Kreiszeitung Syke:
Nach Abstieg in die 2. Liga
Klaus Filbry kritisiert Ex-Werder-Coach Florian Kohfeldt
Bremen - Natürlich konnte er es an diesem bitterkalten Abend, ein Mittwoch, Anfang März, noch nicht ahnen. Wer konnte das schon? Werder Bremen hatte soeben einen enorm wichtigen 2:0-Auswärtserfolg im Nachholspiel bei Arminia Bielefeld eingefahren, weshalb die Abstiegssorgen unglaublich weit entfernt, ja eigentlich schon überwunden schienen. Und sich Trainer Florian Kohfeldt, im Nachhinein betrachtet, zu einer gefährlichen Aussage hinreißen ließ. „Ab jetzt geht es darum, die nächsten Monate besseren Fußball zu spielen“, sagte der 38-Jährige in einer kleinen Medienrunde auf der zugigen Tribünentreppe.
Seine Mannschaft sei zu diesem Schritt bereit. Ein Trugschluss, wie sich herausstellen sollte, ein folgenschwerer obendrein. Werder hat danach kein Spiel mehr gewonnen und stieg in die 2. Bundesliga ab. Wer sich also auf die Suche nach der Bruchstelle einer doch lange Zeit zumindest soliden Bremer Saison, sprich nach dem Kipp-Punkt der kohfeldt‘schen Amtszeit macht, der landet unweigerlich in Ostwestfalen. Bei Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry ist das nicht anders. Zwei Wochen nach dem Abstieg ist der 54-Jährige nun der Erste aus dem Verein, der öffentlich Kritik am Ex-Trainer Florian Kohfeldt äußert.
Werder Bremen: Klaus Filbry kritisiert Florian Kohfeldt - „Das würde ich in der Rückschau anders machen“
„Ich glaube, das Schlüsselerlebnis für alle Beteiligten im Sportbereich war die Situation nach dem Bielefeld-Spiel, die so interpretiert wurde, dass man fortan wieder einen anderen Fußball spielen kann, etwas offensiver ausgerichtet, und damit auch die Stabilität vernachlässigt wurde“, sagte Klaus Filbry am Freitagabend in der Sendung „Academy Talk“ des Regionalfernsehsenders Regio TV. Während des Auswärtsspiels in Stuttgart (0:1) sei die Mannschaft einige Wochen später beispielsweise „zu offensiv ausgerichtet“ angetreten. „Das würde ich in der Rückschau anders machen – wirklich diese Sensibilität zu haben, erst durch zu sein, wenn man durch ist. Und bis dahin das Bewährte zu bewahren. Das war für uns die Stabilität über die gesamte Saison“, sagte Filbry - und hielt fest: „Die haben wir nach dem Bielefeld-Spiel ein bisschen aufgegeben.“
Die elf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, die Werder Bremen nach dem Sieg gegen die Arminia noch gehabt hatte, waren am vorletzten Spieltag beim FC Augsburg komplett aufgebraucht. Nach der 0:2-Niederlage musste Florian Kohfeldt dann gehen. Klaus Filbry erkennt in der Partie rückblickend „einen ganz elementaren Fehler“ und führte aus: „Als wir die Elf-gegen-Zehn-Situation hatten und bis zur Halbzeit eine Gelbe Karte gegen unseren Sechser, da hätten wir einfach reagieren müssen, weil es eine aufgeheizte Stimmung war in Augsburg. Dort hätten wir auswechseln müssen, um die Gelb-Rote Karte, die dann in der 54. Minute kam, zu vermeiden.“ In der Tat war die Partie nach dem Platzverweis gegen Christian Groß in Augsburgs Richtung gekippt. Filbry hielt fest: „Das war auch so ein Schlüsselerlebnis, von dem ich glaube, dass man einige Sachen hätte besser machen können.“
Ein Fan von Filbry bin ich nicht, aber mit seinen Aussagen trifft er genau auch meine Meinung.