In Südamerika gibt es für mich nur zwei Klubs:
"River Plate" aus Buenos Aires und "Gimnasia y Tiro" aus Salta (Argentinien).
Seit Jahren hatte ich schon eine Faszination für den südamerikanischen Fussball da mich schon als Kind die wenigen Bilder die wir im deutschen TV vom südamerikanischen Fussball sehen können begeistert.
2007 habe ich dann eine ganze Zeit in Buenos Aires und im Norden Argentiniens in der alten Kolonialstadt Salta verbracht und mich dort endgültig in den Fussball dort verliebt.
Angetan hat es mir besonders der Klub River Plate aus Buenos Aires. Ich weiss nicht genau wieso, aber die Farben des Vereins, der markante Querstreifen auf dem Trikot und viele ehemalige Ex-Spieler wie Marcelo Salas haben mich wohl zu einem "Millonario" werden lassen. Der Klub hat richtig Flair und ist trotz der wohl schlechtesten Zeit seiner Vereinsgeschichte (daran ändert auch der im letzten Jahr gewonnene Titel nichts, danach wurden sie als amtierender Meister sogar Letzter) nichts von seiner Faszination verloren und als ich dann live beim "Superclasico" zwischen River Plate und den Boca Juniors im Stadion sein durfte und wir die "bosteros" mit 2 zu 0 aus dem Stadion gefegt haben, durch Tore von Ariel Ortega und Radamel Falcao, gabs es kein zurück mehr. Spätestens seit diesem Tag fließt kein rotes Blut mehr durch meine Adern sondern eine weiß, rot und schwarz gefärbte Flüssigkeit.
Man kann Fussball in Argentinien nicht beschreiben, man muss es erlebt haben.
Die Stadien sind marode, die Spieler nur Durchschnitt (da mittlerweile sogar ganz junge Spieler sofort von europäischen Vereinen aufgekauft werden und nur noch einige alternde Ex-Stars ihre Karriere in der Heimat ausklingen lassen) und die Klubs versinken in einem Chaos aus Intrigen und Mißwirtschaft. Dennoch ist die Bedeutung des Fussballs und der Klubs eine ganze andere Dimension als bei uns. Dort wird Fussball gelebt.
Die Boca Juniors sind in meinen Augen übrigens einer der schlimmsten Vereine der Welt. Es kommen z.B. ganze Heerscharen von Tourristen aus dem Ausland nach Buenos Aires nur um Boca zu sehen und viele haben nicht einmal Ahnung von Fussball sondern besuchen das Stadion oder ein Spiel von Boca, weil ihr Reiseführer sagt man müssen dort gewesen sein.
Gimnasia y Tiro ist ein Verein aus einer unterklassigen Liga (glaube 4.Liga) und dennoch wird selbst dort in Salta im Nordwesten des Landes Fussball mit einer unglaublichen Intensität gelebt die über jede Bundesligatmosphäre hinaus geht. Beim Derby gegen Central Norte ga es ein unglaubliches Polizeiaufgebot und dennoch wurden sogar riesige Traktoreifen auf die Tribünen geschmuggelt und angezündet, was zur Folge hatte das teilweise ganze Tribünen in schwarzem Rauch versanken. Die hohen Zäune und die Polizei sind auch bitter nötig um die Fangruppen voneinander zu trennen und das Stadion ist in der 4. Liga nahezu ausverkauft und mehr als 20.000 heißblütige Latinos machen das Stadion zu einem Hexenkessel mit brodelnder Atmosphäre. Nie werde ich diese 90 Minuten vergessen in denen ich als Gästefan (Central hatte Heimspiel) mitten unter den Anhängern von GyT und nahe der "barrabravas" (argentinische Hooligans) stand, Kokablätter im Mund und mehr als 105 Minuten lang singend und hüpfend zwischen als diesen fanatischen Argentiniern bei einem Spiel in der 4.Liga.
Beim nächsten Derby zwischen diesen beiden Klubs ging es dann weniger glimpflich aus, denn kurz vor dem Spiel wurde im Stadtzentrum ein junges Mädchen (Anhängerin von Central) mit einem Kopfschuss getötet und während des Spiels kam es zu Ausschreitungen auf den Tribünen bei denen Glasflaschen und andere Gegenstände wurden geworfen und die Polizei ging mit Schlagstöcken und Gummigeschossen auf die Fans los.
Ich war heilfroh das ich meinem Kumpel vorher abgesagt hatte und nicht bei diesem Spiel war.
Meiner Faszination für den südamerikanischen und speziell den argentinischen Fussball konnte aber auch dieser traurige Zwischenfall nicht erschüttern. Dennoch bin ich froh das man in Deutschland eigentlich mit seiner Familie in Ruhe ein Fussballspiel besuchen kann, was in Argentinien nicht immer ohne weiteres möglich ist.