Das ist glaube ich so nicht ganz richtig. Moralisch ist es doch erst verwerflich, wenn ich wissentlich was unmoralisches tue. D.h. wenn ich heute morgen in ein saftiges Huhn von Wiesenhof gebissen habe, und mich nachmittags informiert habe, wie die Dreckssäcke mit den Tieren umgehen, bin ich moralisch nicht antastbar. Erst wenn ich am nächsten Morgen noch einen leckeren Broiler von Wiesenhof esse, ist es moralisch bedenklich.
Ehrlich gesagt, stört mich dieser Hauptsponsor auch. Schließlich ist Werder ein sympathischer Verein der Bundesliga mit Vorbildfunktion. Die Botschaft, die mit Wiesenhof als Hauptsponsor einhergeht, ist eher suboptimal. Oder welche Botschaft soll damit vermittelt werden? Scheiß drauf, wie andere mit Tieren umgehen, und gucke lieber weiter weg, damit du nicht als Moralapostel oder Gutmensch hingestellt wirst? Mach endlich die Augen auf und sie ein, wie es wirklich in der Welt läuft?
Im übrigen schließt ein moralisches Gewissen und die eigene Fehlbarkeit sich nicht gegenseitig aus. Nein, mit großer Wahrscheinlichkeit bin ich nicht besser, und mache auch eine Unmenge an Fehlern. Aber ich bemühe mich, nicht immer die gleichen Fehler zu machen, weil ich kein Bock habe, wie ein Idiot immer den selben Mist zu produzieren.
Und das mit Menschen die in anderen Ländern sterben zu vergleichen, ist schon ein bisschen unfair. Das sind Problematiken, die wir hier nur schwer steuern können. Außerdem lässt sich diese Argumentation noch sinnlos fortführen. 15% der Menschen nutzen alle Weltreserven, die 85% der Armen gehen leer aus. Ja dann, sind wir alle moralisch schuldig, und es gibt keine Absolution. Im übrigen, finde ich diesen Vergleich zu groß. Hier geht es um einen moralisch verwerflichen Geflügelproduzenten als Hauptsponsor von Werder Bremen. Dein angesprochenes Thema bedarf einer richtigen, eigenständigen Diskussion. Das hier in diesen Thread rein zu werfen, erscheint mir als lapidar.
Und jetzt versuche ich weiterhin ein besserer Mensch zu sein, und stelle mich jeden Tag den moralischen Fallgruben des Lebens.