte), doch irgendwann zieht`s den Trupp nach vorne und die alten Fehler beginnen. Dann gibt es keinen, der da bremst, das Konterrisiko steigt, das systembedingte Brechstangenspiel durch die Mitte kommt schnell zum Vorschein.
Die Gegentore fallen dann auch oft in einer Phase, wo unsere Mannschaft drückt, aber keine Mittel findet.
Das stimmt natürlich auch. Wobei es in Schalke das aus heiterem Himmel gefallene Gegentor war, was die Grundausrichtung kippte. Das ist aber auch nachvollziehbar, denn bis dahin hatte Werder zwar ganz gut gestanden, aber wenig nach vorne gebracht und das kanns du bei 0:1 ja schlecht weitermachen.
Grundsätzlich ist aber in der Tat Teil des Problems, dass Werder in dieser Saison kaum einmal eine Balance zwischen Offensive und Defensive dahingehend hinbekommt, dass es in beiden Mannschaftsteilen stimmt: Entweder man stürmt nehr oder weniger druckvoll, dann ist sehr häufig die Gefahr da, ausgekontert zu werden. Oder man steht einigeraßen sicher, dann kommt wenig nach vorne.
MFG dkbs