Apell und Gedankenstütze an alle kritisierenden Fans

Dem Eingangspost kann ich in vielen Dingen nicht zustimmen. Ebenso einigen anderen vorangegangenen Meinungen. Insbesondere:

1. Die Theorie von der stärksten Liga
Dass die Bundesliga insgesamt stärker sein soll als andere Ligen, weil sie ausgeglichener ist, möchte ich einmal aus meiner Sicht widerlegen.
Zum einen zeigt das insbesondere der Europa-Cup. Denn es sind in den seltensten Fällen die von @GudeKumbel angesprochenen vier englischen Mannschaften,Real, Barca, Inter oder Juventus, gegen die die deutschen Mannschaften ausscheiden. Sondern manchmal Teams mit einem niedrigerem oder ähnlichem Etat, schlechter bezahlteren Spielern und einem mit weniger Nationalspielern besetzten Kader, an denen unsere Mannschaften, teils kläglich scheitern, in der CL, speziell aber im UEFA-Cup.
Was mir dabei besonders auffällt: BL-Teams scheitern insgesamt gesehen weniger an fehlenden fussballerischen Mitteln, sondern - um den Übergang zum zweiten Punkt zu bringen - an mangelnden taktischen Möglichkeiten. Und das nicht erst seit kurzem, mMn geht das schon seit ca. 10 Jahren so. Aber um bei den jüngsten Beispielen zu bleiben:
Stuttgart scheiterte an St. Petersburg, war im Rückspiel dominierend, im Hinspiel gleichwertig, verlor trotzdem zweimal. Ähnlich erging es Wolfsburg gegen Paris St.Germain. Insgesamt vier Niederlagen in Spielen, in denen VFB und VFL nicht schlechter waren. Aber: In puncto kompaktem Spiel, schnellem Umschalten, schnellem Direktspiel, zielstrebigem Abschluss zahlten beide wie viele deutsche Mannschaften in den Jahren zuvor wieder reichlich Lehrgeld. Paris wiederrum verlor in der Gruppe gegen Schalke, S04 dafür in Twente und gegen ManCity mit stümperhaftem, fehlerhaftem Auftreten und strich so die Segel. St. Petersburg dagegen flog nun gegen ein konterstarkes Udinese raus, die - sehr gut eingestellt - die Russen so mit ihren eigenen Waffen schlugen und schon Dortmund auf diese Weise rauskickten. Auch da hätte der BVB - beide Spiele zusammengenommen - weiterkommen müssen, wenn er denn etwas cleverer agiert hätte.
Ich will damit nur sagen, dass oftmals vielleicht nicht die schlechteren Spieler auf dem Platz den Ausschlag geben. Eine Debatte, die zuletzt ja auch Löw völlig zu Recht angeregt hatte. Obwohl die BL-Teams in den letzten Jahren ein wenig aufgeholt haben, aber vorher zu lange diesbezüglich geschludert hatten.
Warum z.Bsp. spanische Teams taktisch überlegen sind, lässt sich leicht an drei Beispielen unterlegen. Werders UEFA-Cup-Halbfinale 2007 in Barcelona gegen Espanyol, dem EM-Finale und Schalke`s Quali-Spiel in Madrid gegen Atletico. Dort war es mE jedesmal so, dass die deutschen Teams so lange mindestens gleichwertig waren, bis sie in Rückstand gerieten. Danach hatten sie kaum noch Torchancen, vor allem grosse Probleme, in Strafraumnähe den entscheidenen Pass spielen zu können. Diese drei Spiele - fand ich - liefen nahezu identisch und nicht ohne Grund so gegen spanische Mannschaften.
Und wie sagte Massimo Oddo letztens im Kicker-Interview: ,, Der Fussball hier ist verrückt, solche Ergebnisse 5:4,5:3,5:1 in dieser Häufigkeit gibt es in Italien nie. Da ist das Resultat das wichtigste." Ähnlich ist es in anderen Ligen beim Blick auf die Ergebnisse. Das, was die BL attraktiver macht, wird ihr international manchmal zum Verhängnis. Und somit gebe ich @GudeKumbel sogar Recht: Gute Spieler gibt es mMn in Deutschland fast genauso viele. Unsinn ist allerdings die Aussage, dass die Liga in ihrer Kompaktheit die stärkste ist.

2. Die Frage nach der Qualität des Werder-Kaders
Der Nationaltorwart Nr. 3 und die IV mit Merte, Naldo dürfte qualitativ über jede Diskussion erhaben sein. Fritz hat mit seinen Leistungen von 2006-Frühjahr 2008 zu Recht den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft. Routinier Pasanen hat oft gezeigt, dass er erste Alternative und zudem vielseitig sein kann. Mit Prödl haben wir ein nachdrängendes Talent, das auch andere Top-Klubs verpflichten wollten. Beide sind wichtige Stammspieler ihrer Nationalteams. Dann das Mittelfeld: Diego, Özil, Baumann, Frings, Jensen haben alle in Normalform internationales Format. Dazu mit Tziolis, der gerade erst 24 geworden ist, ein griechischer Nationalspieler mit CL-Erfahrung, der den Pass in die Tiefe spielen kann und ein gutes Auge hat. Er wird sich noch entwickeln. U21 Nati-Akteur Aaron Hunt hat als Jungspund 2006/2007 an der Seite von Klose bewiesen, was er kann. Und Niemeyer hat, wenn er spielte, durchaus Bundesliga-Format gezeigt.
Wir diskutieren über den Sturm? Nur mal erinnert: Letzte Saison hatten wir keinen Pizarro, aber Rosenberg, Almeida, Sanogo haben dennoch 35 Tore im besten Bundesligasturm erzielt.
Ebenso nicht nachvollziehen kann ich die Einwürfe über die Spieler, die weggegangen sind. Wome war ein 3/4 Jahr solide bis stark, hat letzte Saison nicht gespielt. Ähnlich Owomoyela. Borowski war seit der WM 06 auf der Suche nach seiner Form, meist verletzt und kam erstmals wieder im Schlussspurt 08 in die Gänge. Klasnic bestritt - glaube ich - keine 15 Spiele.
Ich gehe soweit zu behaupten - einen besseren Kader haben Stuttgart, Schalke oder Hamburg keinesfalls, schon gar nicht Hertha, Hoffenheim oder Dortmund. Inwieweit Wolfsburg die Klasse hat, müssen sie erst über einen längeren Zeitraum beweisen. Abgesehen davon hat keiner der genannten im Direktvergleich gegen Werder einen Stich gemacht. Hertha, Bayern und Hoffenheim haben 5 Stück eingeschenkt bekommen. Und die bis dato stärksten Rückrundenteams Wolfsburg und Stuttgart? Haben die nicht ein einziges Mal in 2009 verloren, das aber gleich mit 0:4 und 2:5 gegen Werder?
Nun dem Thomas Schaaf die Schuld zu geben an der Misere, wäre allerdings auch zu einfach, wenngleich da eine gewisse Teilschuld nicht von der Hand zu weisen ist. Doch schließlich haben viele, wenn nicht nahezu alle der Werder-Akteure erst unter TS diese Klasse gezeigt. Letzlich liegen die Ursachen tiefgründiger, wie:

3. Eine schlechte Saison - normaler Durchhänger oder mehr?
Überhaupt nicht konform gehe ich mit der Aussage, dass ja 9 Mannschaften immer auf 3 Plätzen stehen müssten und Werder diesmal eben nicht dabei ist. Damit werden mir viel zu einfach Dinge als völlig normal beiseite geschoben.
Das alles wäre kein Beinbruch, wenn die Probleme so rein zufällig vorkommen würden, wie bei einem Team, das in Schwierigkeiten gerät, weil Formkrisen und Verletzungen zu einem so noch nicht gekanntem Leistungstief führen. Aber TS & Co. bekommen bspw. die Ergebniskrise nach der Winterpause seit 10 Jahren nicht in den Griff, weswegen die Frage bleibt, wo die Lösungsansätze liegen könnten und ob das tatsächlich ernsthaft im Verein hinreichend analysiert wird. Dazu ein altes Zitat:

Weil aber diesmal aus der Hinrunde nicht genügend Punkte gesammelt wurden, führte uns die normale Rückrundenbilanz diesmal auf Platz 10.
Eine Sturheit als gelebte Tradition, das Festhalten an der Art zu spielen (naiver Offensivfussball, Kontergegentore) als auch die Außendarstellung (Politik der grossen Ruhe) - alles im Sinne der Kontinuität. Wollen wir das nicht schon wieder aufwärmen.... Aber allein deshalb lege ich klar mein Veto ein zur Aussage von @GudeKumbel.
Doch nun - es hat ein Umdenken gegeben:
Etwa seit dem Schalke-Spiel schafft es Werder in den meisten Partien, aus einer kompakten Defensive heraus zu agieren, in einer Form und gleich über mehrere Spiele, die ich in TS`s Amtszeit noch nicht erlebt habe. Weil (scheinbar?) doch der Zwang von letztlich fehlenden Ergebnissen und einer kaum noch zu kittenden BL-Saison nun doch zu einer Tiefenenanalyse geführt hat. Schade nur, dass das nicht schon 2007 geschehen ist, dann hätte Werder höchstwahrscheinlich eine Meisterschaft mehr in der Referenzliste.

@666_Werder
So geht es mir auch. Ich bin zu lange (seit 1986,schon als Kind) Werder-Anhänger, deshalb mache ich mir meine Gedanken. Was sollte falsch daran sein, nicht im Chor zu singen - 100% Zustimmung - alles gut - wenn es so mMn nicht ist? Nichtsdestotrotz habe ich Hochachtung vor dem, was KATS und alle, die dazugehören in den letzten Jahren auf die Beine gestellt haben. Aber gerade deshalb sind wir Fans ja bestrebt, das noch länger zu erleben und suchen nach Ansatzpunkten einer konstruktiven Kritik.

Ich kann dir in einigen Punkten recht geben. Nur im Bezug auf die Qualität des Kaders widerspreche ich dir. Insbesondere finde ich deine Beurteilung der Qualität von Prödel, Pasanen, Tziolis, Almeida und Rosenberg nicht zutreffend.

Sie sind für mich nur Mittelklasse und haben nur ein paar mal lichte Momente. Es müsste gerade anders herum sein. Um Top zu sein, muss man seine Leistung beständig bringen und kann mal einen Durchhänger haben. Insgesamt reicht der Kader nicht für Platz 1-3. Pasanen ist ganz OK. Nur gegen große Teams wird er oft schwindelig gespielt. Für mich fehlen einigen Spielern der ersten Elf 10-20% um wirklich Top zu sein.

Insgesamt fehlen mir noch zwei wirklich klasse Spieler die das Werderspiel noch unberechenbarer machen und für noch größere Dynamik sorgen.

Dennoch finde ich das du insbesondere zum Thema "Fan sein" unbedingt recht hast. Ich bin seit 1982 Fan und bin auch wegen Werder aus dem Rhein Main Gebiet nach Bremen gezogen. Ich hab mit Werder schon alles erlebt und lasse mir von irgendwelche Jungspunden nicht vorwerfen ich wäre nur Erfolsfan. Das ist lächerlich.
 
Fazit:
Nominell sind wir in der Tat gut aufgestellt, insofern sind Abstiegsängste oder ein nachhaltiges Abrutschen ins Mittelmaß auch in meinen Augen völlig überzogene Szenarien. Dennoch muss man in der kommenden Transferperiode aufpassen, dass man rechtzeitig Korrekturen vornimmt - sonst kann es tatsächlich mal zu spät sein. Denn zwei Dinge zeigen sich in dieser Saison: Zum einen haben wir mit weniger Verletzungspech zu kämpfen gehabt als in den vergangenen beiden Spielzeiten, können diese jetzt aber wesentlich weniger erfolgreich kompensieren. Zum anderen wissen wir nun, dass man derzeit Formschwächen von mehreren Leistungsträgern gleichzeitig nicht 1:1 ausgleichen kann, sondern stark an Qualität einbüßen. All das war in den letzten Jahren durch eine sukzessiv verbesserte Kaderqualität besser möglich - nun haben uns 4 gute Spieler verlassen, die ohne entsprechende Transfererlöse für uns nicht zu ersetzen sind.

Dennoch kann ich dem Beitrag von GudeKumbel eine Menge abgewinnen, denn mit der hier teilweise zu lesenden überzogenen Kritik, der Erwartungshaltung und auch den Szenarien für die Zukunft bin ich teilweise auch nicht einverstanden. Dennoch darf man nicht die Scheuklappen aufsetzen und die Dinge ignorieren, die man nun im Sommer anpacken kann bzw. sogar muss.
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:lol:

Auf so eine Reaktion hab ich nur gewartet. Aber ich will mich nicht auf die gleiche Stufe stellen wie du und reagiere mit Argumenten.

1. Letzte Saison hat werder am Limit gespielt. Das lässt sich nicht so leicht wiederholen. Um höher zu komemn, muss der Einsatz immer stimmen. Nicht nur jedes zweite mal. Das es nicht immer gut laufeb kann ist klar, auch wenn der Einsatz stimmt. Aber dann kann man auch mal ein Spiel mit individueller Klasse entscheiden. Nur davon hat Werder zu wenig. Das meine ich, mit ein wenig mehr Bayern. Auch denke ich, dass das Bremer Umfeld nicht immer gut ist, Leistung hervorzurufen. Ruhe zu bewahren ist in einigen Situationen auch eine gute Kösung. Es gibt aber auch Situationen, in denen einfach mal der Baum brenenn muss. Der Druck, der in München entsteht, wenn die Mannschaft zwei mal verliert, ist auch gut, um Leistung hervorzurufen, um die letzten 5-10 Prozent heraus zu kitzeln. Eine Möglichkeit, mehr Druck auf die Spieler auszuüben, ist der Konkurentskampf in der Mannschaft. Nur da sehe ich bei Werder schwarz. Da ist einfach insgesamt zu wenig Klasse im Kader. Auch mit weniger geld kann man einen sehr guten Kader zusammenstellen.

Die andere Möflichkeit Druck aufzubauen, ist über den Trainer und den manager. Im Kder fehlt die Disziplin. Ein Guardiola in Barcelona verlangt 100 € pro Minute, wenn ein Spieler zu spät zum Training erscheint. VON ALLEN!!!

Was er verlangt, wenn einer gar nicht kommt, das wage ich mir gar nicht auszumalen. Werder muss das Schiff rumreißen. Das ist mit dem Dornrößchenschlaf nicht möglich.

Ich würde es gut finden, wenn Werder sich von den Bayern etwas abguckt und trotzdem bei seinen Wurzeln bleibt. Was ist so schlimm daran, sich etwas vom Klassenprimus anzugucken? Nicht nach links und rechts zu gucken zeugt von eingebildetheit.

PS: ach übrigens, wer ist wir? Du Zuhause mit deinen Freunden? Deine Kumpels oder der ganze SV Werder? Woher weißt du, was die 30 Tausend Mitglieder und die vielen fans ALLE denken? Du kennst viele die deiner Meinung sind und ich kenne viele die meiner Meinung sind. Also maß dir nicht an, den ganzen SW-Werder zu vertreteten. Das zeugt von überheblichkeit.

:applaus::applaus::applaus:
so siehts aus:beer:
 
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