Abwartende Gegner sind kein Problem, das war in der Tat auch schon 03/04 in der Rückrunde so. Mir geht es nur um den Einsatz, dann knackt man auch das defensivste Team. In jedem Fall passiert es nicht, dass ein Spieler in der eigenen Hälfte den Ball bekommt und nach einem 60-Meter-Solo ein Tor schießt (diese Saison bereits zwei mal geschehen) oder dass nach jeder zweiten (eigenen) Ecke ein Konter kommt, der nicht selten zu einem Gegentor führt.
Das ist natürlich ein großes Problem und sollte abgestelltwerden können, aber ich glaube schon mich zu erinnern, dass Gegentore nach eigenen Ecken wenn nicht in der Doublesaison, so auf jeden Fall davor vorgekommen sind. Werder ist eben so ausgerichtet (das gefällt mir wohlgemerkt auch nicht unbedingt), dass man, wenn, gerne mit Mann und Maus stürmt und alle nach vorne rennen. Die Frage ist, wodurch dann die Gegentore entstehen. Wenn aus einer eigenen Ecke ein Gegentor entsteht, müssen Fehler vorgekommen sein, die besser vermieden würden. Die Frage ist aber auch, inwiefern man sich über unnötige Gegentore beschweren kann, wenn man so ausgerichtet ist, dass in der Rückwärtsbewegung kein Fehler vorkommen darf bzw. ein solcher häufig sofort eine Torchance oder ein Gegentor bedeutet. Hier sehe ich fast eher das Problem. Und ich vermute, dass mancher individueller Fehler schlimmer aussieht als wenn er dem gleichen Spieler an der gleichen Stelle z.B. bei Schalke unterlaufen würde, da andere Mannschaften in der Defensive eben weniger Harakiri spielen.
2003/2004 gab es natürlich auch schon die abwartenden Gegner, trotzdem würde ich nicht sagen, dass sie kein Problem wären. Damals ist es gut gegangen, weil Werder schon vorne war und vor allem weil Werder einen Lauf hatte. Heute habe ich den Eindruck, dass Werder auf eine massierte Deckung des Gegners oftmals mit einer ebenso massierten Offensive reagiert mit dem entsprechenden Gefahrenpotential.
Nebenbei gesagt fehlt jemand wie Micoud, der strategische Fähigleiten hatte, Und ich finde wie gesagt, dass wichtige Spieler seit längerer Zeit ihrerForm hinterherrennen und/oder immer wieder durch Verletzungen aus dem Rythmus gebracht werden. Das spielt mit Sicherheit eine Rolle.
Ich denke, dass genau das passiert ist. Werder mit 10 Toren aus der BL im Rücken und dem Punktgewinn gegen Inter, Stuttgart mit massiven Verletzungssorgen, Formkrise und einem UEFA-Cup-Spiel am Donnerstag. Der Auftritt von Werder war urtypisch gegen ein Team, dass man glaubte ganz locker abschießen zu können. Diegos Aussage spricht da Bände:
"Das darf uns nicht passieren. Vielleicht denken einige, dass es automatisch geht, dass wir in solchen Spielen nichts tun müssen. Doch das ist falsch. Wenn wir Meister werden wollen, dürfen wir die Punkte nicht so leichtfertig liegen lassen.
Das kann man so oder so sehen. Ich denke, Werder hat so gespielt als Konsequenz aus dem letztjährigen Spiel. Man wollte aus einer verstärkten Abwehr kommen um Stuttgart nicht diese wahnsinnigen Räume zu bieten wie beim 3:6. Das Problem war aber, dass die Spieler, vielleicht noch etwas geschlaucht von Mailand, sämtlich keine Form hatten und nicht die gesitige Kraft aufbrachten, nicht nur defensiv rumzustehen, sondern auch tatsächlich, wenn man diese Ausrichtung wählt, sich entsprechend zu verhalten. Unterstreicht leider meine Auffassung, dass Werder und Defensive sehr oft ein Gegensatzpaar ist.
Diego hat meiner Meinung nach recht, aber das ist ein generelles Problem bei Werder, das man manchmal den Eindruck hat, es gehen von selbst. Das kann gegen Gegner wie Stuttgart vorkommen und auch gegen Gladbach, umgekehrt gibt es Spiele, wo die Einstellung stimmt, aber auch das sind nicht nur große Gegner, sicher Bayern, aber z.B. auch Cottbus war von der Einstellung her ok.
Über das Spielerische kam Werder auch früher. Ich will nicht sagen, dass die Spieler nur noch das Feld umpflügen sollen, aber genau DANN wenn man den Gegner früh attackiert und ihn zu Fehlern zwingt, kann man seine spielerische Überlegenheit ausspielen. Sonst nicht, egal gegen wen.
Vollkommene Zusstimmung. Agressivität und Aufmerksamkeit müssen dabei sein.
Allerdings sind solche Spiele meiner Meinung nach keine neue Entwicklung. Schon in der Saison 02/03 war ich Zeuge eines genauso unnötig weggeschenkten Spiels zu Hause gegen 1860. Und außer in der Meistersaison würde ich behaupten, dass solche Niederlagen, die unnötig erschienen, weil Werder entweder eigentlich klar besser war oder ohne Agressivität eingegangen ist, immer mal wieder vorgekommen sind. EIn Stückweit scheint das zum Wesen dieser Mannschaft zu gehören, wobei ich es offen lassen muss, ob dies so einfach zu ändern ist. Wenn man so eine Leistung wie in Stuttgart sieht, möchte man es glauben, denn sowas darf eigentlich nicht vorkommen. Auf der anderen Seite: KATS sind ja nicht doof und sehen das Problem sicher auch. Wenn diese Probleme immer wieder auftauchen, ist die Frage, ob es sich um eine lässliche Doofheit handelt, wo man eigentlich nur zwei, drei Mal tadelnd eingreifen muss um es abzustellen.
Ganz klar, wenn ein Gegner aggressiv zu Werke geht, dann bekommt Werder Probleme. Fragt sich nur, warum sie einem solchen Gegner nicht genau so antworten können? Letzte Saison im Rückspiel gegen Hamburg ging es doch auch. Da war es zwar hier und da übertrieben, aber da hat die Mannschaft mal das Messer zwischen die Zähne genommen und hat Hamburg niedergekämpft, wie ich es von Werder nicht mehr zu sehen erwartet habe. Aber zum Beispiel ein Gegner wie Gladbach war nicht sonderlich aggressiv, die konnten einfach nicht fassen wie viel Platz sie hatten und standen defensiv sicher.
Alles richtig. Aber ich behaupte nach wie vor, dass Werder eine Mannschaft ist, der spielerisch kaum jemand was vormacht, die jedoch Defizite in der Defensivarbeit und auch darin hat, sich auf den Gegner als Gegner einzustellen. Irgendwie scheint es unter der Würde Werders zu sein, die kommen eher vom "dem Gegner das Spiel aufzwingen" her. Aber das funktioniert halt nicht immer, besonders, wenn Werder auf Mannschaften trifft, die sich Werder genau angeguckt haben und dementsprechend spielen (aufmerksam in der Abwehr, agressiv, schnell nach vorne). Beispiele sind dieAuwärtsspiele diese und letzte Saison in Stuttgart, letzte Saison auswärts in Dortmund, jetzt in Gladbach.
Da fehlt es Werder an taktischer Felxibilität. Das ist wahrscheinlich die Kehrseite dessen, dass man auf der anderen Seite eine bestimmte Spielweise perfektioniert hat und sich auf seine Stärken verlässt, was sicher auch nicht von Nachteil ist.
Tatsache ist natürlich, dass es immer wieder Spiele gibt, in denen diese Probleme nicht auftreten, wie das von dir erwähnte Spiel beim HSV. Aber die sind die Ausnahme,wahrscheinlich braucht es dafür eine bestimmte, entscheidende Situation und mein Eindruck ist, dass Werder tendenziell dann so spielt, wenn sie Probleme haben und sich nicht zutrauen, den Gegner auszuspielen. Und auch das klappt ja nicht immer. Schon deshalb, weil bei Werder der Grat zwischen einer erfolgreichen Leistung auf der Basis einer funktionierenden Defensive und einer Ausrichtung, wo man praktisch auf die Gegentore wartet, sehr schmal ist. Was wäre gewesen, wenn Werder beim HSV bald in Rückstand geraten wäre? Und was wäre umgekehrt gewesen, wenn man in Stuttgart das 0:0 länger gehalten hätte.
Richtig, das wäre eigentlich die Aufgabe eines Frings, aber mittlerweile auch von Naldo. In der aktuellen Lage würde ich ja Vranjes einen Stammplatz verpassen, von dem hab ich nämlich noch nicht ein einziges mal ein lustloses Spiel gesehen, der verkörpert so ziemlich alles, was Werder momentan fehlt.
Richtig. Naldo und Frings sind um Moment zu schwach dafür, und zwar seit längerer Zeit. Beide haben genug mit sich zu tun. Bei Vranjes rennst du bei mir offene Türen ein. Gerade nach München, das fast eine Blaupause für ein erfolgreiches Auftreten war, hätte er sich weitere Chancen verdient.
Naja, wenn du mit Grundausrichtung die offensive Spielweise meinst, so denke ich schon, dass man die beibehalten kann. Denn die Spiele gegen Bielefeld, Stuttgart und Gladbach hatten NICHTS mit der Ausrichtung der Mannschaft zu tun sondern einzig mit der Einstellung.
Trotzdem glaube ich, dass sie immer wiedervorkommen werden. Jede Mannschaft hat gute, schlechte, sehr gute und sehr schlechte Tage und an sehr schlechten Tagen gibts halt die entsprechende Klatsche.
Und - zum Thema Ausrichtung - die fällt um so härter aus, je defensivschwächer die Mannschaft ist. Mit einer sehr defensiven Mannschaft und Ausrichtung a la HSV unter Stevens hätte Werder wahrscheinlich "nur "2:0 oder so verloren. Mit der Mannschaft wie sie Werder hat, fallen Niederlagen nach schlechten Spielen katastrophaler aus als bei "normalen" oder defensiven Mannschaften. Dafür gibt es aber auch immer wieder die Spiele, die Schalke 2:0 gewinnen würde und Werder 6:1. Oder wie gegen Hoffenheim, wo Werder hätte gut verlieren können, und zwar nicht (nur) wegen der schwachen Defensive, sondern auch, weil Hoffenheim sehr gut spielte. Wo aber dank der Offensive ein solches Spiel, nachdem man ein 4:1 verspielt hat und in Unterzahl ist, noch gewonnen werden konnte.
Wie dem auch sei, ich erwarte wieder drei gute Spiele und wenn dann wieder alle den tollen Offensivfussball hochloben, dann kommt ne Klatsche in Athen oder so....
So wird es wohl sein. Ich bin da mittlerweile Fatalist.
MFG dkbs