Wohl richtig. Bzw. man kann es nicht direkt. Nur eine Tatsache darf man insgesamt nicht ausblenden, wenn man keinen Großfinanzier im Hintergrund hat, dann muss man heute ins Risiko gehen.
Es ist immer ein Risiko, ohne entsprechende Finanzkraft in höheren sportlichen Gefilden sich etablieren zu wollen. Aber was nützt das ganze Kapital, wenn man es nicht in sportlichen Erfolg umsetzten kann? Unsere lieben Nachbarn vom HSV sind dafür ein Paradebeispiel, weil sie trotz größerer finanzieller Möglichkeiten dem SV Werder seit mehr als ein Vierteljahrhundert sportlich hinterher hinken und diese Unterschiede zwischen Aufwand und Ertrag findet man auch unter den Vereinen, deren 1. Mannschaften in Liga 3 oder 4 kicken.
Und hier haben die Zwoten nen Wettbewerbsvorteil, da diese meist über die ersten Mannschaften Quersubventioniert werden. Im Grunde dürften alle Zweiten Mannschaften reine Verlustbringer für die Vereine seien. Was nur zu leisten ist, weil die Vereine ihr Geld in den Profiligen verdienen.
Die 2. Mannschaften sind mit Sicherheit Verlustträger für die Proficliubs. Aber diese „roten Zahlen“ schreiben die Proficlubs nicht aus steuerlichen Gründen, sondern weil die 2. Mannschaften als Ausbildungsebene und Unterbau für die Profimannschaften dienen und dies ist deutlich billiger, als wenn man noch mehr Geld in horrende Ablösesummen investiert und je höher die 2. Mannschaft spielt, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß junge Talente den Aufstieg in den Profi-Kader schaffen. Diese Art der Personalpolitik ist für die Clubs ohne Mäzen im Hintergrund unabdingbar geworden, und ist gerade für unseren SV Werder Bremen seit Jahrzehnten überlebenswichtig, so daß man sich als Werder-Fan schon überlegen sollte, ob man dieses System so vehement kritisiert.
Die meiste Ausbildungsarbeit leisten eine vielzahl "Kleiner" und "ganz Kleiner", die seit Bosman davon nicht einmal mehr partizipieren. Was meint ihr wohl, was der VfB Oldenburg für einen Hans-Jörg Butt gesehen hat als dieser zum HSV wechselte??? Genau genommen waren es, 0,00 Euronen. Und da könnte man seit Bosman hunderte Beispiele aufzählen.
Hier verwechselt Du wohl etwas. Das Bosman-Urteil hat die seinerzeit bestehenden Beschränkungen für Ausländer im europäischen
Profisport sowie die Ablösesummen nach Vertragsende (worüber nebenbei bemerkt die spanische Fußballszene über das fast europaweite Geschrei nur müde lächelte, denn dort war es schon längst üblich, daß Spieler bei Vertragsende den Verein ablösefrei verlassen konnten wie z.B. Miroslav Votava, als er 1985 von Atletico Madrid zu Werder ging) zu Fall gebracht. Der Europäische Gerichtshof begründete dieses Urteil mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU sprich dem Recht eines EU-Bürgers auf freie Wahl des Arbeitspatzes innerhalb der EU unabhängig von Wohnort und Nationalität und weil Amateursportler nicht als Arbeitnehmer gelten, hat das Bosman Urteil auch keine Auswirkungen auf den Amateursport und demzufolge auch nicht auf die von Dir erwähnte Ausbildungsentschädigung für Amateurclubs. Diese hat der DFB mit den Profi- und Amateurvereinen ausgehandelt, wurde aber 2005 vom Oberlandesgericht Oldenburg gekippt; das OLG berief sich bei seinem Urteil neben im Grundgesetz verankerten Recht auf freie Berufswahl auf grundsätzliche Bedenken gegen Ausbildungsentschädigungen, weil nur die Vereine profitieren, die „zufällig“ Profi-Spieler hervorbringen, während die Jugendabteilungen aller anderen Vereine leer ausgingen. Demzufolge kann man es auch nicht den Profivereinen den Wegfall der Ausbildungsentschädigung anlasten.
Bin nicht grundsätzlich gegen Zweite Mannschaften. Allerdings fordere durchgängige Wettbewerbsgerechtigkeit. Und das heißt von der ersten bis zu letzen Liga durchgehend:
- Zweite, Dritte ect müssen wirtschaftlich autonom arbeiten und sich selbst lizensieren lassen.
Mit Verlaub, das ist Bullshit. Wie sollen denn bitte Amateurmannschaften lizensiert werden?
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Ein Punkt, der bei dieser Diskussion noch gar nicht gebracht wurde, aber auch zu der wirtschaftlichen Schieflage beigetragen ist, sind die Reformen im Ligasystem. Mittlerweile erstreckt sich die 3. Liga über das ganze Land und die 4. Liga ist gedrittelt. Ein solches Ligasystem ist aufgrund der spielstärkeren Konkurrenz leistungsfördernd, aber wenn man bedenkt, daß selbst in der Regionalliga kostpielige Auswärtsfahrten von bis zu 600 km anstehen, dann fragt man sich schon, ob der DFB mit solch einem Ligasystem den Clubs in diesen Ligen die Schippen zum Schaufeln der eigenen Gräber gegeben hat.