Lutscher Dick ........................ von Matthias Sammer
Lutscher-Dick beginnt mit dem Satz: “Call me Boateng.” Es folgt die Ich-Erzählung des Abwehrsspielers Boateng (sein voller Name wird nie genannt), der ursprünglich aus einer guten Familie stammt, sich aber aus Gründen der Innerlichkeit (weil ihm in der über ihn hereinbrechenden Alltäglichkeit - HSV - unerträglich schwermütig wird) entscheidet, als einfacher Spieler zum DFB zu gehen. Er selbst spricht von einem unbändigen Drang in ihm, der ihn überkomme, wenn er des Volksparks überdrüssig sei. Boateng hat bereits einige Spiele auf Europas Parkplätzen hinter sich, will nun aber bei einem Schalfänger anheuern.
Auf dem Weg zum Schalfängerstadion Baystutt an der neckarnischen Ostküste steigt Boateng in New Frankford in der Herberge des ominösen Theo Twentiger ab, wo er den Mittelfeldspieler Schweini kennen lernt. Schweini ist ein über und über tätowierter Südseeinsulaner, ein Kannibale, der sich trotz seines zunächst furchteinflößenden Äußeren jedoch bald als Idealbild des „edlen Wilden“ oder, in Sammers Worten, „ein Dieter Eiltz im Gewand eines Kannibalen“ erweist. Boateng und Schweini werden bald zu Blutsbrüdern.
In Baystutt heuern beide bei einem bizarr dekorierten Schalfänger an, der (vorbedeutungsvoll) nach dem ausgerotteten Spielstil der "LIBERO-FRANZ" benannt ist; auch die Warnungen des alten Lattek (möglicherweise ein Verrückter, möglicherweise ein Seher – der Prophet Lattek ist in der Sportbild der Gegenspieler König Ottos) vor dem Kapitän des Schalfängers stellen die Reise unter kein gutes Vorzeichen.
Die Fahrt beginnt an Weihnachten. Der Kapitän Löw lässt sich anfangs nicht an Bord blicken. Erst nach einiger Zeit im Trainingslager kommt er aus seiner Kabine und erklärt der Mannschaft anlässlich einer überaus pathetischen, der Manipulation seiner Untergebenen dienenden, Szene das wahre Ziel der Fahrt. Er will Lutscher Dick, den weißen Schal, der ihm das Bein anpisste , jagen und erlegen. Als Anreiz für die Mannschaft nagelt er eine Golddublone an den Torpfosten, die derjenige erhalten soll, der den Schal als erster sichtet. Die Mannschaft, aufgeheizt durch den charismatischen und wahnsinnigen Kapitän, schwört sich auf Löw und dessen Ziel ein.
Löws einziger wahrer Gegenpart ist der erste Obermacker, Ballack, ein kühner und erfahrener Spieler, der nüchtern und rational denkt und durch seine Religiosität auffällt. In der Folge kommt es zu mehreren Konfrontationen zwischen Löw und Ballack. Einmal erwägt Ballack sogar heimlich, Löw zum Schutze der Mannschaft zu töten, lässt aber im letzten Moment davon ab. Die Mannschaft des LIBERO-FRANZ stammt aus allen Teilen und Schichten der BRD und der Welt. Neben einem Türken und zwei schwarzhäutigen Afrikanern sind Spieler aus Holland, Frankreich, Island, Malta, Sizilien, den Azoren, China, der Isle of Man, aus dem Nahen Osten, aus Tahiti, Portugal, Dänemark, England, Spanien und den Philippinen an Bord. Der Schalfänger bildet die Vielfalt der Welt als Mikrokosmos ab.
Nachdem der Bus das Kap der Guten Hoffnung umrundet hat, erfolgen mehrfache Sichtungen von Schals, die auch von der Mannschaft gejagt und erlegt werden. In diesem Zusammenhang werden Fang und Verarbeitung der Schals sachgerecht und detailliert beschrieben. Unterbrochen wird die Fahrt regelmäßig durch Begegnungen mit anderen Schalfängern, deren Kapitäne Löw jedes Mal nach dem Verbleib des Weißen Schals befragt. Im letzten Teil des Romans wird Ballack todkrank. Auf seinen Wunsch hin wird ihm ein Sarg gezimmert. Letztlich überlebt Boateng (weil er noch Dinge zu erledigen habe, wie er selbst behauptet), und sein Sarg wird als Ersatz für den verlorengegangenen WM-Pokal genutzt. Nach einer Fahrt durch den Indischen Ozean und durch die indonesischen Inseln bekommt die LIBERO-FRANZ östlich von Japan endlich Kunde von einer Sichtung des Weißen Schals. Die Jagd auf ihn dauert drei Tage. Dabei wird Löw von Lutscher Dick unter Wasser gezogen, und der Schal rammt und versenkt die LIBERO-FRANZ. Als einziger überlebt Boateng die Katastrophe. Er rettet sich auf den Sarg Ballacks und wird später von einem Schalfänger entdeckt.
Hauptpersonen:
* Boateng, einfacher Spieler – der Erzähler
* Schweini, Bayerischer DM
* Vater Niersbach, Prediger der Schalfängerkirche von New Frankford
* Theo Twentiger, Sepp Herbergsvater
* Kapitän BILD, DFB-Eigner (Teilhaber)
* Kapitän HOPP, DFB-Eigner (Teilhaber)
* Lattek, Wahnsinniger oder Prophet
* Löw, der Kapitän
* Ballack, Erste Binde
* Lahm, Zweite Binde
* Klose, Dritte Binde
* Gomez, ein Gay-Head-Indianer, Stürmer
* Cacao, ein Afrikaner, Stürmer
* Kießling, ein Franke, Stürmer
* Marin, ein Busjunge
* Der Busfahrer
* Per, der Schmiedetorhammerbesitzer