Magst mir noch ein wenig auf die Sprünge helfen, was du meinst?
Hälst du es für möglich, dass Bilbao jetzt noch klagt? Für die ist die Sache doch gelaufen, der Spieler ist weg. Und nur, um den Bayern noch einen reinzuwürgen, lohnen sich doch weitere Bemühungen nicht.
Der Spieler ist weg, aber gelaufen ist die Sache noch lange nicht.
Dieser Artikel erwähnt ein par mögliche Fallgruben. Er ist zwar aus dem letzten Jahr, aber einige Punkte dürften noch aktuell sein.
1. Mehrwertsteuer. Normalerweise behandeln spanische Vereine Ablösesummen so, dass die fixen Ablösen die fällige MwSt von 18% enthalten - das scheint aber mehr ein Gentlemen's Agreement als eine vertragliche Regelung zu sein, da dies bei "feindlichen Übernahmen" von Spielern wohl anders gehandhabt wird. Da wird laut dem Artikel dann darauf gepocht, dass es sich bei der Ablösesumme (hier 40Mio) um die Summe
nach Abzug aller Abgaben handeln müsse. Das sind mal locker 7,2Mio, die Bilbao da evtl noch rausschlagen könnte.
2. Die Rechtmäßigkeit de Ausstiegsklausel. Ob die Ausstiegsklauseln für ausländische Vereine überhaupt Gültigkeit haben ist alles andere als klar (als Anhaltspunkt taugen sie natürlich trotzdem, man lehnt normalerweise kein 10Mio Angebot von einem ausländischen Verein ab, wenn die nationale Konkurrenz den Spieler für 8Mio per Ausstiegsklausel wegholen kann), die spanischen Vereine sehen das auf jeden Fall keineswegs so und haben das in der Vergangenheit auch erfolgreich vor Gericht vertreten - der Spieler ist dann weg, aber es kann ohne weiteres sein, dass ein Gericht die Auflösung des Vertrags für Unrechtmäßig hält und (wie in der Vergangenheit geschehen) nochmal 20-30% auf die Ablöse aufschlägt, also auch nochmal locker 10Mio extra für Bilbao. Dann würde sich natürlich noch die Frage stellen: Wer trägt da die Verantwortung? Der spanische Verband, der das ganze abgesegnet hat oder doch die Bayern, die den Spieler unter Vertrag genommen haben, obwohl sein alter nie wirklich ungültig geworden ist? Sowohl der Verband als auch Bayern könnten sich darauf berufen, dass der Vertrag keineswegs von Bayern, sondern von Martinez selbst aufgelöst wurde (und der spanische Verband würde das vermutlich auch machen) und die Ausstiegsklausel daher korrekt aktiviert wurde, aber dann hätte Bayern ein Problem mit
3. Einkommenssteuer. Man hat ein großes Tamtam darum gemacht, dass Martinez nur ein Botenjunge war, der einen Scheck von Bayern, der auf den spanischen Verband ausgestellt war, dorthin gebracht hat. So kann man ihm diese 40Mio schwerlich als Einkommen anrechnen, es sei denn natürlich, es würde sich juristisch doch so darstellen, dass Martinez selbst es war, der den Vertrag aufgelöst hat. Dazu hätte er das Geld erst als Einkommen verbuchen müssen und wäre mit 44% Einkommenssteuer belastet worden - dann würde Martinez dem spanischen Fiskus von jetzt auf gleich fast 18Mio schulden und Bayern könnte es sich kaum erlauben den Spieler darauf sitzen zu lassen, der Imageschaden wäre noch größer und ein dankbarer 60Mio-Martinez ist sicher besser als ein überschuldeter 40Mio Martinez, der einen Hass auf seinen Verein und die Leute schiebt, die sein Leben ruiniert haben.
Bilbao hat also 2 Möglichkeiten nochmal richtig Kohle aus der Sache rauszuholen und gleichzeitig Vereine abzuschrecken, die Bilbao aufgrund der vorgeschriebenen Ausstiegsklauseln als Selbstbedienungsladen sehen - und wenn beides fehlschlägt, besteht eine große Chance, dass der spanische Staat sich in Folge dessen um Steuern geprellt sieht.
Alles in allem also durchaus eine Situation, die nicht einfach mit dem Abgang des Spielers gelaufen ist und in der sich weitere Bemühungen für Bilbao mehr als großzügig auszahlen könnten.