@ Karlotto: Grundsätzlich lese ich deine Differenzierung sehr gern und sehe auch das meiste ähnlich.
Wir haben im letzten Jahr besseren Fußball gezeigt, als im Jahr zuvor mit Diego. So war bis zum Ende der Hinrunde die einhellige Meinung. Jetzt fehlt der Spieler, der das Spiel beschleunigt. Eine neue Idee vom Fußball ist gefragt = Neuaufbau. Die Mannschaft ist auch aktuell in einem Entwicklungsprozess. Wie das am Ende aussehen kann, haben wir gestern bis zur HZ gesehen, haben wir ztw. auch in München gesehen. Da sah ich im Vergleich zum Beginn der Saison eine Weiterentwicklung. Die Tore fielen in München aus dem Nichts und es lagen wieder einmal, individuelle Fehler vor, bzw. waren einer Einzelaktion geschuldet, die so kaum vermeidbar gewesen wäre.
So ist es.
Auch gestern waren die Tore individuellen Fehlern zuzuschreiben. Dämlich, wie sich der Ösi mit einer einzigen Körpertäuschung austanzen lässt. Auch das zweite Gegentor war einfach Gift für´s Spiel, hat sich ebenfalls nicht unbedingt angekündigt.
Klar. Solche Sachen passieren. Aber die Frage ist dennoch, ob man regelmäßig defensiv so spielen muss, dass ein Fehler regelmäßig zu einem Gegentor führt. Sich immer und nur darauf zu verlassen, dass in der Abwehr keine Fehler passieren (ist natürlich übertrieben) kannes vielleicht auch nicht sein. Auch da kann es theoretisch so sein, dass ein Rädchen ins andere greift, dass übernommen, abgesichert und einander geholfen wird. Halt das, was immer mit "System" bezeichnet wird. Und das erkenne ich in der Defensive seit Jahr und Tag nicht wirklich.
Der Rest war Frust und Auflösungserscheinungen, aber kein Spiegel der Leistungsfähigkeit dieser Mannschaft. Der Kommentator hat es gestern eigentlich treffend formuliert: Werder ist/hat ein fragiles Gebilde, welches zu schnell in sich zusammen fällt. Leider. Aber das ist keine Frage des Systems, sondern des Abstellens dieser Fehler, die so einfach nicht passieren dürfen.
Nochmal: Ich sehe da schon eine Entwicklung in der Spielanlage. Man kann ein klares System erkennen, welches erfolgreich sein kann. Nur müssen wir a) die Chancen nutzen und b) die Fehler abstellen. Dann geht das gestrige Spiel nie und nimmer verloren.
Das sicher auch. Aber nicht nur. Wenn bei nur einem Tor Rückstand und noch ca. 20 Minuten zu spielen solche Auflösungserscheinungen passieren, dass praktisch keine Verteidigung mehr stattfindet, der Gegner in Überzahl ist und ein Scheibenschießen veranstalten kann, dann braucht man sich nicht zu fragen, wer da irgendwo den Ball verloren hat, sondern
warum es dem Gegner so leicht gemacht wird, Fehler auszunutzen. Wo das Defensivverhalten ist. Wo so etwas wie systematische Disziplin bei gegnerischem Ballbesitz ist. Was das für eine Raumaufteilung ist.
Fehler passieren immer. Aber der Eindruck von Auflösungserscheinungen, die man immer wieder hat, wenn es um Werders Defensivverhalten geht, dass ein Ballverlust immer wieder so desaströs bestraft wird, weil nicht nur ein Fehler passiert, sondern der Rest anscheinend oder scheinbar zuguckt, ist aus meiner Sicht sehr bedenklich.
So etwas wie Raumspiel, Disziplin im Deckungsverhalten, Verschieben, Umschalten
MUSS trainierbar sein, auch erfolgreich trainierbar.
Alles auf individuelle Fehler zu reduzieren ist mir zu billig und geeignet, der Mannschaft ein Alibi zu verschaffen.
MFG dkbs