@ Karlotto
Ich habe auch nicht alles in Frage gestellt, und schon gar nicht will ich an der gestrigen Partie aufhängen, denn vor allem vom Einsatz war Werders Auftritt gegen Enschede deutlich besser als die Minuten 30-90 gegen Nürnberg. Aber das, was TS Schaaf häufiger als „ die Mannschaft wurde nicht für den Aufwand belohnt“ äußert, mag ab und zu sicherlich zutreffen, aber wenn in dieser Häufigkeit artikuliert wird, kommt es einem wie eine abgedroschene Phrase für widerholtes Unvermögen / mangelnde Effizienz vor. Daß Spieler sich verletzten, man mal das Tor nicht trifft, oder Stellungsfehler oder Fehlpässe mal zu Gegentreffer führen, ist ohnehin nicht vermeidbar und wenn die gleichen Fehler oder andere Kleinigkeiten sich öfters summieren, dann kann es auch mal vorkommen, daß man einige Spiele erfolglos bleibt. Sowas hatten wir auch in erfolgreichen Jahren, das ist eben der Sport, damit kann oder sollte man umgehen können.
Natürlich ist das so. Wie erklärst Du Dir sonst die von Werder kreierten Chancen? Eine Mannschaft, die effizienter ist / mehr Fortune hat, nutzt das aus, führt und spielt das Spiel nach Hause. Ein Pfostenschuss ist nun einmal nicht nur eine Frage der Qualität des Stürmers, sondern eben auch Pech. Klassisches Beispiel ist Prödl Billiardkopfball in München. Damit müssen wir leben, dass der eine Ball rein und der andere Ball herausspringt.
Wenn also Thomas Schaaf davon spricht, die Mannschaft habe sich nicht für ihren Aufwand belohnt, muss das nicht heißen, sie hat alles richtig gemacht, nur kein Glück gehabt, sondern sie hat sich rein gehangen, aber nicht die notwendige Effizienz mitgebracht und nicht das Resultat eingefahren, welches dem Aufwand gerecht wird. Verstehst Du, was ich meine? Es ist nicht nur eine Frage von Glück, sondern eine Frage des Verhältnisses zwischen Aufwand und Ertrag, was letztlich durch Tore und Gegentore entschieden wird. Dort sehe ich z.B. jetzt beim CL-Spiel ein Weiterkommen. Es stimmte der Aufwand, nur der Ertrag nicht. Vorher stimmte beides nicht. Hoffenheim, Mainz oder Mailand, da stimmte gar nichts. München war ein Schritt nach vorne, während Nürnberg wieder die Leistung nicht über 90 Minuten gehalten wurde. Dazwischen waren einige Lichtblicke in der Buli dabei, wo man dachte, jetzt haben sie´s. Man müsste schon ziemlich dumpf sein, in der Wahrnehmung, um das nicht zumindest anzuerkennen und wenn man sich nur an die Negativerlebnisse klammert.
Nun ist es aber bei Werder aber so, daß diese bisher holprige Saison 2010/11 nicht durch eine überdurchschnittlich unglückliche Fehlerkette, Kleinigkeiten oder Pech entstanden ist, sondern weil die diese Fehler in einer wiederholt ungenügenden Berufsauffassung in Teilen der Mannschaft begründet sind. Und wenn man einmal Scheiße am Fuß hat, dann hat man Scheiße am Fuß, auch wenn man wie gestern gar nicht mal so schlecht agiert hat, aber (um bei der Metapher zu bleiben) hat Werder sich diese Exkremente an ihrem Arbeitsschuhwerk nicht gestern auf dem Platz geholt, sondern ist aufgrund der vorherigen Resultate durch eine unzureichende Berufsauffassung bereits damit aufgelaufen. Wenn diese Misere nur durch eine unglückliche Verkettung von irgendwelchen Umständen zustande gekommen wäre, dann wären die ganzen Beschwichtigungen, Hoffnungen auf das Gesetz der Serie einer Aufholjagd etc. auch nachvollziehbar gewesen, aber weil die derzeitge Lage in erster Linie durch eine nicht professionelle Einstellung zustande gekommen ist, klingen diese Beschwichtigungen usw. wie Schönrednerei, gerade weil die lachse Einstellung kein neues Phänomen ist, es kommt in dieser Saison „nur“ häufiger vor als in den Jahren 2004-08 und sogar noch häufiger als in den beiden letzten Spielzeiten.

Genau das ist der Punkt und genau dort sehe ich Licht am Ende des Tunnels
Das habe ich versucht hier:
http://forum.werder.de/showpost.php?p=1394109&postcount=13629
näher zu beleuchten. Selbstverständlich ist das nicht alles Pech, was da abgelaufen ist. Aber ich sehe dennoch dort eine Entwicklung. Auch das 0-1 gegen Enschede war nicht allein Pech, weil sich dort mangels Rückwärtsbewegung und mangels Absicherung, die Fehler aus den meisten Spielen dieser Saison wiederholten.
Siehe hier mal Mick´s Beitrag:
Alles richtig, wobei ich finde, dass der Umstand, dass momentan immer noch die Zeit gegen uns läuft, auch ein wenig hausgemacht ist. Am Anfang der Saison, so an den ersten 4-5 Spieltagen war das noch erklärbar. Chancen und Fehlentscheidungen hin oder her ist doch derzeit eines offensichtlich: Wir haben die Probleme - wieder mal und noch mehr als zuvor ohnehin schon - von vorne nach hinten verschoben. Auch ich bin überzeugt davon, dass wir über variableres und kreativeres Spiel zeitnah gute Ergebnisse erzielen, halte den im Moment eingeschlagenen Weg aber für verfrüht und bezweifele die Dauerhaftigkeit dessen. Es geht immer zuerst darum, die Sicherheit in allen Mannschaftsteilen zu bekommen. Nur so funktionieren, wie gesagt, Teams wie Mainz, BVB, Freiburg, St. Pauli oder Frankfurt.
Das sehe ich im Übrigen genau so, dass dies unmittelbar vor dem 0-1 wieder passierte. Nur war, auch das habe ich versucht zu klären, gestern kein Bundesligaspiel, sondern eben ein KO-Spiel. Versuche doch bitte einfach mal das eine Spiel, vom anderen zu unterscheiden. Die Mannschaft war sich der Lage bewusst, dass diese Partie gewonnen werden musste und stürzte sich hungrig auf den Sieg. Mit der Auswechslung Bargfrede/Arnautovic, kam auch für mein Dafürhalten zu früh, das Signal zur vollen Attacke. Dann noch die rote Karte und keine Möglichkeit mehr, zur Kurskorrektur. Aber allein an dem, was das Ergebnis aussagt, möchte ich nicht urteilen, die Mannschaft würde stagnieren.
Meine Berurteilung eines Spiel ist auch nicht ergebnisfixiert, auch wenn man beim Fußball leider keinen Schönheitspreis gewinnen kann, weil sonst wäre Werder Bremen 03/04-07/08 zusammen mit Borussia Mönchengladbach in den 70er Jahren die einzigen gewesen, die fünfmal hinterheinander Deutscher Fußballmeister geworden wären. Für mich ist es wichtig, daß „meine“ Mannschaft die richtige Einstellung hat und bis zum Umfallen kämpft, dann sehe ich ihr auch Fehler nach und kann auch damit leben, wenn einige Spiele in Folge in die Hose gehen.
Sehe ich ebenso. Deswegen ja auch meine Meinung zum bisherigen Geschehen.
Aber wenn man versucht, durch mangelnde Berufsauffassung verursachte Mißerfolge damit zu begründen oder zu relativieren, daß diese Pleitenserie nur eine Verkettung von unglücklichen Umständen etc. ist und mit dem Federstrich „es wird schon wieder“ beschwichtigt, dann ist es Schönreden, denn es kann nur wieder was werden, wann man sich das Glück (wie es der Volksmund sagt) erzwingt, sprich dafür kämpft. Nachdem dem ein Teil der Gehälter eingefroren wurde, schien es die Mannschaft wohl auch begriffen zu haben, aber die Minuten 30 – 90 gegen Nürnberg haben leider (hoffentlich vorübergehend) das Gegenteil bewiesen und deshalb ist es umso unverständlicher, wenn hiernach wieder in Betrachtung der Gesamtsituation wieder mit unglücklichen Umständen, Verletzungen, „es wird schon wieder“ etc. schöngeredet wird.
Schön reden will ich mir gar nichts, wie Du siehst. Es geht mir nur um das Erkennen von Ansätzen. Deswegen sprach ich auch davon, man sollte sich nicht gegenseitig zerfleischen und alles in Frage stellen, weil sich ad hoc noch keine Ergebnisse erzielen ließen. Die Frage ist letztlich ja nicht, ob sie sich jetzt weiterentwickeln muss, sondern die Frage muss lauten, tut sie es nicht bereits?
Ich bin mir sicher, die Mannschaft wird sich belohnen, wenn sie dort weiter macht.
