So, ich versuche mal relativ wertungsfrei das Geschehene zusammenzufassen:
Wenn man die Personalie Torsten Frings in der Nationalmannschaft derzeit betrachtet, dann kann man durchaus zu dem Entschluss kommen, dass eine Wachablösung eingeläutet worden ist. Das Konzept des DFB-Trainerstabs sieht vor, keinen Stillstand in der Spielerauswahl aufkommen zu lassen, sondern das Team rechtzeitig mit talentierten jungen Spielern aufzufrischen. Dadurch wird zum einen der Konkurrenzkampf angeheizt und zum anderen können eben diese jungen Spieler frühzeitig DFB-Luft schnuppern und an diesen Erfahrungen wachsen, bis sie selbst reif genug sind um etablierte Kräfte anzugreifen.
Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger waren vor einiger Zeit solche Spieler, die aufgrund ihrer Perspektiven/Veranlagungen eingeladen wurden und zunächst nicht über Kurzeinsätze hinausgekommen sind. Inzwischen aber haben sie sich etabliert und spielen in den Überlegungen von Löw eine mehr als gewichtige Rolle für die Besetzung des defensiven Mittelfeldes. Aufgrund ihres Alters sind sie logischerweise die Zukunft. Inwieweit das schon zur Gegenwart geworden ist kann man m.M.n. nach diesen 2 Spielen noch nicht beurteilen. Ich glaube aber dass das furiose EM-Spiel gegen Portugal in dem sowohl Hitzlsperger als auch Rolfes eine gute Partie lieferten, der idealvorstellung Löws entspricht. Sie bevorzugen das schnelle direkte Spiel und kommen dadurch der Löw'schen Philosophie des Agierens mit "vertikalen Pässen in die Spitze" am nächsten, während Frings eher einen Typ Ballverschlepper spielt, der ein Spiel beruhigen und das Tempo rausnehmen kann.
Beide Spielertypen sind wichtig für eine Mannschaft! Frings' Formkrise trägt sicherlich dazu bei, dass er zuletzt nicht eingesetzt wurde. Vielleicht aber hat Löw auch seine Aussage vor den beiden Spielen nicht gefallen ("da muss mehr kommen"), wie ja schon am Beispiel Timo Hildebrand deutlich wurde der sich ähnlich verhalten hat. Aber das ist - wie vieles momentan - rein spekulativ. Ein Rücktritt von Frings sollte überhaupt nicht zur Debatte stehen. Ich kann mir nicht vorstellen dass Löw auf einen Frings verzichten kann. Einen solchen Spielertypen sucht man im DFB-Kader vergeblich. Er macht sich natürlich Gedanken, hoffe aber dass er diesen Ärger in positive Energie umwandeln kann.
Sollte das nicht ausreichen um sich einen Platz in der ersten Elf wiederzuerobern, stellt sich natürlich die Frage inwieweit sich Frings damit arrangieren kann, als Waffe im Hintergrund eine Rolle zu spielen. Ich finde da werden einige Parallelen zu Oliver Kahn deutlich. Da die beiden ja gut miteinander befreundet sind, könnt ich mir vorstellen dass er den Kontakt zu ihm sucht um sich seine Meinung einzuholen.
Die Ausmaße dieser Situation können wir vielleicht schon am Samstag sehen, indem wir entweder einen engagierten - vielleicht sogar übermotivierten - oder gar einen verunsicherten Frings sehen werden. So oder so, ich glaube dass die nächsten Spiele in der Liga sehr sehr wichtig für seinen weiteren Karriereverlauf sein werden, für Werder sowieso, aber besonders für die Nationalmannschaft. Die Rückendeckung vom Verein kann da nur hilfreich sein.
Pro Frings in der Nati! :svw_schal: