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Mick_666
Guest
Da muss ich Dir leider widersprechen.Ist ja schön, wie wieder einmal die Spieler von jeglicher Schuld freigesprochen werden. Thomas Schaaf schlägt nicht die Fehlpässe, er ist es nicht, der keinen Ball annehmen kann oder in der Abwehr immer dieselben Konzentrationsfehler macht. Selbst bei der Aufstellung kann er kaum was machen. Ist ziemlich egal wer aufläuft, die spielen alle scheiße. Wir haben einfach nichts besseres.
Bin gerade aus Hamburg zurück und habe noch keine Zusammenfassung/ Wiederholung gesehen (hat jemand einen Stream?). Aber es ist mMn schon so, dass wir eigentlich immer aus den Fugen geraten, wenn der Gegner nur die Ordnung hält, die Räume zustellt und auf Fehler wartet und besonders dann, wenn der Gegner seine Mannschaftsteile auch noch geschickt in unsere Hälfte verschiebt. Das liegt daran, dass Werder es unter Schaaf in 95% der Fälle einfach nicht schafft, genauso zu spielen, auf so eine Spielweise eine Gegenreaktion zu finden. Was immer dann brachial offengelegt wird, wenn die Offensive keinerlei Entlastung bringt. Das ist eben die Folge, wenn man sich über Jahre im Wesentlichen nur auf die rein individuelle Qualität in der Offensive verlässt oder dass spielintelligente Leute auf dem Rasen es schon alleine regeln, statt endlich an diesen spieltaktischen Unzulänglichkeiten zu arbeiten. Damit meine ich nicht, mal so zwischendurch, sondern konsequent und langfristig zielorientiert. Da liegt doch die Crux.
Wir haben Hamburg so lange einigermaßen neutralisiert, wie diese versuchten, mehr für das Spiel zu tun. Dann kam der alte Bauerntrick der vorübergehenden Scheinpassivität und schon waren wir ausgehebelt. Nach Rückstand wird`s dann erst richtig konfus. Aber auch nur, weil die Truppe keine Antwort hat, weil sie nicht in der Lage ist, andere Mittel auf dem Platz zu finden. Genau da sind wir bei dem uralten Thema. Sowie der Kontrahent taktisch variiert, können wir dem nicht folgen.
Helft mir mal: Vorm 0:2 wird Merte in Bedrängnis/unter Druck angespielt, ich glaube das war Schmidt, was schonmal nicht passieren darf, aber passieren kann und aus der Not heraus passierte, da die Anspielstationen fehlten. Merte wiederrum traf - typisch für ihn in dieser Spielzeit - die falsche Entscheidung, statt den Ball hoch wegzubolzen, will er`s anders lösen. Was ebenfalls vor allem deshalb geschah, weil es weit und breit bis auf Gegners Füsse nicht wirklich Möglichkeiten der Spieleröffnung gab, die Abstände riesengroß waren. Oder den Rückpass, was aber für noch mehr Druck hinten gesorgt hätte. Beim 0 :3 und 0:4 hebt Schmidt am Ende der Fehlerkette aus meiner Sicht das Abseits auf. Er war aber derjenige, der die Kette auf seiner Seite jeweils stellen musste, da der Ball über diese Seite kam. Ein Problem der Abstimmung mit den Nebenleuten und der Intuition (Übersicht) von Schmidt. Zusätzlich war Prödl bei so ziemlich allen Gegentoren im Zentrum nicht im Bilde. Und es fehlte mir in vielen Szenen da hinten die Unterstützung durch das DM, Einrücken, Doppeln etc.
So wird das einfach nichts im Abstiegskampf. Und dann ist es auch egal, ob TS es so nicht vorgibt, die Leute es "nur" nicht umsetzen oder es gar nicht vorgegeben wird. Diese Defizite sind doch nicht neu. Schon zwischen 2001 und 2003 haben wir Spiele nach ähnlichem Muster verloren, z. Bsp. gegen 1860 oder Hertha, nur mit dem Unterschied, dass diese auch noch spielerisch überlegen gestaltet wurden.
Mängel in Grundordnung, Umschaltung und Raumaufteilung haben wir im grossen Ganzen während der gesamten Schaaf-Ära. Zunächst gelang es Allofs, die richtigen Leute dazuzukaufen, die klug genug waren, das Schaaf`sche Theorem des "wir müssen den Leuten etwas anbieten"-Fussballs auch erfolgreich umzusetzen. Danach wurde das eingenomme Geld zur Verstärkung der individuellen Qualität des Kaders eingesetzt.
Ich will es nicht gleich Lernresistenz nennen, das wäre übertrieben.
Aber letztlich blieben die Mängel und so führte eine fortlaufend unglückliche Transferpolitik plus "beibehaltene Spielphilosophie" uns dahin, wo wir jetzt sind. Insofern machst Du es Dir viel zu einfach, hier die Schuld vom Trainer wegzuschieben.
