Sondern dass man sich grundsätzliche Gedanken macht: über die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre, über die Spielweise, über die nach wie vor vorhandenen spielstrategischen Mängel und die Mängel im Defensivverhalten, und warum sie sich immer stärker auswirken. Gedanken darüber, ob sich der Fußball verändert hat, welche Mannschaften Erfolg haben und welche nicht. Vielleicht auch Gedanken, ob man weiterhin bei neuen Spielern überwiegend auf spielerisches Potential, Perspektive und Wiederverkaufswert achtet, möglicherweise auch über die wirtschaftliche Entwicklung eines Vereins wie Werder Bremen.
Ich war und bin überzeugt von dem grundsätzlichen Konzept bei Werder Bremen und halte viel von der Kritik daran für wenig durchdacht und vor allem wenig realistisch.
Aber was ich von Werder in der letzten Zeit sehe, ist eine fast absurd anmutende und grotesk scheinternde Selbstsicherheit, dass nicht falsch sein kann, was jahrelang gut war
Eine sehr mutige und meiner Meinung nach auch sehr fahrlässige, durch die vielen Erfolge gewachsene Selbstsicheheit, dass man auf dem richtigen Weg ist und schon alles gut gehen wird, wenn man diesen Weg einfach nur weitergeht.
Was ich sehe ist nicht viel mehr als ein stures "Weiter so, wir müssen da durch und gucken nicht rechts und links", was ich von Werder sehe ist, dass Ruhe, Besonnenheit und Geduld durch Ratlosigkeit und Apathie ersetzt worden sind, auf denen nur noch das Etikett "Ruhe und Besonnenheit" klebt.
Ähnlich wie auf dem Platz nur noch die grünen Trikots an bessere Zeiten erinnern, das was dann aber auf dem Platz zu sehen ist, nur noch die mittelmäßige Zirkusversion früherer Zeiten ist, bei der die Stärken verschwunden sind und nur die Schwächen und Mängel bleiben und verstärkt werden.
Was wirklich erschreckend ist und viel darüber aussagt, wie bei Werder mit der Lage umgegangen wird sind die Reaktionen auf die Spiele gegen Hoffenheim, Mainz und Hannover.
Jedes Mal wurden die bescheidenen Ansätze ( ein glücklicher Sieg nach mittelmäßigem Spiel, ein superglücklicher Punkt nach katastrophalem Spiel, ein unglückliches Unentschieden nach passablem Spiel) übertrieben, wurde die Trendumkehr ausgerufen.
Ich glaube bei Werder hält man sich irgendwo im Hinterkopf eigentlich immer noch für eine Spitzenmannschaft, die durch einen dummen Zufall da unten reingeraten ist und durch ein bisschen mehr Glück schon wieder dahin kommen wird, wo sie eigentlich hingehört.
Und das erschreckt mich jedes Mal wieder. Denn wenn nicht alles täuscht, wird das wieder so sein, wenn Werder gegen Leverkusen vielleicht einen Punkt holt oder knapp und etwas unglücklich verliert wie gegen die Bayern.