Eine Vorsichtsmaßnahme: Werder leiht Tziolis aus
23-jähriger Grieche darf sich beweisen, weil"s im Mittelfeld Probleme gibt
08.01.2009 · Von Björn Knips
BREMEN Klaus Allofs ist wieder da - und mit ihm gleich ein neuer Spieler. Der Werder-Sportchef war gestern Nachmittag gerade erst aus seinem USA-Urlaub zurückgekehrt, da bestätigte er auch schon auf Nachfrage den Anflug von Alexandros Tziolis. Der 23-jährige Grieche kam am Abend auf dem Bremer Airport an und soll heute nach dem obligatorischen medizinischen Check offiziell als Neuzugang vorgestellt werden. Allerdings: Werder geht auf Nummer sicher, hat den defensiven Mittelfeldspieler nur bis Sommer für 300000 Euro von Champions-League-Gegner Panathinaikos Athen ausgeliehen. Per Kaufoption kann der Bundesligist Tziolis aber für weitere 1,7 Millionen Euro endgültig verpflichten.
"Tziolis war schon im Sommer ein Thema für uns, doch damals passten die Konditionen noch nicht. Jetzt kamen zwei Dinge zusammen: 1. Wir konnten ihn mit einer Kaufoption ausleihen. 2. Nach den Verletzungen von Daniel Jensen und Aaron Hunt hatten wir das Gefühl, für das Mittelfeld reagieren zu müssen", erklärte Allofs.
Eile war zudem geboten, weil auch der VfL Bochum großes Interesse an einer Verpflichtung zeigte, "und Panathinaikos langsam etwas unruhig wurde", wie Allofs berichtete. Der Hauptstadt-Club wollte Tziolis im Winter unbedingt loswerden und zu Geld machen. Denn in den Planungen von Trainer Henk ten Cate spielte der zehnfache Nationalspieler kaum noch eine Rolle, und das Vertragsende 2010 rückte auch immer näher.
Da griff Werder zu. Aber kann ein Reservist aus Griechenland (nur zehn Liga-Spiele in der Hinrunde) den Bremern wirklich weiterhelfen? "Natürlich", behauptete selbstverständlich Allofs: "Tziolis ist zweikampf- und kopfballstark, hat einen guten Schuss und ist auch gut im Spiel nach vorne." Als Beweis dafür fügte Allofs das Heimspiel im November gegen Panathinaikos an, als Tziolis als Vorbereiter des 1:0 und Torschütze des 3:0 maßgeblich am 3:0-Coup seiner Mannschaft beteiligt war. Trotz seines Einsatzes in der Königsklasse darf der Grieche übrigens für Werder im UEFA-Cup spielen.
In seiner Heimat gehen die Meinungen über Tziolis auseinander. Als "Sechser" sei er zwar gut, sollte aber besser nicht allein vor der Abwehr spielen, hieß es. Vom Typ her sei Tziolis mit Werder-Kapitän Frank Baumann zu vergleichen. "Nicht gerade schnell, aber mit einem guten Auge und einer Vorliebe für sichere Pässe, um kein unnötiges Risiko einzugehen", berichtete ein griechischer Journalist. Als Ersatz für Baumann, der möglicherweise im Sommer seine Karriere beenden wird, sieht Allofs den Neuzugang aus Athen aber nicht: "Darum geht es nicht. Wir wollten eine weitere Alternative haben und unsere Qualität steigern. Die Fähigkeiten dafür besitzt Tziolis, das hat er in der Nationalmannschaft und in der Champions League gezeigt."
Für den Betroffenen selbst geht jedenfalls ein Traum in Erfüllung. Schließlich ist er in Deutschland in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen, spricht die Sprache seiner neuen sportlichen Heimat gut. "Ich bin sehr glücklich über diesen Wechsel. Und ich möchte die Verantwortlichen bei Werder mit meiner Leistung davon überzeugen, dass ich bleiben muss. Es ist mein Ziel, nicht nach Griechenland zurückzukehren", sagte der 23-Jährige.
Laut Allofs wird Tziolis heute Morgen noch nicht mit der Mannschaft nach Belek reisen. Erst müssen die Formalitäten geklärt werden. Morgen soll der Grieche dann nachreisen - und wie passend: Auch Allofs wird dann wieder unterwegs sein. Diesmal sogar gemeinsam mit Tziolis. Denn nach seinem Urlaub hat der Sportchef heute in Bremen noch einige Dinge zu klären, wie er gestern verriet.