Richtig, es geht um die "Randbedingungen". Und da nicht mal unbedingt um eine verunsicherte Truppe, denn das ist nur die Wirkung, nicht die Ursache.
Da das Gladbach-Spiel hier erwähnt wird. Jo, da war ich im Stadion. Sehr schönes Beispiel wie eine insgesamt normal bis minder talentierte Mannschaft (Gladbach) gegen eine insgesamt normal talentierte Mannschaft (Werder) aussehen kann. Gladbach war individuell niemals besser besetzt, aber du wusste jeder, wie und wann er welchen Ball wohin spielen musste. Wie ein Ball in den richtigen Fuß gespielt werden muss, flach gepasst wird, statt gehoppelt. Wie jeder zum Ball stehen muss. Wie sich Spieler individuell unter Bedrängnis verhalten sollten und aus der Enge befreien können oder, besser noch, Unterzahlsituationen möglichst vermeiden können. Werder im selben Spiel der genaue Gegenentwurf. Hoher Laufaufwand, hohe Intensität, gute Bereitschaft, aber kein einziger abgestimmter Laufweg, typisch miese Raumaufteilung, von den angesprochenen fußballerischen Grundlagen ganz zu schweigen.
Ich glaube fast, keine Truppe in der Bundesliga hat solche Schwächen in den Basics. Und genau das ist nun mal eine elementare Aufgabe eines Trainerstabes. Es fällt doch immer wieder auf, dass viele Zugänge bei uns zunächst noch passabel anfangen, aber dann im "Werder-Rhythmus" abstürzen. Das sind heute (fast) alles keine Straßenfußballer mit entsprechenden Charakteren mehr, die genug Selbstverantwortung entwickeln, so dass ein Trainer die "Dinge" einfach laufen lassen und sich auf "Automatismen" beschränken bzw. konzentrieren kann.
Deshalb kommt eine Mannschaft mit vielen durchschnittlich talentierten Einzelspielern heute kaum noch gegen eine ebenso durchschnittlich talentierte, aber gut organisierte Mannschaft an, sofern nicht der Spielverlauf besonders günstig ist, glückliche Umstände reinspielen, eins, zwei Individualisten es im Alleingang herausreißen. Oder das Ganze mit viel höherem Aufwand in Laufarbeit und Kampf kaschiert wird (was aber über 90 Minuten kaum zu schaffen ist, außerdem gibt es nicht viele Gegner, die sich dieses Handicap geben). Wie oft das klappt, haben wir in der Rückrunde oder letzte Saison gesehen.
Passt es in der Truppe, ziehen alle am gleichen Strang, kann sich auch unter diesen Voraussetzungen ein Lauf entwickeln, der zumindest zeitweise gute Ergebnisse bringt, läuft aber irgendwas nur im Ansatz schief, fehlen Schaaf` s Mannschaften Eigeninitiative, kluge Mittel an Spielführung sowie taktisches Rüstzeug und der Mist geht von vorne los. War ja nicht die erste Rückrunde, in der wir auf die Weise alles verspielen.
Und ohne eine solche, solide Grundstruktur sehen eben mannschaftliche Systemspieler wie Junuzovic (gutes Passspiel, auf vernünftigem Niveau lauf- und zweikampfstark, aber keine herausragende Übersicht und Antizipation, durchschnittliches Spielverständnis) bei uns auf Dauer einfach nur dumm aus, wenn der oder die intelligenten Spieler a` la Micoud oder Baumann daneben fehlen, die quasi die Trainerarbeit mit übernehmen und - das wird doch gerade in Zeiten wie diesen überdeutlich – Schaaf geraume Zeit gut aussehen liessen.
Schwächen in den Basics plus die gewohnten taktischen Defizite und Arroganz hinsichtlich Gegnerorientierung, eine gefährliche Mischung. Schaaf und sein Stab werden nicht plötzlich alles umstellen, was 13 Jahre offenbar vernachlässigt wurde. Was Allofs auch versucht, solange keine Volltreffer gelingen, also ein oder besser noch zwei, drei hoch spielintelligente, erfahrene Leute geholt werden, wird sich da nichts ändern. Und die sind heuer viel schwerer zu bekommen als vor 10 Jahren. Also Spieler, mit denen jeder Trainer gut arbeiten könnte und Erfolge einfahren würde, solange er kein überzogener Disziplinfanatiker in Bezug auf sozial inkompatible Mätzchen ist. Unsere größte Baustelle befindet sich auf der Bank, nicht im "Trümmermittelfeld". Wobei letzteres dann doch wieder die größte Baustelle ist, weil ersteres nicht angegangen wird. Insofern hat Maddin im Umkehrschluß wieder recht.
Wie immer nur meine Meinung.