Gestern eine taktische Meisterleistung - die ich nächste Saison noch öfter sehen will.
Aber ich habe in der Vergangenheit schon öfter gedacht, dass er jetzt den Bogen raus hat und auch mal taktisch variabel aufstellt, z.B. nach den Spielen gegen den HSV im letzten Jahr. Dass er es kann und auch die Spieler für taktische Flexibilität hat, hat er schon oft bewiesen. Es wäre nur schön, wenn er diese Flexibilität noch öfter nutzen würde.
Das bleibt/ist auch meine Hoffnung, auf der anderen Seite sind über die gesamte Saison schon ein paar Dinge festzuhalten,
die besser liefen als in den Vorjahren:
Die Doppelsechs Frings/Boro funktionierte in der Vorbereitung nicht, wodurch die Befürchtungen vieler, die diese anhand der generellen Fähigkeiten beider und der Zusammensetzung des Mittelfeldes hatten, bestätigt wurden. Leider "testete" Schaaf dies auch im ersten Bundesligaspiel gegen Frankfurt, was dann auch - und gewissermaßen absehbar - schiefging. ABER: Anders als in den Vorjahren änderte TS
schon nach diesem einen Spiel und griff zurück auf die Raute. Diese war zwar durch den Baumann-Abgang in der Spieleröffnung auf der Sechs weniger kompatibel, erhielt allerdings durch Bargfrede und einen sich defensiv steigernden Hunt auf den HP mehr Stabilität, Kampfkraft und Raumbeherrschung als 08/09. Zusätzlich hatten wir mit Özil auf der Zehn erstmals seit Micoud wieder einen, der diese Position
im Sinne der Raute auszufüllen wusste. Das näherliegende Problem entstand nun dadurch, dass Marin kein Rautenspieler ist und deshalb, zu diesem Zeitpunkt mMn völlig richtig, im Sturm eingesetzt wurde. Doch dort konnte MM seine Stärken nicht so gewinnbringend für die Mannschaft einsetzen, wie es hätte sein können, glänzte durch Einzelaktionen, verlor sich aber ebenso oft in Sinnlos-Dribblings. Im Kontext erlangte Werder nun durch die neue Rautenzusammensetzung mehr Stabilität, aber aufgrund der beiden Faktoren Spieleröffnung auf der Sechs und nicht optimale Zusammensetzung im Sturm auch weniger Durchschlagskraft und Überraschungsmomente in vorderster Linie.
Solange war das noch gewinnbringend, schwierig wurde es, als Bargfrede und dann auch noch Pizarro gleichzeitig ausfielen. Aufgrund unzureichender Alternativen wurde das Rautensystem praktisch nicht mehr spielbar, was sich in sieben sieglosen Partien in Folge nach und nach auch in Ergebnissen niederschlug. Zwar zu spät, aber exorbitant wichtig daher die Umstellung auf 4-5-1 am 21. Spieltag gegen Hertha. Dadurch gab es 1.) Verwendung für einen Spieler wie Niemeyer, der die Ausfallzeit Bargfredes sehr gut überbrückte, kam 2.) die Klasse Marin`s nun in jeder Hinsicht zum Tragen und konnten 3.) die Ausfälle kompensiert werden. Für mich auch kein Zufall, dass Werder mit diesem System
kein Spiel in dieser Saison verloren hat.
Dass wir gestern mit flacher Hierarchie im Mf, mit Boro, Bargi und Frings agierten, dafür sogar system- und gegnerbedingt zwei geliebte Offensive rausgenommen wurden, dass richtig auf die Schalker Achse Rafinha, Farfan, Hao reagiert wurde, ist für mich, gerade weil es von Thomas Schaaf kam, eine taktische Sensation. :svw_applaus: :svw_applaus: :svw_applaus:
Das macht nicht nur den Patzer in Dortmund mehr als wett, es ist schon ein Indiz einer gewissen Entwicklung.
Ich war genervt davon, dass TS, wie in den Vorjahren, auch diesmal phasenweise ein inkompatibles Spielsystem unbeirrt lange laufen ließ, oder dass er in so einem Spiel wie beim BVB derart auf Ausfälle reagierte.
Andererseits, @mezzo74, wer hätte nach den letzten Spieljahren auch nur ansatzweise ahnen können, dass Thomas Schaaf innerhalb einer Saison viermal das System ändert, dabei an wichtigen Stellschrauben dreht, sogar auf die vorhandenen Spieler abstimmt?
Das will ich an dieser Stelle uneingeschränkt anerkennen.
Ich habe den Eindruck, dass TS sich in dieser Saison vor allem im taktischen Bereich weiterentwickelt hat.
ich finde, dass der Eindruck nicht täuscht.
Ich gehörte ja auch zu denen, die Ende Januar mangelnde taktische und personelle Flexibilität bei TS kritisiert haben. Für den damaligen Zeitpunkt halte ich diese Kritik auch weiterhin für zutreffend. Aber seitdem hat sich halt eine Menge getan in dieser Hinsicht: Umstellung des grundlegenden Spielsystems von Raute auf 4-2-3-1, das je nach Bedarf und Gegner zurück zur Raute oder zu einer "flachen Vier" wie gestern umgestellt werden kann. Einige Stammplätze wurden neu vergeben (Petri, Niemeyer/Bargfrede für Abdennour, Boro), sind aber nicht in Stein gemeißelt. Die Stammelf ist weniger gesetzt als früher(s. gestern). Marin spielt jetzt konsequent im Mittelfeld und ist dort wesentlich stärker. Bei Bedarf wird im laufenden Spiel nun viel schneller taktisch und personell umgestellt als früher (Zuletzt die Einwechslung von Hugo zur Pause gegen Köln oder der Positionstausch Boro-Bargfrede gestern, um Rafinha besser in den Griff zu bekommen).
TS scheint die richtigen Lehren aus der Niederlagenserie im Winter gezogen zu haben. Das macht mich auch im Hinblick auf Berlin optimistisch, dass er auch gegen Bayern und van Gaal etwas siegbringendes aus dem Hut zaubern kann:applaus:
