Verhalten der Fans im Stadion

In letzter Zeit ist das Verhalten der Fans, wobei einige Anhänger diese Bezeichnung kaum noch verdient haben, im Stadion in den Fokus gerückt.
Ob das nun die Ausschreitungen in Berlin, die Pfiffe heute in Hamburg oder die Diskussion über Pfiffe in unseren Reihen waren, so waren sie allesamt nicht gerade positiver Natur.

Dieses Verhalten wirft einige Fragen auf und wird in verschiedenen anderen Threads etwas dezentral schon kontrovers diskutiert.

Da ich gerade zu faul bin selber Thesen aufzustellen und einen echten einleitenden Text zu formulieren, will ich die Diskussion einfach mal mit ein paar Zitaten aus den anderen Threads starten.

Ich hoffe die Zitierten haben nichts dagegen, ansonsten schreibt mir ne PN:

Das Zuschauerverhalten im Stadion muss nämlich eigentlich allgemein hinterfragt werden. So manche Dinge im Stadion gehen eigentlich auf keine Kuhhaut mehr und ausserhalb des Stadions würde sich so manch einer wohl nicht benehmen.

Für Viele ist Fanverhalten auch eine Gewohnheit. Man beschimpft halt viel (was dann aber nur selten ein Spieler mitbekommt), dazu lässt man sich bei Schmähgesängen leicht von der Masse mitreißen. Für viele ist es eine Gewohnheit, weswegen Guerrero hier nunmal den Bösewicht darstellt. Spieler, die schwach sind, stecken halt viel ein. Erst recht, wenn es für einen ambitionierten Club eh nicht gut läuft. Dass Spieler aber jede Woche Topleistung bringen darf nicht verlangt werden. Da würde man als Fan zu hohe Ansprüche stellen.

Zitat von Tinga Fußballgott;974822:
Über allem was ich jetzt sage steht natürlich, dass die Aktion von Guerrero nicht in Ordnung war, aber ich erinner mich noch genau dran wie vor ein paar Monaten bei der Trauerfeier von Robert Enke zu mehr Fairness aufgerufen wurden ist. Es war bereits bei der Entlassung von Babel so und es ist jetzt wieder so!
FUSSBALLER SIND AUCH NUR MENSCHEN! Genauso wie Schiedsrichter und andere Offzielle! Daher sollte man wirklich das auspfeifen und ausbuhen von Spielern und Schiedsrichtern drastisch reduzieren! Es wird mitterweile in vielen Stadien (unabhängig ob Werder, HSV oder sonst wo) bei Kleinigkeiten gleich wie wild auf die Spieler eingehackt! Diese Menschen sind meistens weit unter 30! Viele der Stadionbesucher sind viel älter und ich weiß nicht ob man das als 20-jähriger (Beispiel Abdennour) ertragen muss, von 30000 ausgepfiffen zu werden! Das ist jetzt vielen wahrscheinlich zu weitreichend, aber welches Recht hat irgendein Fan einen anderen "Fremden" einfach zu beschimpfen und zu beleidigen? Nur weil er irgendwas zwischen 10 und 50 Euro zahlt? Es machen natürlich nicht alle Fans aber leider viel zu viele!

Es war klar das es irgendwann zu so einer Situation wie heute mit Guerrero kommen wird. Viele Fans behandeln IHRE Spieler wie Maschinen, die nur weil sie viel Geld verdienen anders sein müssen! Geld verändert Menschen vielleicht, aber sie werden dadurch doch nicht unmenschlich!
Es ist echt verdammt schade zu sehen wie wenig die Gesellschaft aus dem Tod von Enke gelernt hat! Fussball ist einfach eine Nebensache und wenn man verliert oder irgendwas nicht passt, dann sollte man daran denken!
Natürlich hätte sich Guerrero nicht so verhalten dürfen, aber er ist gerade mal 26 und hat gerade erst eine sehr sehr schwere Zeit hinter sich! Anstatt ihr dann aufzubauen und ihm Kredit zu geben wird er und die ganze Manschaft nach 30 Minuten abgepfiffen! Ich bin echt froh das sich das bei Werder in den letzten Wochen verändert hat und die Fans mittlerweile fast komplett hinter der Manschaft stehen! Dafür werden wir ja auch meistens mit guten Leistungen belohnt! :)

Auch ein interessanter Diskussionsansatz:
Zitat von Tinga Fußballgott;974755:
Du hättest mal die Dortmunder gestern erleben müssen:

"Wir können meinetwegen verlieren, hauptsache Scheiße 04 gewinnt nicht!"

Rund 80% der Fangesänge gingen gegen den SO4, 10% gegen Werder und der Rest für Dortmund! Echt komisch!

Und wenn man gar nicht mehr weiß was man schreiben soll kann man immer noch diskutieren ob die hohen Eintritsgelder einem das Recht geben zu pfeifen und ob die Bestrafungen der Fans wie langjährige Stadionverbote überzogen oder immer noch nicht hart genug sind? Gerne kann das dann auch in Bezug gesetzt werden zu dem Verhalten von Guerrero der für sein deutlich schlimmeres Verhalten im Verhältnis zu den Bestrafungen der Fans vermutlich deutlich milder davon kommt.
 
Ne passt schon! Hatte auch schon drüber nachgedacht dafür nen eigenen Thread aufzumachen! Also für das Thema allgemein! Jetzt hat sich das ja erledigt! :D
 
Ich finde ja, dass viele der angesprochenen Probleme bereits zur Genüge im "Stimmung im Stadion"-Thread ausdiskutiert wurden, beispielsweise Pfiffe gegen die eigene Mannschaft oder ein zu hoher Anteil von Antigesängen.

Was die Randalierer aus Nürnberg, Köln und Berlin angeht, so sind diese Ausschreitungen natürlich auf jeden Fall zu verurteilen. Dennoch befürchte ich, dass der DFB im Zusammenspiel mit der Polizei mithilfe der jetzt in Kraft getretenen Maßnahmen den ersten Schritt zur Totaleinschränkung des Fußballfans eingeläutet hat. Das fängt mit den Auswärtsfahrern an, die wohl in nicht mehr allzu ferner Zeit nur noch personalisierte Tickets erhalten werden und vielleicht sogar zentriert anreisen müssen. Bis jetzt alles Zukunftsmusik, aber das dachte man ja auch von dem kompletten Ausschluss von Auswärtsfans als Bestrafung von Randale.
Und auch, wenn da solche potenzielle Straftäter in der Verantwortung stehen, das Problem von dieser Seite nicht noch auszuweiten, sollte man auch bedenken, dass der DFB und das Innenministerium hier völlig zu Unrecht pauschalisieren und Vorkehrungen in Erwägung ziehen, die absolut jeden Fußballfan in seiner Bewegungsfreiheit rund um das Spiel einschränken.

Was das Publikum in Hamburg angeht, so leiden die Spieler unter dem Diskurs, der dort nicht zuletzt aufgrund der Verantwortlichen existiert. Meisterschaft, Champions League, Top 20 in Europa, um diese Ziele ansatzweise erfüllen zu können, muss eine Gelassenheit und Geduld vorherrschen, wie sie da in den letzten Jahren nie lange genug vorhanden war. Beim Sprücheklopfen sind immer alle schnell da, aber wenn es mal auf die Unterstützung ankommt, fühlt sich auf einmal niemand mehr angesprochen (okay, das Problem kommt mir bekannt vor, aber nicht in dieser Form).
Dass Guerrero mit Flaschen wirft, ist sicher nicht die feine Art und wird hoffentlich auch noch entsprechend geahndet. Dennoch würde ich mir als selbsternannter Fan mal darüber Gedanken machen, was ich von den Spielern erwarte und wie ich mit ihnen umgehe, allzu fair kann es in dieser Situation nicht gewesen sein.
 
Es ist auffällig, daß sich bei schlechten oder zumindest weniger guten Leistungen vereinsübergreifend in den letzten Monaten eine Art Entfremdung zwischen Spielern und Publikum breitgemacht hat. Die Zungen bzw. die Finger zum Pfeiffen sitzen vergleichsweise locker und - was besonders bedenklich ist - selbst in den Fan-Kurven hat der Support für die eigenen Mannschaften stark nachgelassen, stattdessen hört man überwiegend Selbstfeiergejöhle oder Anti-Gesänge gegen andere Clubs.

Über die Ursachen dafür kann man nur spekulieren, aber ich denke, daß hier gerade eine Lawine auf den (deutschen) Fußball zurollt, von der man nicht weiß, ob sie zu stoppen ist: Der Fußball-Boom der letzten 20 Jahre sorgte dafür, daß auch weniger attraktive Spiele gut besucht waren/sind; dieses "mehr" an Interesse öffnete Geldquellen, aus zugigen Stadien wurden Event-Arenen aber diese Entwicklung hat auch die "Nebenwirkung", daß auch aufgrund der höheren Einnahmen auch porportional die Erwartungshaltungen stiegen, so daß schon kleine Rückschläge trotz des großen Konkurrenzdruck nicht so leicht von Teilen des Publikums akzeptiert werden.

Dies geht zu Lasten der Leidenschaft für den Fußball und den eigenen Verein und diese sinkende Leidenschaft wird durch die trendbedingte Überstättung mit dem Fußball forciert: Im TV werden freitags bis montags Partien aus der 1. und 2. Liga live gezeigt, selbst die 3. Liga hat da ihren Sendeplatz und von dienstags bis donnerstags werden alle Europapokalpartien deutscher Mannschaften live übbertragen, selbst wenn es sich bei dem Gegner um den Vizemeister einer ehemaligen Sowjetrepublik handelt. Viele Dinge haben ihren Reiz dadurch, daß sie nicht alltäglich sind, aber mit diesem täglichen Dosis verliert der Fußball sehr viel von seinem Reiz, so daß die Vorfreude auf einen Stadionbesuch (oder TV-Übertragung) getrübt ist und somit dieses wenn auch nur im Unterbewußtsein vorhandene Unbehagen schneller zu einer Unmutsäußerungen oder einer akustischen Abwendung vom Spielgeschehen verleitet.
 
Was das Publikum in Hamburg angeht, so leiden die Spieler unter dem Diskurs, der dort nicht zuletzt aufgrund der Verantwortlichen existiert. Meisterschaft, Champions League, Top 20 in Europa, um diese Ziele ansatzweise erfüllen zu können, muss eine Gelassenheit und Geduld vorherrschen, wie sie da in den letzten Jahren nie lange genug vorhanden war.

Überspizt formuliert steht der Top-20-in-Europa-Anspruch doch in der Vereinssatzung - will damit sagen, daß es beim HSV unabhängig von der jeweilgen Vereinsführung ein Selbstverständnis ist, ganz oben mit dabei zu sein. Anpruch und Realität klaffen beim HSV doch schon seit fast 25 Jahren auseinander.
 
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