Zum Abschluss noch mal ein paar subjektiven Wahrnehmungen von mir zur MV insgesamt:
Stimmung, Anwesenheit und Auftreten der Verantwortlichen: Die Stimmung war mMn ziemlich gut und konstruktiv. Schade war, dass insgesamt vergleichsweise wenig Mitglieder vor Ort waren. Man hat den Verantwortlichen in Geschäftsführung und Geschäftsführendem Präsidium mMn deutlich angemerkt, dass sie gelöster und entspannter waren als letztes Jahr bei der MV nach dem Abstieg. Insgesamt fand ich es auch bemerkenswert, dass die Verantwortungsträger*innen sehr bodenständig auftreten und auch bereit sind für Gespräche mit Mitgliedern vor und nach der MV. Finde ich insgesamt sympathisch und nahbar und ist mMn nicht bei allen Vereinen so gegeben.
Der Bericht der GF war auch ganz okay, wobei ich Baumanns Beitrag greifbarer fand als Filbrys Vorstellung des „Spielplans 2025“, die aus meiner Sicht ziemlich vage blieb. Erinnerte ein wenig an eine Mischung aus Apple Produktvorstellung und TED Talk, denn so recht kam bei mir nicht rüber womit einige Worthülsen jetzt konkret gefüllt werden sollen („Wir müssen mehr Fan Centricity schaffen“). Ist aber vielleicht auch schwierig, das Gesamtkonzept in dem Rahmen der MV detailliert vorzustellen, aber so ganz schlau bin ich noch nicht, was jetzt genau geplant werden soll.
Auffällig fand ich, dass dieses Jahr wenige Ehemalige dabei waren. Letztes Jahr waren bspw. Manfred Müller, Jörg Wontorra, Tim Borowski vor Ort, um nur einige zu nennen. Bekannte Gesichter ehemaliger Verantwortlicher habe ich außer jenes von Andreas Hoetzel dieses Jahr nicht gesehen.
Wertschätzung: Bemerkenswert finde ich die hohe Wertschätzung, die bei der MV durch die Entscheidungsträger*innen ggü. Mitgliedern und Ehrenamtlich Tätigen immer wieder zum Ausdruck kam.

Die Ehrungen am Anfang waren sehr ausführlich und es gab starke Laudatio-Ansprachen durch Höfer, in der die Leistungen der zu Ehrenden gewürdigt wurden. Die Wertschätzung wurde auch insgesamt deutlich, bspw. auch durch die Freigetränke nach Versammlungsende und die Möglichkeit, noch im Foyer zu verweilen und sich auszutauschen. Das finde ich alles wirklich klasse.
Ein klein wenig weird fand ich einzig Teile der Laudatio von Hupe auf Höfer. Das klang für mich anfangs irgendwie ein wenig komisch und so, als hätte Höfer nur drauf gewartet, endlich ausscheiden zu können. Es wurde mehrfach erwähnt, wie sehr Höfer auf den Tag hingefiebert habe, dass Werder ja mittlerweile keine ganz so große Priorität mehr in seinem Leben habe wie damals und so weiter. Waren vielleicht nur ein paar sperrige Formulierungen, die ich überinterpretiere, aber fiel mir ein wenig auf. Zum Ende der Rede hat sich Hupe da aber gefangen und die großen und langjährigen Verdienste von Höfer noch gut aufzeigen können, der dann auch viel Applaus und Standing Ovations bekam. Passt also.
Strukturänderung: Die Strukturänderung finde ich nachvollziehbar. Ich finde es gut, dass so eine klarere Trennung zwischen e.V. und KG hergestellt wird und die Gefahr von Interessenkonflikten etwas gesenkt ist, aber dennoch der e.V. Mitspracherecht bei der Besetzung der GF besitzt und über die Entsendungen in den Aufsichtsrat eine wichtige Kontrollfunktion innehat. Die Idee und Genese der Satzungsänderung wurde auch gestern gut und schlüssig vorgetragen von Henning Hofmann aus der Strukturkommission. Ich fand es auch gut, dass das Thema frühzeitig kommuniziert wurde, u.a. bei den Abteilungsversammlung und beim Weder-Konvent vor ein paar Wochen diskutiert wurde. Trotzdem sehe ich durchaus Potential die Partizipationsmöglichkeiten der Mitglieder zu erhöhen. Die Abteilungsversammlungen sowie Werder-Konvent fanden alle in Bremen, teilweise auch unter der Woche statt. Weder hat jedoch auch tausende Mitglieder, die zum Teil weit weg von Bremen leben. In Zukunft könnte man daher mMn bei einer Satzungsänderung oder auch bei Kandidat*innenvorstellungen für Präsidium und Aufsichtsrat auch Online-Hearings/-diskussionen einrichten, um alle Mitglieder einzubeziehen.
Wahlverfahren: Ich finde das Wahlverfahren für das Geschäftsführende Präsidium in der bisherigen Form nicht ideal. Lasch hat sich als neue Kandidat*in zumindest ganz kurz vorgestellt, Hupe und Plaat hingegen gar nicht. Das war gar nicht vorgesehen und es gab auch keine Möglichkeit, den Kandidat*innen unmittelbar vor den Wahlen Fragen zu stellen. Das finde ich schade.
Natürlich sind Hupe und Plaat bestens im Verein bekannt, aber ich hätte von allen drei Kandidat*innen für das Präsidium gerne ein wenig zu ihrer Motivation für die Bewerbung um ihr Amt und zu ihren Plänen gehört. Das Amt des Präsidenten ist das höchste im e.V. und da finde ich es wichtig, dass die Wahl dann nicht einfach pro Forma schnell abgehakt wird. Darüber hinaus könnte man mMn auch überlegen, Wahlen zum Präsidium und zum Aufsichtsrat per se geheim und nicht öffentlich per Aufzeigen durchzuführen. Das führt meiner Meinung nach zu ehrlicheren Ergebnissen, als wenn man für alle und auch die Kandidat*innen sichtbar gegen deren Wahl aufzeigen muss. Das führt positiv gelesen dann bei guten Wahlergebnissen auch zu einer aussagekräftigeren Zustimmung für das Amt, finde ich. Dass geheime Wahlen auch bei Mitgliederversammlungen durchaus möglich sind, haben ja im Vorjahr die Wahlen zu Aufsichts- und Ehrenrat gezeigt.
Debattenkultur: Insgesamt fand ich das Plenum dieses Mal aber aufmerksamer und auf konstruktive Weise kritischer als letztes Jahr im Weserstadion, was viele gute Wortmeldungen und auch das Scheitern eines Änderungsantrags bei der Satzungsänderung (5 Jahre ununterbrochene ehrenamtliche Tätigkeit im Verein als Wählbarkeitsvoraussetzung für den Ehrenrat).
Manchmal war ich ein wenig erstaunt über vergleichsweise relativ viele Gegenstimmen oder Enthaltungen bei Abstimmungen, wenn vorher der Raum für Wortmeldungen explizit geöffnet wurde, aber niemand Argumente gegen den jeweiligen Vorschlag gebracht hat. Da würde ich mir von allen Mitgliedern wünschen, Kritik auch auf der MV zu benennen, denn vll. würden sich dann ja auch weitere Mitglieder überzeugen lassen von der jeweiligen Position. Kann aber natürlich auch daran liegen, dass ich vorherige Diskussionen auf Konvent und Abteilungsversammlungen verpasst habe.