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Mick_666
Guest
Aber nicht nur. Wenn bei nur einem Tor Rückstand und noch ca. 20 Minuten zu spielen solche Auflösungserscheinungen passieren, dass praktisch keine Verteidigung mehr stattfindet, der Gegner in Überzahl ist und ein Scheibenschießen veranstalten kann, dann braucht man sich nicht zu fragen, wer da irgendwo den Ball verloren hat, sondern warum es dem Gegner so leicht gemacht wird, Fehler auszunutzen. Wo das Defensivverhalten ist. Wo so etwas wie systematische Disziplin bei gegnerischem Ballbesitz ist. Was das für eine Raumaufteilung ist.
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So etwas wie Raumspiel, Disziplin im Deckungsverhalten, Verschieben, Umschalten MUSS trainierbar sein , auch erfolgreich trainierbar.
:applaus:Der Mannschaft??? Vor allem verschafft es dem Trainer ein Alibi und nimmt ihn aus der Verantwortung.Alles auf individuelle Fehler zu reduzieren ist mir zu billig und geeignet, der Mannschaft ein Alibi zu verschaffen.
Deswegen hat mir auch das ganze Gerede von der Fehlentscheidung in München oder den vergebenen Chancen nicht gefallen. Klar kann immer alles anders laufen. Aber man macht es sich schlicht zu einfach, denn schon dort war eine gefährliche Tendenz taktisch naivem Verhaltens in der zweiten Halbzeit klar erkennbar. Nun hätte man sagen können, okay das war eine Halbzeit, passiert halt. Wenn man nicht Werder und TS so gut kennen würde. Ich habe nach dem Pokalspiel hier geschrieben und geahnt, dass es eine Frage der Zeit sein würde, wann eine Mannschaft kommt, die sich eben nicht so blöd im Umschalten anstellt, die besser verschiebt und das schlechte Spiel Werder´s im Raum effizienter ausnutzt, als es die Bayern am Dienstag taten. Dass es so schnell gehen würde und dass das sogar so ein Trainer wie Hecking schafft, hat mich allerdings auch überrascht.
Ich warte schon darauf, dass ich in Statements wieder solchen Quatsch höre wie "Wir haben uns nicht für unseren hohen Aufwand belohnt". In München und gegen Nürnberg war eines deutlich zu sehen TS hat es geschafft, der Mannschaft ein variables Offensiv- und schön anzusehendes, technisch anspruchsvolles Kombinationsspiel zu vermitteln, das Team erspielt sich Chancen. Leider ist das - wieder mal nur die eine Seite der Medaille, da es ebenso deutlich zu sehen zu Lasten der Ordnung und Organisation geht. Dass Schaaf erneut den zweiten Schritt vor dem ersten macht, ist doch das Kardinalproblem! Es wird voll auf die Karte gesetzt, den Gegner vorne zu beherrschen und allein dadurch das Spiel zu dominieren. Sowie die Chancen nicht sitzen, das Ganze ins Stocken kommt, fangen die Probleme an, weil darauf unsere Spieler nicht eingestellt sind, weil sie dann ihre Position und Aufgabe kaum kennen und demzufolge nicht umdenken können. Dass wir wie fast in jedem Jahr der Ära Schaaf bei der Auswahl der Schießbuden der Liga im hinteren Viertel sind, dass zwischen Mittelfeld und Abwehr riesige Abstände klaffen, dass die Ordnung gegen den Ball miserabel ist, dass unsere Abwehr ständig in 1-gegen-1 Duelle und das noch fast ohne Absicherung muss, DAS ALLES sind uralte Probleme. Gerade dass dies nach so vielen Jahren weiterhin in schöner Regelmäßigkeit zu Buche schlägt, ist taktisch der eigentliche Skandal. Es hat auch rein gar nichts mit zu offensiv oder zu wenig defensiv zu tun, sondern mit simplen Dingen wie eben Organisation, strategische Spielführung, Raumdeckung, die fehlen und dafür sorgen, dass es vorne zu eng wird und hinten zu offen ist. Aber das ist nun mal ganz klar das Terrain, welches der Trainerstab zu bearbeiten hat und niemand anders sonst. Es ist deren Aufgabe, die Mannschaft nicht unsinnig zu verunsichern oder eine ohnehin formschwache und ersatzgeschwächte Abwehrkette nicht zusätzlich zu überfordern.
Umgekehrt wird die Mannschaft nicht jede Woche ihre Chancen verballern, die werden bald sitzen und ein paar hohe Ergebnisse pro Werder bringen. Sowie Selbstvertrauen, was durchaus zu einer Serie führen kann. Überhaupt ist eine Mannschaft mit Wiese, Merte, Naldo, Fritz, Frings, Wesley, Marin, Arnautovic, Almeida, Pizarro in der Summe individuell besser besetzt als eine Mannschaft mit Weidenfeller, Subotic, Hummels, Schmelzer, Sahin, Großkreutz, Blaczykowski, Lewandowski und Barrios. Für mich ist noch alles offen und ich bin überzeugt davon, dass wir noch einen CL-Platz schaffen können. Es bleibt allerdings die Befürchtung, dass dadurch grundsätzliche Defizite wieder nicht abgestellt werden. Das Gesamtpaket Schaaf gewährte bisher kontinuierlich Erfolg, ist andererseits aber auch der Grund, warum Werder seit sechs Jahren mit einer jederzeit titelfähigen Mannschaft nur einen Pokalsieg holte. Fest steht allerdings, dass ersteres für Werder wichtiger ist. Solange ersteres noch zu halten ist. Inwieweit die Liga aufgeholt hat, wird die Saison zeigen.
Aber - darüber sinnieren wir schon lange.


