Im Übrigen denke ich, dass wir mit Transfers wie Futcas, Huse, Kroos etc. genau darauf hingearbeitet haben, junge Talente zu holen die das Potential für ähnliche Entwicklungen wie derzeit die "jungen Wilden" in DO haben. Es ist nur nicht mehr so einfach, sich bei uns zu entwickeln, was aber auch logisch ist, wenn man immer den Druck hat bzw. sich selbst den Druck macht, auf die oberen Plätze zu schielen. Vor 03/04 konnten ein Ernst, ein Kristajic, ein Ailton in Ruhe die Entwicklung nehmen, die sie letztendlich zu den Spielern gemacht hat, mit denen wir Meister werden konnten (ok die waren dann alle schon etwas älter als die hier genannten Beispiele). Weil sie keinen Druck hatten. Transfers von "Problemfällen" wie Ismael, Micoud oder Diego, die bei ihren alten Vereinen keine Perspektive mehr hatten, haben dann das Ganze abgerundet. Solche "Problemfälle" findet man halt leider auch nicht alle Tage.
Da liegt der Hund aus meiner Sicht begraben.
Es st ja schön und gut und richtig, die Dortmunder oder die Mainzer jetzt um ihre tollen jungen Spieler zu beneiden.
Es kommt halt vor, dass andere Vereine gute Spieler finden (wie Holtby an dem Werder auch interessiert gewesen sein soll).
Und auch wenn Werder finanziell nicht hinter Dortmund und erst recht nicht hinter Mainz anzusiedeln war von der Attraktivität von Angeboten her, Dortmund wird sicher auch nicht unbedingt hinter Werder stehen.
Vor allem ist aber eben auch so, dass Dortmund und erst recht Mainz eine ganz andere Ausgangssituation vorfinden, zumindest vorher. Und dementsprechend finden junge talentierte Spieler dort auch eine andere Situation vor als hier.
Dortmund hat in den letzten Jahren nicht viel gerissen, dementsprechend anders sind der Druck und die Erwartungshaltung. Das betrifft die Fans, die Medien und auch die sportliche Leitung und sicher nicht zuletzt auch die Spieler selbst. In einem solchen Klima wird man sich anders entwickeln können, mehr Freiräume, Geduld und Zeit haben, als wenn man wie Werder Jahr für Jahr die CL anstrebt oder in ihr spielt.
Da z.T. auch im Nachhinein zu fordern, mehr junge unbekannte talentierte Speiler einzubauen, entbehrt nicht einer gewissen Doppelbödigkeit. Weiss man doch auch, wie mit jungen Spielern umgegangen wird, wenn dies tatsächlich passiert und sie dann vor allem am Anfang versagen. Oder wie diskutiert wird, vor alllem unter Fans, wenn ein Noname als Neuzugang gehandelt wurde und wird. Da stellt sich dann schnell die Frage, ob Spieler X, der bisher vielleicht nur Zweitligaspiele gemacht hat, 'einen CL-Teilnehmer weiterbringen' kann, oft eine rhetorisch gemeinte Frage.
Abgesehen von internen Fehlern, die bei Werder an der einen oder anderen Stelle gemacht worden sein werden denke ich also, man muss den unterschiedlichen Stand der beiden Vereine und die unterschiedlichen Ansprüche in Rechnung stellen.
Ich denke wenn Dortmund auch ein paar Titel geholt haben sollte mit dieser Mannschaft und ein paarmal CL gespielt haben sollte, muss man nochmal hingucken.
Denn ein weiterer Unterschied ist der, Werder und seine Spieler von 2003 werden das aus der Doublesaison kennen, dass man sicher mit einer anderen Begeisterung und Motivation an die Sache herangeht, wenn man wie Dortmund jetzt das erste Mal seit Jahren und was die meisten Spieler betrifft überhaupt das erste Mal, eine solche Saison an der Spitze erlebt. Da gibt es einfach ganz andere Verheissungen, ganz andere Hoffnungen als wenn man Jahr für Jahr in die Saison startet, CL spielt und unter Druck steht, sie wieder zu erreichen.
Der Zauber des Neuen des nie gekannten Erfolgs - er ist Werder erkennbar verloren gegangen. Das ist aber nicht wirklich zu ändern, wahrscheinlich auch mit einer Heerschaar junger Spieler nicht, die die CL noch nicht kennen.
Wenn, wahrscheinlich nur unter dem Druck der Realität.
Wenn Werder ein, zwei, drei Jahre nicht am internationalen Geschäft teilnehmen sollte, wird ein Europaleague-Spiel einen ganz anderen Reiz haben als es das jetzt hätte.
Das gilt für die Spieler, aber natürlich auch für die Fans, die bisher eben auch Erfolg als Selbstverständlichkeit genommen haben, den Anspruch hatten, dass es mindestens immer weiter gehen würde, aber eigentlich auch noch besser werden müsste. Und die selbst einen zweiten Platz als Misserfolg sahen, weil das eine entgangene Titelchance bedeutete.
Was dabei verloren gegangen ist, ist die Einsicht, dass Werder 8 Jahre lang im Grunde einen nicht hoch genug einzuschätzenden Erfolg gehabt hat und wahrscheinlich zu den erfolgreichsten Mannschaften überhaupt gehörte im Verhältnis zu der Ausgangssituation, der Größe des Vereins und seinen finanziellen Möglichkeiten.
MFG dkbs