Als vor der Saison gefragt wurde, wo sich Werder am besten noch verstärken soll, habe ich gesagt, dass alle Mannschaftsteile verstärkt werden müssen. Die Personaldecke ist zu dünn, bzw die Qualität bei den Ersatzspielern fehlt. Dann hab ich noch aufgelistet welche mannschaften vor uns stehen werden, weil sie sich richtig vestärken.
Ich wurde ausgelacht und verhöhnt! Im nachhinein hatte ich 100% recht. Leider! Das Problem ist, dass es hier zu viele Gutmenschen und Schönredner gibt die schnell abgespeist und Zufrieden sind. Das schlägt auch auf den Verein durch. Es hätte schon viel früher mal ein richtiges Donnerwetter geben müsen. Schon vor zwei jahren hat es in der Vorbereitung angefangen, als man ale Spiele gegen höherklassihe Gegner vergeigte. Das war kein Zufall, sondern erste Alarmzeichen.
Jein. Auch meiner Meinung nach ist seit eineinhalb Jahren ein gewisser Abcshwungspürbar, der sich aber zunächst nicht auf die Ergabnisse und Platzierungen auswirkte. Vielleicht ist dadurch den Verantwortlichen und vielen Fans etwas Sand in die Augen gestreut worden.
Das heißt aber nicht automatisch, dass alle, die schon seit Jahren alles mögliche anprangern, unbedingt recht hatten. Denn was auch den "Schlechtrednern" (in abgrenzung zu den "Schönrednern" abging, war eine realistische Einschätzung der damaligen Situation.
Denn es war weder eine Selbstverständlichkeit noch mit links zu schaffen, sich 5 Jahre ununterbochen an der Spitze der Bundesliga zu halten. Um mal eine Retourkutsche zu machen: Ich habe immer schon darauf hingewiesen, dass die letzten 5 Jahre ein absoluter Glücksfall waren, den man nicht hoch genug einschätzen konnte. Aber genau an dieser Einschätzung hat es vielen gefehlt. Nach jeder Niederlage war im Forum der Teufel los und wenn Werder sich nicht mindestens jedes Jahr tabellarisch verbesserte hieß es: Stillstand ist Rückschritt. Aber erst jetzt sieht man mal, was wirklich Rückschritt ist.
Und dennoch war es auch nicht klar, dass es diese Saison so bergab gehen würde. Wenn man aber jedes Jahr verkündet, dass alles zu Ende ist usw. hat man natürlich in dem Jahr recht, wo es mal soweit ist. Damit kann ich leben.
Genauso wie mit diesem Jahr. Weil, siehe oben, es kein Abonnement auf Platz 1-3 gibt.
In der Einzelanealyse stimme ich auch nur sehr bedingt, wenn überhaupt zu.
- Werder kann sich nunmal keinen Kader wie Bayern leisten (in der Breite).
- Fast mit den gleichen "Ersatzspielern" ist Werder letzte saison punktgleich mit dem Herbstmeister gewesen.
- Generell liegt es sicher nicht an den Ersatzspielern. Es ist überhaupt nicht festzumachen, dass Werder mit der stammelf signifikant besser gespielt oder gepunktet hat. Was nicht heißt, dass Diego und Pizarro nicht fehlen würden.
- Aber dass und warum sie fehlen, lenkt den Blick auf ein wesentlicheres problem: Die Einstellung und das Verhalten auf dem Platz. Die Disziplin und die Ordnung. Und das ist keine Frage von Stamm- oder Ersatzspielern. Im Gegentei.
Gerade bei diesem Punkt muss man Diego (Spielweise, Unbeherrschtheit in Karlsruhe, Eigensinnigkeit), Pizarro (Karlsruhe) und Frings (Spielweise) erwähnen, und das sind alles andere als Ersatzspieler, sondern Spieler, die eigentlich Fürhungsspieler sein sollten. Dass sie das nicht oder zu selten sind, ist viel problematischer als dass irgendein Ersatzspieler in einem Spiel nicht ganz überzeugt.
1Es ist schwer, als Verein in die Spitzengruppe zu gelangen. Aber es ist noch viel schwerer dort zu bleiben. Der einzige Verein der das geschafft hat, ist der FC bayern. Dort investiert man in die Mannschaft auch wenn es läuft. wenn man in die Mannschaft invstiert wenn es nicht läuft, ist es schon zu spät. Das muss sich Klaus Allofs ankreiden. In den fetten Jahren nicht vorgesorgt zu haben.
Das sehe ich aber ganz anders. Der Vergleich mit den Bayern ist Unfug:
Erstens haben die Bayern ganz andere Möglichkeiten als Werder. Wann die investieren, muss für einen Verein wie Werder mehr oder weniger irrelevant sein. Denn die Bayern können halt z.B. auch ganz anders auffangen, wenn es mal nicht klappt mit den Investitionen.
Zweitens hat ja auch Werder in den guten Zeiten immer mehr investiert. Vielleicht sind 5-10 Millionen für dich, oder ganz allgemein angesichts des Transfermarkts, Peanuts.
Aber Spieler wie Klose, Mertesacker, Frings, Özil, Almeida, Rosenberg, Diego und auch Pizarro haben alle ab 4 Milloionen gekostet bzw. haben einen solchen Marktwert. Vielleicht leiden einige unter Gedächtnisschwund, aber bis 2002, 2003 war es eine absolute Ausnahme, einen Spieler wie Charisteas für glaube ich ca. 4 Millionen zu holen. Ansonsten holte man Ersatzspieler wie Lisztes oder Daun oder ablösefreie Spieler.
Und nebenbei spielen die genannten Spieler wohl auch kaum für einen Appel und ein Ei in Bremen.
Wenn Werder dann gewissermaßen in Nuancen nicht so viel investiert (ablösesummentechnisch) wie andere Vereine, dann übrigens gerade, weil man in den fetten Jahren vorgesorgt ist. Ich weiß nicht, ob und inwiefern es immer noch so ist: Aber vor ein paar Jahren war es z.B. auf Schalke so, dass der Verein im Prinzip nur mit CL-Einnahmen überlebensfähig war. Wenn das bei Werder nictht so ist, ist das auch Ergebnis einer etwas vorsichtigeren Strategie bei Investitionen.
Abgesehen davon: Da ist immer noch Carlos Alberto: Der Beweis, dass auch Werder der Versuchung erlegen ist, in fetten Zeiten groß zu investieren. Auch hier könnte ich naseweis sagen, dass ich von Anfang an skeptisch bei diesem Transfer war: Weil ich zwar gesehen habe, warum Werder ihn holen will. Aber weil ich auch die Gefahr gesehen habe, dass Werder hier auf einen Weg kommt, der für einen Verein wie Werder eine Nummer zu groß ist: Einen Spieler zu kaufen, denn man zwar nicht unbedingt braucht, aber der einen vielleicht
noch besser macht, der ein Luxusproblem beseitigen könnte, der nicht zuletzt einen (für Werders Verhältnisse) großen Namen hat (Cl Sieger, brasilianischer Nationalspieler) und mit dessen Verpflichtung man nebenbei noch dem HSV ein Schnippchen schlagen kann.
Das könnte man, wenn man Werders Strategie der jübgeren Vergangenheit hinterfragt, auch hinterfragen, und dann würde man vielleicht wegkommen von der Litanei, Werder hätte zu wenig investiert.
Aber wie gesagt: Ich vermute durchaus, dass man (auch) bei Werder etwas den Fehler gemacht hat, zu glauben, dass es immer so weiter geht, dass man ohne die ganz großen Investitionen weiter in der Spitzengruppe bleibt, weil man a) ein Super-Spielsystem hat und b) einen Manager mit einer goldenen Nase für Neueinkäufe, die immer bei Werder besser werden als sie vorher gehandelt wurden. Und mag sein, dass man dabei einen Tick an Aufmerksamkeit und Selbstkritik verloren hat. Das ist aber Spekulation bzw. meine Vermutung angesichts der Darbietungen und diverser öffentlicher Äußerungen.
Nur: letztlich gibt es zu diesem Weg prinzipiell keine große Alternative.
Wenn das auf Dauer nicht reicht, kann man vielleicht noch überlegen, obman die eine oder andere externe Geldquelle erschließt (Investor, Stadionname). Aber das wars dann auch. Da ist so doof es klingt auch ein bisschen Schicksal bzw. Realität dabei, die man nicht einfach so durch Fußauftreten verändern kann:
Denn sicher kommen gerade jetzt Vereine wie Wolfsburg oder Hoffenheim hoch. Aber das ist eben so. Genauso wie es zu erwarten bzw. zu befürchten war, dass Vereine wie Dortmund, Leverkusen oder der HSV nicht für immer unter ihren Möglichkeiten spielen. Denn man muss eben auch sagen, dass neben der Tatsache, dass Werder in den letzten 5-10 Jahren sehr viel richtig gemacht war, auch ein Grund für Werders dauerhaften Erfolg war, dass die genannten Vereine in derselben Zeit ziemlich viel falsch gemacht haben, sodass es außer Schalke (und natürlich Bayern) keinen Konkurrenten gab, der Werder mehr als nur punktuell das Wasser reichen konnte. Das ist jetzt anders und damit muss man sich halt abfinden, weil es eh nicht zu ändern ist.
Dass man sich angesichts der altuellen Situation selbstkritisch hinterfragen muss, ist denke ich zweifelsfrei. Aber man muss diese Situation auch realistisch einordnen und daran fehlt es vielfach.
MFG dkbs