Ich fühle mich davon einfach mal angesprochen und versuche dir zu erklären, wo das Problem liegt:
Ich bin Werder-Fan seit 1990 und wenn Leute mich mit 3 Stichworten beschreiben würden, wäre Werder sicherlich immer dabei.
Nun hat aber jeder in seinem Leben bestimmte "Baustellen" und Punkte, auf die er sensibel reagiert. Bei dem einen mögen dies religiöse Gefühle sein, bei einem anderen eine politische Gesinnung, beim nächsten sind es die Kinder oder der Jugendsport... und bei einem anderen ist es eben Umwelt- oder Tierschutz.
Ich habe Verständnis, wenn nicht alle dem Problem "Massentierhaltung" oder "Umweltschutz" genauso viel Aufmerksamkeit widmen, wie ich. Ich fühle mich weder als besserer Mensch, noch würde ich andere als "ignorant" bezeichnen, solang sie sich an anderer Stelle irgendwo engagieren.
Ich weiß nicht, in welchem Punkt du sensibel reagierst. Fakt ist aber, dass Werder sich nun einen Sponsoren gesucht hat, der meiner Art, mein Leben zu führen komplett widerspricht und in mir absoluten Ekel erregt. Natürlich kann ich nicht von einem auf den anderen Tag sagen "Werder ist mir total egal und ich hasse diesen Verein". Das geht nicht. Aber ich habe genug Vernunft in mir um Werte, die meine Persönlichkeit ausmachen über die Freude an einem Fußballspiel zu stellen.
Nun magst du vielleicht sagen "Das ist dein Problem!". Ja, aus psychologischer Sicht magst du Recht haben. Ich seh das aufgrund meiner Persönlichkeit eben anders. Aber ich bin sicher: Auch bei dir gäbe es ab einem gewissen Punkt Dinge, die für dich einfach unakzeptabel sind. Für mich ist dieser Punkt eben bei der öffentlichen Beweihräucherug eines inakzeptablen Massentierproduzenten erreicht. Und du kannst mir glauben: Leicht fällt es mir nicht, die nächsten 2 Jahre auf Stadionbesuche zu verzichten. Deine Aussage, dass Menschen wie ich dann wohl keine richtigen Fans seien, kann ich so nicht stehen lassen.
Ich würde wohl genauso denken, wenn Werder die NPD als Sponsor präsentieren würde

Und ich finde deine Konsequenz bewundernswert, wäre schön wenn jeder der Wiesenhofgegner wirklich diesen Ups, ich muss meine Wortwahl ändern
in der Hose hätte. Ich für meinen Teil habe, wie etwas weiter oben geschrieben auch meine Probleme mit Wiesenhof, allerdings kann ich deine Konsequenz bei mir nicht walten lassen, denn dann müsste ich konsequenterweise nicht nur auf Wiesenhoffleisch verzichten (was ich sogar mache, allersings weil ich Geflügel nicht mag), sondern müsste dieses auf weitere Bereiche meines Lebens ausdehnen, Kleidung, die in der dritten Welt hergestellt wird, Fleisch generell, Atomstrom, mein Auto müsste ich stehen lassen etc, entweder ich möchte mich komplett für eine bessere Welt einsetzen, dann mit allen Konsequenzen, die es mit sich bringt, oder ich lasse es sein. Wie will ich denn für mich entscheiden, dass ich durch den Verzicht auf Fleisch zwar dafür Sorge trage, dass es dem Tier dafür besser geht, aber dann meine Kleidung made in Bangladesh kaufe?


