Ist das so? Leise Zweifel bleiben.
Was Schaaf sehen will, das lässt sich doch aus all den Jahren herleiten, ist ein flüssiges, schnelles Spiel durch die Mitte mit konsequentem Abschluss der Aktion.
Deshalb lässt Schaaf Raute spielen, weil er a) ganz offensichtlich glaubt, seine Spielidee nur so verwirklichen zu können (was sicherlich nicht falsch ist) und b) das eben schon mal irgendwann zu seiner Zufriedenheit nahe am Optimum funktioniert hat.
Mag sein dass Schaaf das sehen will, flüssiges schnelles Spiel durch die Mitte haben wir aber in den letzten Jahren selten gesehen weil Diego nicht der Typ Spieler war, der schnell spielt. Eher schon mit Özil sind wir diesem Optimum nahe gekommen. Die Perfektion dessen war natürlich unter Micoud.
Über den Zehner ist viel gesagt worden, was alles irgendwo stimmt, ich bin dennoch nahe bei Maddin, dass unser derzeitiges Defizit mehr auf der Sechs zu suchen ist.
Da widerspreche ich nicht, ich habe es eben mehr auf die zentrale Achse bezogen, zu der die 6 ebenso gehört wie die 10. Stabilisiert sich die eine Position wird es auch für die andere automatisch leichter (Anspielstation für den 6er).
Quintessenz: Enorm hoher Aufwand bei vergleichsweise wenig Ertrag. So verbrennst Du eben teilweise die Spieler ohne grosse Hoffnung auf Weiterentwicklung und es erschwert die Integration von Neuzugängen. Das reicht oftmals immer noch, nicht zuletzt wegen der Qualität und der guten Einstellung, bspw. um Rückstände aufzuholen, führt aber zu erwartbaren Rückschlägen, die dann eben z.T. heftig kommen. Muss das sein?
Denn wir haben gesehen, was möglich ist in Augsburg ab ca. der 60. Minute, gegen Köln ab der 37. Minute. Ich war im Stadion. Bei einer Systemumstellung auf 4-3-3 kam unsere Mannschaft extrem gut ins Spiel. Ja, sowas geht zu Lasten der Flexibilität, erleichtert aber zumindest unseren Spielern einiges, die mit einem klareren Aufgabenfeld deutlich besser zu recht kommen. Dass wir dann in Gladbach wieder mit einer Raute aufliefen, bei gleichen Spielern mit systemimmanenten Schwächen, mit gleichbleibender Ausrichtung, hab nicht nur ich nicht verstanden.
Du ziehst die falschen Schlussfolgerungen aus einer an sich nicht ganz falschen Analyse: Das Problem auf der 6 ist, genau wie du schreibst, die mangelnde Fähigkeit das Spiel kreativ aus der Defensive heraus zu eröffnen. Einem Bargfrede z.B. fehlen hierfür entschieden die Mittel, ebenso Fritz. Was ändert sich also an diesem Problem wenn du einem kampfstarken 6er einen zweiten kampfstarken 6er an die Seite stellst? Gar nichts, du stärkst die Defensive, machst aber immernoch nichts für die Offensive. Wesley wäre der Typ Spieler der neben Bargfrede diese Position einnehmen könnte, nur steht Wesley komplett neben sich, somit ist diese Option nicht gegeben. Wenn man sich hingegen Spiele wie gegen Stuttgart, Hamburg und Dortmund anguckt, dann sieht man dass defensiv nicht das System der Raute entscheidend ist sondern dass die Spieler die ihnen zugeteilten defensiven Aufgaben über 90 Minuten auch erfüllen. Dass das geht haben insbesondere -aber nicht nur- besagte Spiele gezeigt. Nochmal also: Wozu der zweite 6er? Wenn in einem System mit Doppel-Sechs die Spieler nicht ihren Job erfüllen ist die Konsequenz die selbe wie bei einer Raute.
Dein Beispiel 4-3-3: Was ist ein 4-3-3? Nichts anderes als eine Raute mit vorgeschobenem Offensivspieler. Die Außenspieler lassen sich genau wie in der Raute defensiv zurückfallen und in der Defensive steht Fritz meistens eh neben der 6 in einer Doppelabsicherung. Nimmt man dann noch hinzu, dass Arnautovic als nomineller Stürmer fast immer tief mitverteidigt, kann man taktisch eigentlich schon nicht mehr von einem echten 4-4-2 reden, dies gilt nur in der Offensivbewegung.
Mir wird hier offen gesagt viel zu dogmatisch über sog. 433, 4231, 442 etc. diskutiert. Werders System ist wesentlich dynamischer als es hier mit "Raute" gemeinhin abgetan wird. Wie schon gesagt existiert die Raute nur in der Vorwärtsbewegung und wird defensiv genau dann kritisch wenn die Mannschaft durch dumme Ballverluste in der Vorwärtsbewegung defensiv offen steht. Gegen Gladbach wurde da in jeder Hinsicht gezeigt wie man es nicht macht. Fehlender Zweikampfwille, kaum Bewegung, eklatante Ballverluste, Ungenauigkeiten im Passspiel egal ob in der eigenen Hälfte oder nach vorne. Dieses Spiel als Beispiel für eine Systemdiskussion zu wählen ist in meinen Augen unbillig.