Thomas Schaaf (verlässt Werder Bremen mit sofortiger Wirkung!)

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Der Umbruch läuft - wie ist Eure aktuelle Meinung zu unserem Trainer?

  • TS genießt auch weit über die Saison hinaus weiterhin mein uneingeschränktes Vertrauen

    Votes: 288 30,4%
  • Wenn in der kommenden Saison kein internationaler Wettbewerb erreicht wird, sollte TS gehen

    Votes: 94 9,9%
  • Wenn in dieser Saison kein internationaler Wettberwerb erreicht wird, sollte TS gehen

    Votes: 67 7,1%
  • TS wird mit diesem Verein keinen Erfolg mehr haben und sollte spätestens im Sommer gehen

    Votes: 266 28,1%
  • TS sollte sofort gehen, um einen möglichen Abstiegskampf diese Saison zu vermeiden

    Votes: 231 24,4%

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Das sehe ich komplett anders. Kroos war zwar nervös, hat aber ein engagiertes Spiel geliefert. Viel gekämpft und gelaufen. 1 HZ war er vielleicht etwas zu nervös und ungestüm, aber in HZ 2 hat sich das sehr verbessert.

Das sehe ich auch so. Ich würde die erste Hälfte unter Lampenfieber verbuchen...Finde auch bisserl komisch, dass manche ihn jetzt so arg kritisieren, aber gut ist halt ne andere Sichtweise. Unter dem Gesichtspunkt, dass es ein Kritikpunkt war, zu wenig auf die Jugend zu setzen, ist es doch erfreulich einem Kroos mal die Chance zu geben.Auf der einen Seite wurde bemängelt dass Schaaf zu stur ist, auf der anderen erwartet man gleich, dass ein Kroos fehlerfrei und perfekt seinen zweiten oder dritten Einsatz in einem Pflichtspiel runterspielt (ist jetzt überspitzt formuliert). MMn. ist Kroos für die Raute geeigneter als ein Marin, wenn der nicht etwas an seiner Spielweise ändert und man mit dem gestrigen System weiterspielen möchte.
 
So dann mal von mir ein wenig abseits der überschwänglichen Haltung die Analyse des Spiels gegen Hoppenheim:

Die Erkenntnis des Spieltages: Die Raute ist wieder da!

Ich fand den Taktikwechsel von Schaaf äußerst sinnvoll. Er hat Marin draußen gelassen und einen defensiveren Spieler mit Kroos gebracht. Dabei war die ausrichtung im Gegensatz zu unseren häufigen Harakirispielen eindeutig auf die Defensive gerichtet. Hatte hoffenheim den Ball so wurde gut gegen den Ball gearbeitet. Die Halbpositionen mit Kroos und Bargfrede haben sich zurückgeschoben und so mit Frings eine defensive Dreierreihe vor der Abwehr gebildet, so konnte auf außen gut gedoppelt werden und falls die Not war, konnte auch ein IV nach außen Rücken, ohne dass eine sonderlich große Lücke entstand, da Frings und auch Bargfrede einigermaßen die Räume zugestellt haben.

In der offensive hätte ich mir da aber noch mehr von Kroos und insbesondere von Bargfrede erhofft. Da hätte mehr Dynamik sein müssen, aber ich will nicht meckern. So gut mir Bargfrede als Zerstörer des gegnerischen Spiels zu nutzen ist hat er leider schwächen im Angriffsspiel, da sehe ich Nachholbedarf bei ihm.

Die offensive profitierte stark von Pizarros spielverständnis, der immer wieder Löcher in die Abwehr riss, Gegenspieler auf sich zog etc. Gut war auch das was ich von Arnautovic gesehen habe. Hat häufig versucht sich fallen zu lassen und so spieler aus der viererkette zu locken. Das sollte man weiter ausbauen, denn jedesmal wenn man es so schaffte den Ball schnell zu machen wurde es interessant. Da hat mir dann nur der Halbpositionsspieler gefehlt, der die Lücken erkennt, mitzieht und dort entweder den Pass spielt oder in sie hineinstößt.

Nun zu der Personalie, die bei mir derzeit am meisten Ambivalenzen verursacht: Frings. Er hat ein zweifellos gutes Spiel geliefert, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Leider ist er kein Stratege, insbesondere nicht wenn es darum geht von Abwehr auf Angriff umzuschalten. Ihm fehlt leider das Spielverständnis eines Baumanns. Er hat sein Spiel über bissige Zweikämpfe geführt und davon gelebt. Das hat schaaf ja auch gut gesagt, dass es zu seinen Stärken gehört "gegen Widerstände zu arbeiten." Ich bin Frings dankbar für alles was er für Werder geleistet hat, leistet und noch leisten wird.

Trotzdem würde ich mit ihm nicht verlängern. Auf der sechser Position muss ein neuer Mann hin der ein strategischer Denker ist. Da muss man sich unbedingt auf dem Markt umsehen. Im Falle eines Abstiegs von Stuttgart würd ich mal ganz dreist bei Träsch nachfragen. Der wird aber wahrscheinlich nicht finanzierbar sein.

Das Spiel hat mich ein wenig an das Spiel gegen Hertha letzte Saison erinnert. Sehr kampfbetont und noch wenig lief zusammen. Wenn die Rückrunde so läuft wie zu dem Zeitpunkt, dann hätte ich nichts dagegen :)
 
:tnx: :svw_applaus:
Werder ist eindeutig erfolgreicher, wenn wir mit drei nominellen Offensivspielern antreten und es in der Spielausrichtung richtig umgesetzt kriegen.
Zwar praktizierte TS das auch schon gegen Pauli, in WOB, in Dortmund und gegen Kaiserslautern, hat aber nicht richtig funktioniert, weil Pizarro fehlte und Bargfrede für das Wechselspiel in vorgezogener Rolle mangels Spielübersicht nicht geeignet ist und daher schlecht im Raum verteidigte. Mit der Rückversetzung von Fritz und dem Einbau von Kroos lief` s defensiv wieder besser. Auch für Frings/Bargfrede. Das hat aber nicht primär mit 4-2-3-1 oder der Raute zu tun. Fehlende strategische Intelligenz auf dem Rasen lässt sich nicht mit Systemen ausgleichen. Da uns diese aber in Summe extrem fehlt, ist es sinnvoll, der Truppe ein Konzept mit einem klaren Handlungsrahmen überzustülpen und genau das hat Schaaf gemacht. Entgegen seiner sonstigen Maxime, den Spielern viel Verantwortung auf dem Rasen zu übertragen. Es zeigt aber, dass der Ernst der Lage verstanden wurde und Mannschaft sowie Trainer in den paar Wochen zusammengerückt sind. Es war also nicht nur lose Phrasendrescherei. Chapeau :thumb:
Überhaupt hat es TS in der Vergangenheit fast immer geschafft, wenn der Druck enorm groß wurde, der Mannschaft vernünftiges, handwerkliches Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, die die Truppe braucht, um einfach nur zu punkten.
 
Nö, weil er mMn unglaublich viele Fehlpässe gespielt hat und sehr unsicher wirkte. Teilweise hatte man das Gefühl, das Spiel geht komplett an ihm vorbei.

Dann waren unsere Eindrücke unterschiedlich. Aber das mag daran liegen, dass man oft im Stadion eine Situation hat, über die man sich aufregt bei einem Spieler und man ab dann jeden Fehler doppelt kritsich sieht. Ich fand er hat sich gut rein gearbeitet in die Partie und wurde im Verlauf stärker.
 
Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass konzeptionell einiges im Argen lag - aber für mich war der ausschlaggebende Punkt, dass eine erhöhte Laufbereitschaft ALLER Protagonisten erkennbar war. Vielleicht lag es an der Taktik, mit der einige Spieler überfordert waren bzw. die nicht auf die Spieler zugeschnitten war: Aber das, was die Jungs am Samstag gerannt sind, habe ich in keinem der bisherigen Spieler dieser Saison erkennen können. Der eine oder andere Profi, hier sei nur mal Silvestre erwähnt, verfügte über eine ganz andere Physis, die es ihm erlaubte, dieses Pensum überhaupt gehen zu können. Abseits also von den taktischen Vorgaben, waren es in erster Linie die physischen und scheinbar auch mentalen (Leistungsbereitschaft) Grundlagen, die in der Winterpause geschult wurden. Daher trifft es in diesem Zusammenhang der Begriff "Trainer und Mannschaft sind offenbar zusammengerückt" ganz gut.
 
Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass konzeptionell einiges im Argen lag - aber für mich war der ausschlaggebende Punkt, dass eine erhöhte Laufbereitschaft ALLER Protagonisten erkennbar war.

:tnx:

Das ist das hüpfende Komma... der springende Punkt. Die besten Spieler und die gewiefeste Taktik nützen alles nichts, wenn die Mannschaft nicht bereit ist, einsatzfreudig und kämpfend die erforderlichen Wege zu gehen.
 
@Karlotto
Das ist genau das handwerkliche Rüstzeug, welches ich erwähnte. DIE Vorrausetzung.
Worum es mir aber vor allem ging, ist die Frage, wie dieses vermittelt wird. Schaaf überlässt den Spielern in der Regel mehr Handlungsvollmacht, in der Hoffnung, dass diese in ihrer "Selbstverwirklichung" auch ihre Eigenverantwortung im Teamgefüge richtig verstehen und vernünftig umsetzen. Das funktioniert bei einer Mannschaft mit Ernst, Baumann, Micoud, Klasnic sehr gut.

Aber bei einer weniger spielintelligenten Truppe mit zudem vielen schwierigen Charakteren, wie wir sie derzeit haben, kann es schnell zum Boomerang werden, wenn diesen Spielern zu viel Verantwortung übergeben wird. Ohne ihnen ausreichend Orientierung mittels glasklar abgesteckter Vorgaben mit auf den Weg zu geben, die sie zwingend einzuhalten haben. Wenn dann die Intuition der Spieler für Situationen, Räume, wichtige Laufwege allein nicht reicht oder der Spielverlauf nicht günstig ist, dann hast Du eben das, was wir in vielen Spielen der Hinrunde hatten. Es nützt auch Lauf- und Kampfbereitschaft wenig, wenn Spieler A nicht weiss, wie Spieler B verschiebt, Spieler C nicht kapiert, wie er absichern/doppeln soll und der Rest der Mannschaft nicht in der Lage ist, auf die richtigen Abständen zwischen den Mannschaftsteilen zu achten. Das Dumme ist doch, dass viele bei Werder in der Hinrunde gar nicht so wenig gelaufen sind, dafür viel falsch, viele unserer Akteure gekämpft oder dies zumindest über einen Zeitraum versucht haben (Bsp. 1.HZ in Stuttgart und auf Schalke), aber ohne Effekt, da kopf- und orientierungslos. Und das ist dann durchaus auch eine konzeptionelle Frage.
Magath ist im Übrigen der genaue Gegenentwurf zu Schaaf. Als zynischer Pragmatiker, der nahezu ausschließlich auf den Druck von aussen als Mittel setzt. Diese Vorgehensweise nutzt sich natürlich schneller ab, da sie den Menschen ziemlich aussen vor lässt, total vernachlässigt, dass für die Spieler auch der Spass am Fussball und eigene Entscheidungsspielräume genug positive Energie bringen können, um erfolgreich zu sein. Siehe Schaaf.

Es spricht für TS, dass er so variabel ist, zumindest zu gewissen Saisonzeitpunkten, wo es besonderes wichtig ist, härtere Maßstäbe anzusetzen, um die Kurve zu kriegen. Dann bekommen die Akteure Vorgaben und ein System, welches sie umsetzen und auch umsetzen können. Ob das tatsächlich schon greift, werden die nächsten Wochen zeigen.
 
Das Dumme ist doch, dass viele bei Werder in der Hinrunde gar nicht so wenig gelaufen sind, dafür viel falsch, viele unserer Akteure gekämpft oder dies zumindest über einen Zeitraum versucht haben (Bsp. 1.HZ in Stuttgart und auf Schalke), aber ohne Effekt, da kopf- und orientierungslos. Und das ist dann durchaus auch eine konzeptionelle Frage.

Den Eindruck hatte ich wahrlich auch. Jeder ist für sich gelaufen, aber kaum für´s Team. Es sah zumindest so aus von Außen betrachtet. Exemplarisch hierfür nehmen wir mal Marko Marin, der viele Wege geht, aber offenbar nicht die Richtigen, die dem Ziel der Mannschaft zuträglich sind. Wie gesagt: Er ist nicht der Einzige, der noch hinzulernen muss. Aber bei ihm wird es am deutlichsten, dass er nicht das richtige Timing findet. Dabei traue ich es ihm durchaus zu, Tempo und Richtung zu bestimmen. Er ist in meinen Augen nicht die Fummeltrine, zu der er häufig degradiert wird - wenn er auch natürlich kein klassischer Zehner ist.

Es ist eine Frage der Abstimmung der Laufwege - aber hier hatte ich in der Hinrunde nicht den Eindruck, dass die taktische Vorgaben umgesetzt wurden. Ich habe oben nicht zufällig erwähnt, dass ich denke, Trainer und Mannschaft scheinen zusammengerückt zu sein. Irgendwie hat jeder so sein "eigenes Ding" auf dem Platz gedreht, ohne sich wirklich in den Dienst zu stellen. Daher habe ich vor dem Hopp-Spiel, auch schwarz gesehen, was den weiteren Verlauf der Saison angeht. Zumal die Vorbereitung alles andere, als optimal war. Ich hoffe, dieses Spiel war ein guter Anfang. Den Weg sollte man so weitergehen. Das spielerische Element kommt von ganz alleine. Ich hoffe nur, dass wir jetzt halbwegs verletzungsfrei durch den Rest der Saison kommen - dann sehe ich bis auf die Meisterschaft, alles als nicht unrealistisch an. So furchtbar groß sind die Abstände nicht und schaut man, dass da u.a. auch Mannschaften wie Hannover, Mainz, Frankfurt oder Freiburg vorne mit mischen, dann geht in Sachen internationaler Wettbewerb noch was.

Es spricht für TS, dass er so variabel ist, zumindest zu gewissen Saisonzeitpunkten, wo es besonderes wichtig ist, härtere Maßstäbe anzusetzen, um die Kurve zu kriegen. Dann bekommen die Akteure Vorgaben und ein System, welches sie umsetzen und auch umsetzen können. Ob das tatsächlich schon greift, werden die nächsten Wochen zeigen.

Tja, warum nur so spät? Oder brauchte er einfach die RR-Vorbereitung und einen fitten Claudio Pizarro, um diesen Weg einzuschlagen?
 
das ist etwas über das Mick und ich auch des öfteren mal diskutiert haben. Übrigens schön Mick dich nach langer abstinez mal wieder zu lesen. :beer:

Es gab mal die Aussage, dass Schaaf sein Idealbild von Fußball hat, das Perfekte spiel. Diesem Fußball ist er mit Spielern wie Micoud, Baumann, Ernst etc. sehr sehr nahe gekommen. Dieses System scheint er auch immer wieder zu probieren und daran festzuhalten. Siehe zum Beispiel letzte Saison, als es nicht mehr lief und wir am "Ende" dieser Entwicklung Niederlagen am Stück kassierten.

Da kam der Druck und er stellte um. Es scheinen wohl immer diese Drucksituationen zu sein, die Schaaf zu einem Umdenken bewegen. So wird aus dem Fußballromantiker-Schaaf der Fußballpragmatiker-Schaaf.

Ich finde es auch interessant, wie sich seine Wortwahl ändert. Bei Schaaf musst duch genau hinhören in Interviews und du findest zwar nicht eine systematischen Fußballwunsch den er hat oder seine bevorzugte aufstellung, aber ein Bild von dem was er sich da vorstellt.

Wenn es gut läuft oder noch nicht lange schlecht, dann spricht er eher als über das Ergebnis davon, dass "wir was anbieten" müssen, damit ist nicht nur das Ergebnis gemeint sondern seine Form des Fußballspielens, während sich seine Wortwahl derzeit geändert hat, da wird von "Egebnissen und Punkten" gesprochen, wie diese erzielt werden ist egal. Schaaf besitzt also das Verständnis und die taktische Finesse um das hinzukriegen. Ich erinnere dabei nur an das Spiel letzte Saison in der Rückrunde gegen Mainz. wir hatten 48 Stunden vorher EL gespielt gegen Twente glaub ich wars gewesen und nen hartes Spiel gehabt. Da wusst schaaf, dass sein Spiel defensiv orientiert sein musste, dass der gegner sich an uns die Zähne ausbeißen soll und wir mit schnellem Umschalten und Kontern gewinnen können. Genau da ging die Taktik auch auf.

Es wäre für mich einfach nur wünschenswert, dass Schaaf öfter mal so flexibel agieren würde und nicht erst, wenn die Situation es erfordert. Aber das werden wir wohl nicht erleben.
 
[...] und einen fitten Claudio Pizarro, um diesen Weg einzuschlagen?
Definitiv: Ja!
Oder glaubst du, dass unser Toptorschütze der Hinrunde das 1:0 auch
gemacht hätte?

[...]
Es wäre für mich einfach nur wünschenswert, dass Schaaf öfter mal so flexibel agieren würde und nicht erst, wenn die Situation es erfordert. Aber das werden wir wohl nicht erleben.
Ich halte es für eine Mär, dass Schaaf unflexibel ist (und nebenbei:
auch das er zu selten und zu spät auswechselt).
 
Es wäre für mich einfach nur wünschenswert, dass Schaaf öfter mal so flexibel agieren würde und nicht erst, wenn die Situation es erfordert. Aber das werden wir wohl nicht erleben.
Den Wunsch habe ich schon viele Jahre.

Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass ein Trainer immer auch eine gewisse Linie verfolgen muss. Trainer, die das nicht tun bzw. von ihrem eigentlichen Ideal abrücken und ein anderes Optimum definieren, laufen Gefahr, sich zu verheddern. Toppmöller oder jüngst Labbadia sind solche Beispiele.
mMn verfolgen 95% der Trainer egal bei welchem Verein eine klare Linie und rücken sowohl von ihrer Vorstellung, wie Fussball gespielt werden soll, als auch von ihrer Art der Menschenführung bestenfalls in Nuancen ab. Bei Schaaf fällt es nur mehr auf, weil er schon so lange bei ein und denselbem Verein ist.

Der Unterschied zwischen einem reinen Pragmatiker Magath und dem Fussball-Romantiker Schaaf konnten wir bei Werder selbst begutachten - bei der Entwicklung von Frings und Ailton. Während Magath sie damals quasi als BL-untauglich auf die Tribüne verbannte, wurden beide unter Schaaf BL-Topspieler. Frings, Ailton, Diego - Spieler die nur unter Schaaf funktionierten. Spieler, die wenig selbstkritisch sind, ein grosses Ego haben, sich dadurch gerne selbst überschätzen und sich demzufolge schwierig einem taktischen Raster bzw. strikt vorgegebenem Handlungsrahmen unterordnen können. Ob dieses Art "Selbstverwirklichung" im Sinne einer Mannschaftsentwicklung stets förderlich ist, ist dann wieder eine andere Frage und gerade bei Diego oder Frings sicherlich strittig. Aber auf diese Weise hat Schaaf Werder über viele Jahre in der BL-Spitze etabliert. Wobei die Kehrseite der Medaille eben die ist, dass wir mit einer oftmals titelfähigen Mannschaft in sechs Jahren nur einen Pokalsieg holten (ich denke nicht, dass ein anderes BL-Team in Summe so oft naive Spiele hatte wie Werder unter TS). Aber für einen Verein wie Werder mit diesen Rahmenbedingungen war ersteres unter dem Strich viel wichtiger und deshalb stellt sich nicht die Frage, ob Schaaf der richtige Trainer war und ist. Und deshalb war auch Magath der Falsche hier.
 
Definitiv: Ja!
Oder glaubst du, dass unser Toptorschütze der Hinrunde das 1:0 auch
gemacht hätte?

Würde ich nicht ausschließen. Vielleicht hätte er sogar das 2-0 erzielt (nach dem Vertikalpass von Kroos). Das von vorn herein auszuschließen, gerade angsichts der Trefferquote von Almeida, halte ich für falsch. Nur: Pizarro mach von solchen Dingern 6 von 10, Almeida eben 3 von 10, weil er in diesem Falle den direkten Abschluss sucht, anstatt den Ball zu kontrollieren, wie es CP tut. Das geht nun einmal nicht immer gut.


Ich halte es für eine Mär, dass Schaaf unflexibel ist (und nebenbei:
auch das er zu selten und zu spät auswechselt).

Das sehe ich ebenso. Nur bis er zu dem Punkt kommt, dass er handelt, muss schon der Baum zumindest ein wenig zündeln. Das ist seine Form des Verständnisses von Fußball und vor allem von Menschenführung. Schaaf ist rein von der Philosophie her, näher an van Gaal, als an Magath, wie schon beschrieben. Erfolgreich kann beides sein. In diesem Falle gibt es kein Richtig oder Falsch.

Fest steht nur, dass viele Trainer sich dahingehend in seine Richtung entwickeln: Tuchel, Skibbe, Klopp, Slomka, Stanislawski oder auch Dutt sind hier die signifikanten Beispiele. Nicht jeder Trainer findet ein Umfeld vor, in dem diese konzeptionelle Arbeit möglich ist. Auffällig ist nur, dass diese Trainer derzeit auch die erfolgreichsten in der Liga sind, bemessen an den jeweiligen Gegebenheiten. Diese Trainer haben sich das Umfeld geschaffen, um so zu arbeiten. Das ist ein Trend und möglicherweise eine Entwicklung "back to the roots", in denen der Trainer nicht mehr das schwächste Glied in der Kette ist. Ich fände das begrüßenswert.
 
Tja, warum nur so spät? Oder brauchte er einfach die RR-Vorbereitung und einen fitten Claudio Pizarro, um diesen Weg einzuschlagen?
Ja. Finde ich. Özil war kurz vor Transferschluss weg, Wesley und Silvestre kamen kurz vor Transferschluss, hinzu kamen die vielzitierten Verletzungsprobleme. Dazu die mangelnde Spielintelligenz im Team. Alles Dinge, die den Wandel zu einem anderen System zusätzlich erschwerten.

Und Pizarro ist für uns elementar.
Wenn ich allein an das Spiel gegen Inter (mal unabhängig vom schwachen Gegner) denke, wo ich im Stadion war und er die letzte Viertelstunde für Almeida auf den Platz kam. Plötzlich hatten wir eine gänzlich andere Struktur in unserem Angriff. Anspielstation für Kurzpässe, Doppel in die Box, Seitenwechsel, die Intelligenz, einen IV aus der Mitte rauszuziehen inklusive Platz schaffen, wenn es darauf ankommt. Wo wir zuvor bei allem Respekt vor Einsatzfreude, Präsenz und Laufbereitschaft im halblinken Sturm das Spielverständnis eines Öltankers und die technischen Mittel einer Milchkuh hatten.
Arnautovic hat davon damals in jener Viertelstunde enorm profitiert und so war es auch am Sa. wieder.

@Löw der wahre Werder Trainer
Wenn "wir (hoffentlich) wieder erfolgreicher spielen", wird Schaaf zu seinem alten Konzept zurückkehren. Zu recht. Sonst wäre er nicht authentisch. TS wird in seinem Trainerleben sicher kein Schleifer und kein gewiefter Taktiker mehr werden und dennoch scheut er sich nicht davor, wenn es die Umstände erfordern, auf die richtigen Mittel zurückzugreifen. Ich bezweifle, dass die ganzen Trainer-Pragmatiker in der Lage sind, umgekehrt zu handeln. Deshalb haben Schaaf`s Mannschaften früher oder später immer wieder die Kurve gekriegt und andere meistens nicht. Obwohl ich persönlich mit mehr Pragmatismus in unserer Spielweise auf Dauer sehr gut leben könnte.
 
mick, ich stimme dir zu, aber hier

nicht. sicher will ich, dass werder erfolgreich ist, aber ich will auch, dass es gut anzusehen ist - lieber mit 4:4 untergehen (gg. valencia), als sich mit 1:0´-gähnern durch die liga zu schieben.


Naja, aber vielleicht erstmal ein paar Punkte sammeln zur Not mit dreckigen Siegen, um wieder aufzuholen. Mir wäre das passende Ergebnis lieber als in Schönheit unterzugehen. Denke da doch sehr pragmatisch.:cool:
 
Es spricht für TS, dass er so variabel ist, zumindest zu gewissen Saisonzeitpunkten, wo es besonderes wichtig ist, härtere Maßstäbe anzusetzen, um die Kurve zu kriegen. Dann bekommen die Akteure Vorgaben und ein System, welches sie umsetzen und auch umsetzen können. Ob das tatsächlich schon greift, werden die nächsten Wochen zeigen.

Das mit der Kurve kriegen ist so ne Sache, gerade weil, wie Du ja selbst geschrieben hast, im Kader einige schwierige Charakere vorhanden sind. Man hat es ja in der Hinrunde erleben müssen, daß es bei Werder "gefühlt" mehr Krisengespräche als geholte Bundesligapunkte gab, weil die Truppe in der 1. Saisonhälfte weitesgehend enttäuschte. Die Partie gegen Hoffenheim läßt natürlich die Hoffnungen gedeien, daß es spielerisch und kämpferisch in der Rückrunde besser läuft, aber die Siege gegen Köln, den HSV, oder in Mönchengladbach schürten dahingehend auch schon Hoffnungen, die von der Truppe nicht erfüllt wurden.
 
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