Wie TS oftmals richtig behauptet liegt das Hauptproblem darin, wenn wir selbst den Ball haben. Wir wissen nix damit anzufangen, verlieren ihn dann oftmals haarstäubend und laden den Gegner dazu ein, Angriffswelle um Angriffswelle zu rollen. Das sich dann Fehler in der Abwehr einstellen und Gegentore fallen ist klar. Wir brauchen Ruhe und Struktur in unserem Spielaufbau. Wir brauchen Ballsicherheit und Spieler mit Übersicht, die Spielsituationen erkennen und auch mal den Rhythmus wechseln können. Bei uns war es doch oft so, dass wir den Ball nicht mal über drei Stationen in den eigenen Reihen halten konnten. Und am Ende des eigenen Ballbesitzes stand eben oft ein Risikopass oder ein waghalsiges und blindes Dribbling in den Gegner und schon war der Ball weg. Die Mannschaft war weiterhin in Vorwärtsbewegung und schon rollte der Konter wieder.
Das Problem wurde von TS ja erkannt und mehrfach angesprochen, konnte aber nicht behoben werden. Liegt das nun an der Unfähigkeit des Trainers oder an der fehlenden Qualität der Spieler?
An die fehlende Qualität der Spieler glaube ich eher weniger, dazu haben wir seit vielen Jahren zu krasse Schwankungen in den Mannschafts- aber auch Individualleistungen der Akteure, d. h. zu oft bleibt angedeutetes Potential brach liegen, es wird zu selten genutzt.
Ich glaube jedenfalls, dass Schaaf Spieler gut erreicht und motivieren kann. Es ist nur die Frage, wie und mit was er sie erreicht. Denn was ich nicht glaube ist, dass er eine Mannschaft ausreichend inspirieren kann, dafür spricht schon seine trocken- farblose, hölzerne Art, die er in der Außendarstellung immer wieder zeigt.
Es mangelt Werder m. E. nicht an Einstellung oder Willen (wofür Statistiken wie Teamlaufleistungen im Vergleich zu den meisten Gegnern oder der jeweilige Einsatzwille Einzelner direkt in den Spielen Indizien sind). Ebenso die Systemfrage, die spielt zwar eine Rolle und es ist unstrittig, dass das Personal für die Schaaf-Raute nicht passt. Aber das ist vielleicht nicht ganz so wesentlich, wie es gern behauptet wird. Wir sind in den letzten beiden Jahren bei Versuchen im 4-2-3-1 noch krasser gescheitert als mit der Raute. Schaaf hat schon recht, wenn er sagt, dass es die Spieler noch weniger umsetzen konnten. Ich denke allerdings, dass so ein System statischer, positionsbezogener, deshalb taktisch disziplinierter gespielt werden muss und das ist es nun nicht gerade, was unsere Spieler unter TS lernen.
Eines fällt und fiel doch während der Schaaf-Ära immer wieder auf (was Du letztlich bestätigst): Es mangelt Werder`s Protagonisten am nötigen Verständnis für das Spiel sowie für ihre Tätigkeit auf dem Rasen an sich. Und genau das scheint nicht ausreichend genug gefördert zu werden, obwohl es gerade bei einer jungen Truppe unabdingbar wäre. Deshalb fallen bspw. immer wieder Aufmerksamkeitsdefizite extrem auf, schläfriges Verhalten, was jedoch nichts mit System oder Einstellung zu tun hat. Sondern mit der Fähigkeit, das Spiel richtig zu lernen und zu verinnerlichen. Womit wir wieder bei der Inspiration sind. Solche "Dinge" fallen nun einmal klar in` s Aufgabengebiet eines Trainerstabes. Es macht doch wenig Sinn, Automatismen zu trainieren, wenn die Spieler nicht wissen, wofür und warum das immer wieder wichtig ist. Schaaf trainiert Laufwege, im Spiel stimmen die trotzdem nicht, er legt Spieler sogar an die "Leine" und trotzdem passen im Ernstfall die Abstände so selten. Es sei denn, seine Spieler sind klug genug, sich selbst auf dem Rasen was einfallen zu lassen und dabei sogar richtige Entscheidungen zu treffen. Und dabei andere mit zu inspirieren. Deswegen ja die ständig wiederkehrende Debatte, dass Schaaf viele intelligente Spieler auf dem Rasen braucht, um sein Konzept umzusetzen.
Natürlich hatte Schaaf immer und zu jeder Zeit ein klares Konzept und eine nachvollziehbare Spielidee. Ebenso sind immer wieder gleiche oder zumindest ähnliche Fehler eine logische Folge des Ganzen, aber doch nicht das elementare Problem. Die große Mehrheit der Trainer verfolgt ein Konzept und variiert wenig. Bei Schaaf fällt` s halt mehr auf, weil er solange beim selben Verein ist.
Es geht darum, innerhalb eines Konzeptes mindestens so flexibel zu bleiben, dass diese (kalkulierten) Fehler nicht das gesamte Konstrukt gefährden. Letztlich steht und fällt damit die Zukunfts- und Konkurrenzfähigkeit eines Konzeptes. Schaaf fehlt es mMn seit jeher an Fehlertoleranz, in Taktik, Strategie, System oder in Bezug auf Alter, Erfahrung, Talent bzw. Nichttalent seiner Spieler.
Was hinzukommt und mir gerade in Bezug auf diese Fehlertoleranz noch viel mehr zu denken gibt, ist die Entwicklung des Fussball in der Bundesliga, wie auch international. 2008 waren die Anfänge zu sehen, vom strikten Systemfussball, der sich nach und nach immer mehr durchsetzte. Seitdem fallen die Defizite des Schaaf`schen Konzeptes stetig deutlicher auf.
Es gab letzten Sommer ein Freundschaftsspiel Werder`s in Freiburg, welches wir 4:3 oder so gewannen. Das war so ein Knackpunkt, wo zu sehen war, dass Schaaf wieder nicht die richtigen Rückschlüsse aus der Fastabstiegs-Saison gezogen hat, was sich letztlich leider bestätigte.
Was ich auf Sofatester meinte - klar kann TS wieder bessere Ergebnisse erzielen, evtl. auch 5. werden wenn die Transfers passen, Hunt fit, Naldo bleibt usw. Viel entscheidender wird aber sein, WIE diese Erfolge zustande kommen. Wir nutzen seit vielen Jahren nicht die potentielle Qualität des Kader` s.
Daher…..
Nun meinte ich das so: Wenn DENN TS den Umbruch schafft, weil irgendwie seine Standardinstrumente bei den jungen Spielern fruchten (meinetwegen Platz 5 mit steigenden Marktwerten und gutem Fußball) bricht dann in Bremen sofort wieder der Glaube an den ewigen Schaaf aus bzw. Glauben wir dann wieder, daß wir das immer innovativ erneuern. NEIN, das ist gar nicht Schaaf sein Ding. Das wird relativ schnell wieder in die Konservierung gehen. Nur die "Ohne-Schaaf-geht-es-nicht-Sucht", erhält wieder neues Wasser auf die Müllsteine und man kann mitunter wieder Jahre des Stillstandes und Rückschrittes mit vergangenen Erfolgen rechtfertigen, im werderinternen Angstseminar. Das was da läuft hat für mich schon fast Suchtcharakter. Ein glatter Strich nach dieser Saison wäre richtig gewesen.
@Bremen
Nein, das glaube ich nicht. Wie oben beschrieben.