Aber für den Moment, und vielleicht ist das ganz gut so, vertraut Schaaf auf sein bewährtes Mittel in der Raute, wofür eben Fritz/Hunt unverzichtbar sind.
Ich weiss nicht, ob das "ganz gut so" ist.
Gerade die letzte Partie in Augsburg war so ein Paradebeispiel, warum beides möglicherweise nicht gut ist.
Augsburg hat mMn mit 3 Dreierketten und einem Stürmer gespielt, sowas hab ich taktisch überhaupt noch nicht gesehen. Aber so fanden sie eine Ordnung auf dem Platz, mit der lediglich das Halten der Abstände und normaler Laufaufwand reichte, um unsere Raute nahezu zu neutralisieren. Meist schlugen sie lange Bälle, die in der Regel durch Naldo (riesig, was der am Freitag weggefischt hat!) per Kopf abgefangen wurden. Es waren aber die 2. Bälle, auf denen ihr Augenmerk lag. Denn die vordere Dreierkette presste relativ hoch, da haben sich die beiden Äußeren meist fallenlassen und unsere AV`s rausgezogen, während der Stürmer von Naldo/ Wolf übergeben wurde und der zentrale Spieler der Dreierkette auf Iggy ging und eben beim 2. Ball Eins-gegen-Eins heraufbeschwor. Weil wir eben nur mit einem Sechser spielen und das Zentrum vor der Deckung zwangsläufig hin und wieder vernachlässigen. Letztlich fiel das 1:0 durch ein Nachsetzen beim 2. Ball.
Und gegen den Ball hielten die anderen beiden Dreierketten das Geschehen sehr eng, Pizarro und Marin wurden praktisch egalisiert, da war auf direkten Wegen nie ein Durchkommen und rückten Werder`s HP`s nach, war die Versorgung abgeschnitten bzw. es musste erst wieder nach Aussen gespielt oder eine neue Idee produziert werden. Tempo unmöglich.
Der klare Nachteil der Augsburger Ordnung, den sie dadurch in Kauf nehmen mussten, war der, dass sie aufgrund von eben nur drei Akteuren in der Pressinglinie auf der gegenüberliegenden Seite des Spielgeschehens einen relativ breiten Korridor lassen mussten. Mit klugen Seitenverlagerungen hätte Werder die ständig aufreissen können.
Aber Werder hat das über eine Stunde lang nicht kapiert. Erstens weil diese unsägliche Raute an sich einmal mehr nachwies, wie schwer es ist, mit diesem System das Spielfeld geschickt breit zu machen. Zweitens, weil generell die intelligenten Leute mit der nötigen Übersicht und gutem Spiel im Raum zur Umsetzung dieses Systems fehlen - Iggy, Wolf, Sokratis, Fritz, Marin waren weder in der Lage, den klugen Flankenwechsel oder Diagonalball zu bringen, noch sich so zu bewegen, dass eben genug Platz entstand. Lediglich Hunt, Pizza oder Naldo gelang das manchmal, allerdings auch nur selten. Und drittens, weil Werder`s Ordnung wie so oft der des Gegners unterlegen war. So wird halt jeder Versuch, Tempo ins Spiel zu bringen, meist schon im Keim erstickt und individuelle Unterlegenheit ausgeglichen.
Augsburg hatte sich verdammt gut auf uns eingestellt.
Erst als Schaaf die Formation variierte, mit Wagner zusätzliche Präsenz und Kampfkraft in die Spitze brachte, hinten die Viererkette im Aufbau stärkte, wo Fritz weniger "Kopf-durch-die-Wand-Aktionen" startete und Ekici als "Hybridspieler" aus der Tiefe sowohl Iggy, als auch die Offensive unterstützte, schaffte es Werder, deren Ordnung gezielt zu bearbeiten und auseinanderzuspielen.
Werder müsste mE aufgrund zu weniger Kreativspieler und fehlendem Tempo System und Spielausrichtung auf der Basis eines klareren Handlungsrahmens wählen, welcher den Akteuren nicht viel "freischaffende Kunst" genehmigt, dafür aber die Basics berücksichtigt.
Ein 4-3-3, egal in welcher abgewandelten Form, wäre vermutlich hilfreicher plus strikten Vorgaben.