Zynisch formuliert macht eine Diskussion über den jeweiligen Werder-Trainer inzwischen nicht nur wenig, sondern überhaupt keinen Sinn mehr. Denn letztlich scheint es fast egal zu sein, wie der Trainer heißt, welche Philosophie er mitbringt oder wie die Mannschaft unter seiner Verantwortung performt.
Das ist tatsächlich schon sehr zynisch, da wir ja gesehen haben welchen Unterschied ein Trainer ausmachen kann. Allerdings nur rein sportlich betrachtet. Finanziell war Ole Werner keine Bereicherung, da er die Strategie des Vereins nicht umsetzen konnte. Dieselben "Probleme" hat man mit ihm ja auch in Leipzig.
Daniel Thioune ist bereits der siebte Werder-Cheftrainer innerhalb von nur zehn Jahren. Zur Einordnung: Einen ähnlichen Verschleiß auf dieser Position gab es bei Werder zuletzt in den 1970er Jahren. Viele von uns waren damals noch gar nicht geboren bzw. sind zu der Zeit noch mit einer Plastiktrompete um den mit viel Lametta behängten Weihnachtsbaum gelaufen. Und dennoch folgte auch die Verpflichtung von DT wieder exakt dem immer gleichen Schnittmuster — nicht nach Aenne Burda, sondern dem von Werder Bremen: jung, entwicklungsfähig, modern auftretend, aber ohne nennenswerte Erstliga- bzw. bestenfalls mit überschaubarer Zweitliga-Erfahrung als Cheftrainer.
Kann man auf verschiedene Weisen interpretieren. Wie du ja weißt, ich sehe die Entwicklung von Werder eher in Phasen, nicht in einem großen Ganzen der Erfolglosigkeit. Macht für mich auch wenig Sinn, denn dann kann auch gleich bis 1899 zurückblicken in der Ursachenforschung. Letztendlich resultiert alles bei Werder aus vergangenen Erfolgen, Entscheidungen, etc., nicht nur die letzten 20 Jahre.
Daher bin ich eher bei kurzen Phasen, die man thematisch trennen kann, z.B. Double-Ära (1999-2010), Niedergangs-Ära (2010-2021), Neuaufbau-Ära (2021-heute).
Wenn ich mir das so anschaue, hatten wir mit Anfang, Werner, Steffen und Thioune 4 Trainer in 6 Jahren, von denen nur einer aufgrund von Erfolglosigkeit geflogen ist und einer aufgrund eines gefälschten Impfpasses. In dem Sinne hatten wir nur einen Trainer-Fehlgriff, der dafür umso wilder. Thioune ist hier noch aus der Wertung, da er ja auch noch da ist und wir nicht wissen wohin die Reise mit ihm geht.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, welcher Trainer der richtige ist. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, warum Werder seit Jahren immer wieder dieselbe Art von Trainer sucht — und anschließend überrascht wirkt, wenn dieselben Probleme erneut auftreten?
Ist dem denn so? Ich finde gerade bei Anfang, Werner, Steffen und Thioune sind die Profile doch sehr verschieden. Ich wüsste gar nicht wo da groß Gemeinsamkeiten wären. Wobei ich da bei Thioune noch keine Ahnung habe. Er durfte ja noch nicht so spielen lassen wie er gerne würde.
Offensiver Markenkern, okay. Aber keiner der Trainer hat davon jetzt wirklich viel gezeigt.
Und vielleicht noch grundsätzlicher: Ist der Kader sportlich wie charakterlich überhaupt so aufgestellt, dass Abstiegsgefahr eigentlich kein Thema sein dürfte? Oder hat man sich in Bremen über Jahre hinweg eine eigene Realität eingeredet, die mit der tatsächlichen Qualität des Vereins immer weniger zu tun hatte?
Da habe ich eine klare Meinung zu. Die Jahre unter OW war es ohne Frage definitiv so. Wir waren ja nie in Abstiegsnot.
Vor der jetzigen Saison habe ich gesagt, dass durch den Trainerwechsel und den schlechteren Kader maximal 40-45 Punkte drin sein würden, aber kein Abstiegskampf. Das war rein auf den Kader bezogen, da ich Steffen nicht einschätzen konnte. Der Kader war und ist für mich definitiv kein Kader, der klar im Abstiegskampf stecken müsste.
Ich denke auch, dass wir mit einem anderen Trainer über die Saison in stabilen Fahrwassern geblieben wären und halt am Ende irgendwo bei um die 40-45 Punkten gelandet wären.
Beweisen kann ich es nicht, aber für mich war Steffen halt eine Katastrophe und bestenfalls gut für 15-20 Punkte. Er hat stark davon profitiert, dass am Anfang der Saison 15 Punkte eingefahren wurden, die eigentlich völlig unverdient waren, Gladbach und Leverkusen mal außen vor (aber die waren auch unendlich schlecht). Eigentlich hätten wir nach 10 Spieltagen mit 4-5 Punkten da stehen müssen und nach 22 Spieltagen mit höchstens 10. So war die Leistung der Mannschaft unter Steffen.
Der Kader aber ist für mich schon deutlich stärker als das. Wir sind jetzt bei 32 Punkten und ich denke, dass mit Thioune über die gesamte Saison auch 40+ machbar gewesen wären, mehr aber auch nicht.