Ich frag mich die ganze Zeit, was das hier für eine blödsinnige Diskussion über den sogenannten Heimvorteil ist. Prinzipiell hat Libertine schon alles auf den Punkt gebracht (und glaubt bloß nicht, dass in Kaiserslautern oder Leipzig nur aufgrund des "Provinz"-Bonus das Stadion plötzlich ausschließlich mit braven Deutschlandfahnenwedlern gefüllt wäre). Die Türken, vermutlich insbesondere die, die in Deutschland leben, sind glühende Verehrer ihrer Nationalmannschaft. Dann kommen sie eben, egal wo das Stadion steht. Und dann gibt´s hoffentlich eine stimmungsvolle Partie (von diesem "viele von denen leben von Har(t)z IV"-Kommentar hier vor ein paar Seiten mag ich gar nicht erst anfangen. Der Kommentar ist gerade bei einem Spiel in Berlin an nicht beabsichtigter Ironie schon nicht mehr zu überbieten).
Und außerdem: Auf welche Stimmung soll man denn bitte bei einem Spiel der Deutschen in Deutschland bauen? So wie ich das kenne, sitzen da 40-50.000 deutsche Fans mit von der ARD oder dem DFB oder beiden gesponserten Fähnchen in der Hand, wedeln unmotiviert damit rum, wenn sie dazu aufgefordert werden und fangen an zu pfeifen, sobald sich mal einer drei Fehlpässe hintereinander erlaubt. Ganz zu schweigen vom "Fanclub Nationalmannschaft" oder den seltsamen Gestalten, die pünktlich zur 60. Minute nochmal die Nationalhymne singen.
Das Spiel wird doch gerade dadurch interessant und stimmungsvoll, dass die Türken hier antreten - und eben weil viele der türkischen Fans es zu schätzen wissen, in ihrer Heimat Deutschland einem Fußballspiel beizuwohnen, beim dem sie für ihre Mannschaft schreien und gleichzeitig (hoffentlich) in der Gewissheit ins Stadion gehen können, dass ihnen deswegen keiner einen Strick draus dreht. Andernfalls wären wir in jeder Hinsicht miserable Gastgeber.