Die Aufstockung der Liga erfolgte nach der Saison 1964/65. Da war Werder gerade Meister und Hertha BSC blieb als Drittletzter in der Liga, da ab 65/66 mit 18 Vereinen gespielt wurde. 65/66 wurde Werder als Meister dann nur 4.- wie @JackieX richtig feststellte. Da am letzten Spieltag gegen
Aufsteiger Bayern München nur ein 1:1 erreicht wurde, konnten die Bayern mit 2 Punkten Vorsprung nicht mehr überflügelt werden. Bayern wurde dadurch Dritter (abgesehen von Lautern 98 damit bisher zweitbeste Aufsteigerplatzierung seit Ligagründung), punktgleich mit Dortmund, souveräner Meister war München 1860!
Die Saison, die Du meinst, @Schmolle, war die darauffolgende - 1966/67. Werder landete erst am letzten Spieltag auf dem drittletzten Platz, weil die Mannschaft aus den
letzten 10 Spielen (war es da schon zu ruhig?) nur einen Sieg holte und so von Platz 8 durchgereicht wurde. Allerdings standen da die 2 Absteiger (Düsseldorf, Essen), bereits am vorletzten 33. Spieltag fest. Werder hatte den Klassenerhalt schon drei Spiele vor Saisonschluss sicher, trotz der Negativserie. Dafür wurden wir dann 67/68 nochmal Vizemeister.
Ich war zu diesen Zeiten noch lange nicht geboren, aber Vereins-Chroniken lese ich schon mal.
Insgesamt finde ich es schon in Ordnung, dass Schmolle, DKBS und andere versuchen, die ruhige, vor allem auf Kontinuität, Langfristigkeit ausgerichtete Vereinspolitik Werder`s hier vehement zu verteidigen, da sie aus der Erfahrung heraus und zu Recht auf andere mögliche Konsequenzen hinweisen und glauben, dass es nur noch bergab gehen kann.
Im Gegensatz dazu, wenn ich dieses - logisch - eigentlich nicht vergleichbare Beispiel einmal anführen darf, prägen mich Erkenntnisse aus meinem Vereinsfussball. In den kompletten 90ern konnte die 1.Mannschaft unseres Dorfvereins auf Bezirksebene - in einer Liga, die aufgrund der Möglichkeiten normalerweise viel zu hoch war - oben mitspielen. Abhängig auch von einer starken Spielergeneration, die bodenständig dem Verein die Treue hielt, ohne einen Pfennig dafür zu bekommen. Da wir das wussten, bauten wir zeitgleich eine Nachwuchsabteilung auf - wo ich selbst einige Jahre als Nachwuchscoach agierte - aus der es dann 5 Jungs in Junioren - Landesauswahlen unseres Bundeslandes schafften. Doch Umfeld und Vereinsebene wuchsen nicht mit trotz der durch diese Ausgangssituation durchaus machbaren Veränderungsmöglichkeiten, die sich sogar selbst anboten (Sponsoren, Spieler, Trainer, Abteilungsleiter aus Nachbarvereinen mit neuen Ideen). Es war ein Kampf gegen Windmühlen - gegen Engstirnigkeit im Verein, die glaubten, es ginge schon immer so weiter und es müsste an später gedacht werden und, und, und....
Inzwischen ist die 1. Mannschaft in den vergangenen 5 Jahren dreimal abgestiegen bis runter in die 1. Kreisklasse, so tief spielte zumindest diese Mannschaft in 98-jähriger Geschichte noch nie. Aus dem eigenen Nachwuchs haben in 10 Jahren etwa 50(!) Spieler den Verein verlassen. Klar, auf einem völlig anderen Niveau, aber ein Beispiel, wohin so etwas führen kann. Dies ist eben manchmal die andere Seite der Medaille, wenn sich dagegen gewehrt wird, mit Traditionen zu brechen, Innovationen vor der Tür bleiben, weil bewusst, und aus Negativerlebnissen heraus, Ängste geschürt werden.
@Schmolle
Zunächst einmal habe ich die von mir genannten Attribute wie "....Öffentlichkeitsarbeit, Transparenz, Fördern der Eigenverantwortung aller Beteiligten" usw. überhaupt nicht mit dem Investieren von viel Geld in Verbindung gebracht. In anderen Posts habe ich mir lediglich ab und an mal etwas mehr Risiko in dieser Hinsicht gewünscht - in überschaubarem Masse! Nur - dies einzugehen ist Werder nach derzeitigem Erkenntnisstand ja nicht einmal bereit.
Womit sollen die Bremer Kaufleute die Abstände zwischen den Top Vereinen überbrücken, um ein Spitzenverein zu werden. Werden, wohlgemerkt, wir sind keiner. Die aktuelle Berichterstattung sagt es wieder: Wir haben einen Umsatz von 112 Mio, Bayern 286, Spitzenvereine Englands (z.B.) ManU über 300 Mio Umsatz. Da gibts nichts drüber zu reden - eine solche Hürde stemmt man nicht mit ....
Schon wieder sprichst Du einen wichtigen Punkt an. Die Umsatzverdopplung Werder`s seit 2004, die jährlich neuen Rekord - Ankündigungen stehen auf der einen Seite. Investiert teils in Gehälter, teils in Ablösesummen. Auf der anderen Seite das, was dabei rauskommt - elementar die Ergebnisse der Mannschaft. Und hier entwickeln wir uns spätestens seit 2006 rückwärts, dokumentiert in immer früherem Ausscheiden in der CL, in nicht mehr besserem Abschneiden in der Liga - trotz dem teuersten Kader der Bremer Geschichte, trotz immer höheren Umsätzen. Daher gehe ich nicht mehr mit den Meinungen konform, dass immer noch alles optimal läuft und bleibe ich dabei: Vieles fusst m.E. auf dem traditionell, schon aus der Rehagel/Lemke-Ära geprägten Underdog-Denken vom armen, lieben Bremen, das sich lieber nach dem ,,Schuster bleib bei deinen Leisten"-Prinzip besser aufgehoben wähnt.
Wir werden in der Bundesliga als Spitzenverein wahrgenommen, nur Werder selbst will es nicht wahrhaben. Damit wandeln wir aber auch auf einem gefährlichen Grat. Den gestiegenen Status, auch international, werfen wir weg, weil errungener Erfolg nicht in Erfolgswillen und Erfolgsdenken umgesetzt werden kann. Die Frage ist: Wann kommen diese Chancen wieder? Ich möchte keinesfalls blinden Aktionismus, aber welche Argumente gibt es gegen punktuelle Veränderungen, die kaum risikobehaftet sind? Wie, habe ich weiter oben angedeutet. Jedenfalls sehe ich im Stillstand erheblich grössere Gefahren als in der Bewegung, weil Entwicklung ohne diese nicht geht.
Unser kader ist im internationalen Vergleich immer noch billig, ja gerade zu ramsch. Das wird hier vergessen. Weil für uns Pipifax Normal****** 33 Mio fest bis 50 Mio flexibel (in etwa die Personlakosten des kadrs pro Saison) ne horrende Summe ist, ist sie das nicht für z.B. Famagusta. Ja das "unbekannte" Famagusta zahlt in etwa so gut wie Werder. Oder glaubt man, das ein Europameister da umsonst und fürs Butterbrot spielt? Die denke, die du anklingen lässt, ist verstaubt, Mick. Du darfst gerne diese deine Sichtweise haben, nur sie entspricht nicht mehr der Aktualität. Man darf solche Mannschaften schlagen, auch können, aber erwarten kann man das nicht. Es hoffen und es schade finden, wenn es nicht klappt. Weil sie finanziell auf Augenhöhe mindestens, wenn nicht über uns sind und nur weil wir uns für ihre Liga nicht interessieren, heißt das nicht, das sie schlecht sind.
(Panathinaikos hat z.B. ne ähnliche Europavita wie wir, ist sehr gut mit uns vergleichbar).
Also, mit dem 33-jährigen Dellas, der in Zypern abtrainert und damals in einer Mannschaft spielte, die durch Euphorie und eher durch Zweckfussball und einem Riesen Haufen Glück als durch fussballerische Klasse Europameister wurde, aus Famagusta einen europäischen Top-Favoriten zu machen, finde ich etwas zu weit hergeholt. Dazu kommen Savio (35 Jahre alt) und gescheiterte Zweitliga-Spieler wie Leiwakabessy, Tsitaishvili. Oder Paulo Costa, der es in Bordeaux,Venedig und Porto jeweils eine Halbserie auf die Ersatzbank schaffte. Ist das der Masstab, den Werder fürchten muss und wo wir nicht bestehen können, brechen wohl ganz schweren Zeiten an. Für viele andere wäre dies eine Traumgruppe gewesen.
Selbst wenn es so ist und Du Recht hast, dass Famagusta oder Panathinaikos vergleichbar zahlen, dann schauen wir uns diese drei Spiele an - wir hatten fussballerisch die erheblich bessere Mannschaft auf dem Platz, scheiterten aber an anderen Dingen. Explizit versinnbildlicht am Heimspiel gegen Athen: Zuvor hatte die griechische Presse das Panathinaikos Team verhöhnt wegen durchschnittlicher Ergebnisse in der Liga, Ten Cate wurde massiv in Frage gestellt, die eigenen Fans boykottierten das Training.
Bei Werder war nach dem 5:1 gegen Hertha alles eitel Sonnenschein, alles davor vergessen nach dem Motto:,,...pssst, bloß nicht die Ruhe stören, alles wieder gut!"
Zu sehen war dann auf dem Platz eine Mannschaft, die unbedingt was reissen wollte,
weil sie musste und eine Mannschaft, die nie aus ihrer Lethargie erwachte. Athen ging sofort drauf, es gab einige Fouls, mal fair und mal unfair - internationale Härte eben - diese Leidenschaft, die immer noch und vor allem auf diesem Niveau Vorraussetzung ist für erfolgreiche Spiele, nahm Werder schnell den Wind aus den Segeln. Weil Werder die gesamte Spielzeit über das Gefühl haben durfte:,,Wir haben ja CL gespielt, das haben ja andere nicht geschafft, es ist auch nicht so schlimm, hier zu verlieren ...." und nie unbedingt muss. Daher werden Tore bei uns selten erzwungen, auf des Gegner`s Spielweise selten gleichermassen reagiert.
Außerdem haben wir die "Millionenelf" schon an der Weser gehabt (ging schief und die dadurch horrenden Personalkosten und das versaute Gehaltsgefüge waren ein Grund für den späten Abstieg, man konnte jahrelang statt guter brauchbaer Leute nur "Granaten" vom Schlage der Topspieler des OSC bzw. Bremerhaen 93 holen). Böhmert, Fischer dachten damals genau wie du.
Muss die Tatsache, dass es einmal schief ging, das ganze Leben dafür sorgen, ängstlich zu agieren? Dann wären viele Unternehmen schnell dem Untergang geweiht. Abgesehen davon gibt es heute, wie oben bemerkt, ganz andere Umsätze, dadurch ganz andere Gewinnspannen, die bei effektiver Ausnutzung und durch vielseitigere Alternativen eine wesentlich höhere Sicherheit und Substanz versprechen. M.M.n. ein völlig unsinniger Vergleich.
Schmolle, stelle bitte nicht ständig falsche Statistiken in den Raum, wie:
Gladbach war dagegen bei ihrem Abstieg 1997 angeschlagen und schon zwei Jahre vorher (seit dem Effenbergtransfer finanziell bei Weggang Effes zu München sportlich und finanziell) die Luft fast ausgegangen - da hat ein Pokalsieg vieles übertüncht. Deswegen war der Vergleich mit dem Effe Transfer - wie jeder Vergleich ein hinkender. Bremen ließ kaufmännisch bieder die Finger davon, Gladbach sieg riskobehaftet ab, und kriegt seitdem nicht mehr die Erfolge der Siebziger geschweige denn der Achtziger wieder hin.
Gladbach stieg 99 ab, im Jahr 1 nach Effenberg. Von 94 - 97, mit Effenberg, kam Gladbach zweimal in den UEFA-Cup und wurde einmal Pokalsieger, was von 90 - 94 nicht in Ansätzen gelang. Noch 98 rettete im Saisonendspurt Effenberg`s individuelle Klasse Gladbach den Ligaerhalt sowie 99 den Bayern eine höchst souveräne Meisterschaft. Dieser Spieler hätte Werder weitergeholfen und ich weiss nicht, ob der das Gehaltsgefüge entscheidend gesprengt hätte. Es war auch nicht der Grund, dass es mit Gladbach abwärts ging, sondern die unter Rausch seit 97 verfehlte Einkaufspolitik sowie Machtkämpfe im Vorstand.
oder:
Milan scheidet dort traditionell spätestens meistens früher aus.
...schied seit 2002 in 6 Jahren nie in der Vorrunde aus, einmal im Halbfinale, drei Finalteilnahmen,darunter die CL-Siege 2003 und 2007.
Werder verucht sich schon seine Kuschelecke "ewiger Zweiter" einzurichten - ich glaube das ist auch deutlich. Ds das "zu wenig" "sein soll, "zu langsam" vonstatten geht "gar nicht wahrnehmbar ist" wie es geschieht sehe ich nicht. Ich bin auch ehrlich gesagt verwundert, wieso das, ja man muß ja schon sagen, von Werder "gefordert" wird. Woher kommt diese überriebene Erwartungshaltung?
Ich finde das was Werder macht sensationell. Diese Politik der kleinen Schritte - sensationell gut.
Ich hoffe inständig, dass Du Recht hast und die Politik der kleinen Schritte - wie Du das nennst - uns dauerhaft ein ähnliches Niveau beschert. Allein, so richtig daran glauben kann ich nicht. Auch das unbedingte Wollen kann ich einfach nicht erkennen. Und sinnvoll sowie sehr wohl durchdachte Ansätze sollten nicht mit übertriebener Erwartungshaltung gleichgesetzt werden.