Nach der Frustration gestern Abend und einen Tag drüber schlafen versuche ich es mal aus Perspektive Nord Oberrang:
Raphael Wolf 5
Kaum gefordert, aber auch ohne jede Bindung zum Spiel. Regelmäßig falsches Verhalten im und am Strafraum, steht auf der Linie, wenn er nahe Elfer eigentlich zupacken müsste und überlässt ansonsten den Verteidigern das Verteidigen. Läuft wenn die gesamte Mannschaft in Gegners Hälfte aufrückt weit raus, steht aber im Abstand trotzdem immer so, dass er auf langem Weg nicht angespielt werden kann. Seine Abschläge in der Regel hoch auf di Santo, der dafür ungeeignet ist und dessen Gegenspieler die Bälle mühelos wegköpfen oder alternativ halbhoch auf die Aussenseite, mit denen die Mannschaft (nachvollziehbarerweise) nix anfangen, da nicht kontrollieren kann, so dass Einwürfe für den Gegner herausspringen.
Bitte, bitte schenkt uns einen Torhüter, der das Spiel versteht.
Clemens Fritz 4
Kapitän ja, aber was soll er machen? Seine mäßige Spielintelligenz reicht zwar nicht, um entscheidend zu helfen, aber immerhin noch dazu, die Seite und den halben Raum im Gegensatz zu sämtlichen Mitspielern zu halten. Geht auch mal den langen Weg zurück, versucht zumindest zu blocken und Bälle zurück zu erobern sowie sich einzuschalten. Manchmal gelang es sogar.
Sebastian Prödl 6
Als Kopf der Abwehr heillos überfordert und nie in der Lage, auf die Nebenleute mit korrekten Anweisungen und Zuteilungen stabil einzuwirken. Teilweise war es in dem Spiel so, dass er sich selbst rausnahm und aus "Angst essen Seele auf" wie ein verkappter Libero der frühen 90er Jahre dahinter "agierte". Hebelte die eigene Viererkette aus, zunächst ohne Auswirkungen (außer einmal ca. 15. Minute), weil Köln nichts machen wollte. Man war die gesamte Spielzeit froh, dass der FC diese Schwäche erst in den letzten 20 Minuten erkannte..
Luca Caldirola 6
König der Stellungs- und Stockfehler und mit grauenhaftem technischem Zweikampfverhalten. Gegen ihn braucht sich ein Gegenspieler eigentlich nur richtig zwischen Mann und zum Ball zu stellen und die Chance, nach Zuspiel mit einfacher Bewegung vorbeizukommen, ist groß. Ihm musste man allerdings neben mangelnder Wettkampfpraxis das Fehlen eines Chefs dahinten zugutehalten, der ihn hätte in irgendeiner Form entlasten oder helfen können.
Alfonso Garcia 5,5
Keinerlei Timing und Gefühl für Raum und Zeit. Erschreckend die Art und Weise, wie Garcia zuverlässig zu tief steht, wenn das Spielgeschehen über seine Seite laufen kann oder zu hoch und nicht mitschiebt, wenn es rückwärts geht.
Alejandro Galvez 5
Mit Tempo und Physis in dieser Liga streckenweise überfordert, deshalb in einzelnen Szenen geistig zu langsam. Jedoch zwei, drei gute Steals und vor der Abwehr immer im Bemühen, Position und Abstände zu halten, in einer kopflosen Truppe allerdings zum "Schwimmen" quasi verurteilt.
Cedrik Makiadi 6
Wer ihn bei Werder derzeit spielen sieht, kann sich nicht erklären, wie Makiadi sich jemals in der BL durchsetzen konnte. Im Herbst 2014 ein Spieler ohne jede physischen Eigenschaften sowie ohne Übersicht und Gefühl für Spielsituationen. So bleibt einzig der Rückpass auf kurzem Weg oder Ballverlust. Mit solchen Auftritten für die BL, 2. BL und dritte Liga in Sachen Tempohärte völlig ungeeignet.
Zlatko Junuzovic 6
Unglaublich wie er es schaffte, in nahezu allen Situationen die falschen Wege und falschen Mittel zu wählen. Mit Ball konfus, ohne Ball grundverwirrt. Was bleibt, ist vordergründig Einsatzfreude, welche jedoch wegen der genannten Umstände komplett nutzlos ist.
Tim Bartels 4,5
Zeigt in dieser Liga analog Galvez noch die erwarteten Defizite, aber gerade deshalb in einer solch desaströsen Mannschaft nicht zu beneiden.
Izet Hajrovic 6
Verfügt über die geniale Fähigkeit, sowie Werder irgendwie in Ballbesitz kam, sofort entweder gänzlich von der Bildfläche zu verschwinden oder sich geschickt zwischen zwei oder drei Gegenspielern zu verstecken. Ist immer dort, wo das Spielgeschehen nicht stattfindet oder der Ball nicht hinkommen kann. Hatte er überhaupt 10 Ballkontakte? Naja, einer war immerhin am Pfosten.…
Franco Di Santo 4,5
Ohne Fortune und mit falschen Mitteln eingesetzt. Arm dran.
Einwechsler - ohne Worte
Robin Dutt 6
Gut, die Sache ist erledigt.
Mag das spielerische Grauen und die auf allen Ebenen fehlende Linie der Mannschaft auf dem Rasen noch teilweise der Verunsicherung geschuldet gewesen sein, so gibt es im Nachhinein drei Dinge, die mir am Ende richtig weh taten.
1.) Dass die Mannschaft von Anfang in Sachen Präsenz in Zweikämpfen und über die Physis keinerlei Zugriff auf Partie und Gegner bekam. Das müsste aber unabdingbar das erste im Abstiegskampf sein. Bitter.
2.) Dass jegliche und eigentlich als relativ normal anzusehende Grundlagen in Sachen Stellungsspiel, technischem Verhalten in gewissen Situationen oder Dynamik bei Spielern wie Caldirola, Galvez, Prödl oder Makiadi nach dem ersten Saisondrittel immer noch vollkommen fehlen.
3.) Dass die Spieler zwar gewillt wirken, aber nicht im Geringsten wissen, wie sie was spielen sollen, total orientierungslos daherkommen. Der Ballführende hat null Optionen außer einen schlecht getimten Pass auf den naheliegendsten Mitspieler. Der wiederum braucht (bzw. verliert) Zeit, um den schlecht gespielten Ball zu verarbeiten und spitzelt dadurch eine hilflose, weil aus der Not geborene Graupe zum Nächsten, der wiederrum unter Druck (klar, wenn die Gegenspieler so viel Zeit bekommen) gerät. Spätestens dann ist Schluss. Zeitweise sah das (bewusst übertrieben formuliert) aus wie bei F-Junioren, wo alle auf einen Haufen dorthin rennen, wo der Ball ist. Die ganze Mannschaft war außerstande, das Spielfeld mit Ball breit und ohne Ball eng zumachen. Es existierte auch nichtmal im Ansatz eine Grundordnung inklusive Abstände, die das erleichtert hätte. Furchtbar, einfach nur furchtbar.
Selbst gegen so eine biedere Truppe wie Köln, die nichts machen wollte und bloß die Ordnung halten musste. Das reichte.
Mindestens in den ersten beiden Punkten kann Skripnik auf jeden Fall ansetzen und auch relativ kurzfristig etwas bewirken. Das ist kein Hexenwerk und absolut trainier- und erlernbar