Inwiefern die nämlich angeblich wollen, dass die Taliban wieder herrschen ist mir alles andere als klar. Zumindest mir - und ganz vielen anderen Kritikern des ISAF-Einsatzes - geht es gerade darum, dass die Taliban nicht wieder ihre Gewaltherrschaft ausübern können. Nur halte ich die derzeitigen militärischen Lösungsversuche für völlig ungeeignet.
Ja und Nein! Die militärischen Lösungsversuche wie sie derzeit angegangen werden sind sicherlich weitesgehend untauglich. Aber ich muss maddin schon recht geben, wenn man tatsächlich nachhaltig etwas an der Lebensituation der unschuldigen Menschen verbessern möche, dann muss man da auch nachhaltig militärisch im ganzen Land präsent sein. Die Taliban, Stammesmilizien und weiss der Geier was für Milizen das sonst noch rumrennen müssen entwaffnet werden.
Alles andere, insbesondere ein schneller Abzug der Truppen, hat zur Folge, dass es wieder zum Bürgerkrieg kommt. Der Sieger wäre mir nicht ganz klar, aber die Lebensituation der Menschen würde sich nicht verbessern.
Das Problem heute besteht doch darin, dass man etwas Angefangen hat, was man nicht zu Ende bringt. Man hat eine Scheindemokratie aufgebaut, die im Westen ein bisschen abgefeiert wird, mit irgendwelchen Provinzen die befriedet scheinen. Karsai wird ja nicht zu Unrecht von vielen Kommentatoren als Herrscher von Kabulistan bezeichnet, weil die Macht seiner Regierung faktisch nicht über die Stadtgrenzen von Kabul hinausreicht.
Nee, richtige Verhandlungen können nur dann erfolgreich sein, wenn beide Seiten sich auf Augenhöhe begegnen. Also, sagt das schon was darüber aus, wie die Vertragsparteien drauf sind. Zum anderen sind Verhandlungen dazu da, um die Situation für die Menschen unmittelbar zu verbessern und ist nicht nur Geschwätz.
Verträge sind häufig das Papier nicht Wert auf dem sie geschrieben sind, wenn es keine Möglichkeit gibt einen Vertragsverstoß zu sanktionieren. Da kommen wir auch schnell in die Konfliktsituation, dass es eigentlich rein rechtlich überhaupt keine Basis für Verträge zwischen den Taliban und den ISAF-Truppen gibt und damit auch keine Sanktionsmöglichkeiten.
Mich würde wirklich Lösungsvorschläge interessieren, die eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation der Menschen in Afghanistan gewährleisten und ohne militärische Mittel auskommen würde.
Edit:
Auch wenn ich die Meinung teile, dass der Deobandismus mit dem Islam nicht viel Gemeinsames hat: die Wortwahl "Barabaren" halte ich für unangebracht bzw. zumindest unklug. Da schwingt immer ein bisschen das Werturteil "unterentwickelt" mit. Es kann also so verstanden werden, dass andere Kulturen der westlichen schlicht unterlegen sind, dass "unsere" Kultur die höchste Entwicklungsstufe aufweist.
Noch "unglücklicher" war die Formulierung von Bush jr., dass der Krieg Teil des Kreuzzugs (!) gegen den Terror ist.
Durchaus richtig. Allerdings hat das Wort "barbarisch" ja eine gewisse Definition, unter die ich die Verhaltensweisen der Taliban durchaus subsumieren mag. Natürlich beinhaltet dies ein abwertendes Werturteil über die Taliban.
Aber sich um ein Wort zu streiten hilft der inhaltlichen Diskussion tatsächlich wenig weiter.