WOW, ich hätte es nicht für möglich gehalten, das ich mal jedes Wort in einem Beitrag von Dir teilen werde...
Tja, da kannst Du mal sehen... Warst nicht u. a. Du es auch, der meinte, ich würde alle Maßnahmen, ohne zu hinterfragen, gutheißen? Wenn ja, vielleicht einfach mal darüber nachdenken, was man wem unterstellt, den man nicht persönlich kennt. Wenn nein, sorry dafür, dass ich Dich mit auf die Liste derjenigen gesetzt habe.
Sehe es absolut genauso, manches erscheint mir reiner Aktionismus zu sein. Ergänzend zu Deinen Beispielen füge ich noch Schwimmbäder/Thermen und vor allem Hotels dazu. Ich habe in den letzten Monaten einige von diesen besucht und war sehr, sehr angetan von deren Hygienekonzepte/Regeln. Und auch Studien/Tests haben klar aufgezeigt, wie gering das Infizierungsrisiko gerade in Thermen ist.
Zu Thermen kann ich nichts beitragen. Für das eine Hotel, in dem ich nach dem Lockdown war, stimme ich Dir zu. Allerdings finde ich es spannend, dass Du in Sachen Hotels und Therme die Hygienekonzepte positiv wertest, denn diese umfassen sowohl im Hotel als auch, wenn ich richtig informiert bin, in bestimmten Teilen von Thermen das Tragen von Masken, das Du doch, wenn ich Dich bisher richtig verstanden hast, soweit es geht, meidest oder missachtest, wenn Dir der Gegenüber die Möglichkeit dazu bietet. Ebenso gehört zu den Hygienekonzepten die Angabe richtiger Daten zur Kontaktnachverfolgung, für die Du bei bestimmten Personengruppen nachvollziehen kannst, dass sie sie verweigern. Letzteres könnte mMn, da häufig dort, wo möglich, geschehen (Restaurants, Therme etc.) zu den jetzigen Maßnahmen beigetragen haben.
Stichwort Studien: Das ist für mich ein entscheidender Punkt. Ich hätte erwartet, dass man, bevor man derartige Maßnahmen beschließt, sämtliche Daten auswertet, die man hat. Sprich, dass man prüft, welche Infektionsherde sich primär aus der Kontaktnachverfolgung, die ja, soweit möglich, durchgeführt wurde, ergeben haben, und dass man konkret genau dort ansetzt. Dass das geschehen ist, kann ich nicht erkennen. Wenn es geschehen ist, sollte man das dringend veröffentlichen, um die Maßnahmen für die Bevölkerung nachvollziehbar und verständlich zu machen. Mich würde interessieren, wie viele Infektionen sich prozentual auf die Besuche von Restaurants, Hotels, Thermen, Museen etc. zurückführen lassen. Bei den Einrichtungen, in denen ich nach dem Lockdown war, kann ich mir keine vorstellen. Und wenn es dann doch einmal dazu gekommen sein sollte, würde mich interessieren, wie hoch der Anteil der nicht korrekten Daten tatsächlich war.
Schließungen von Kneipen, Bars, Discotheken halte ich dagegen für unvermeidbar, auch wenn hier sicherlich einige betroffen sein werden, die sehr gute Hygienekonzepte hatten.

Da wird es dem Wirt mMn in der Regel nicht durchgehend gelingen, selbst wenn begrenzte Personenzahlen in der Einrichtung eingehalten werden, die Abstandseinhaltung zu prüfen und durchzusetzen.
Für mich unnötig und überflüssig werden wieder Bereiche wirtschaftlich erheblich geschwächt, die eh schon am meisten gebeutelt waren. Da ändern auch die angekündigten 10 Milliarden Hilfe vom Bund (für mich eher vom Steuerzahler) nur wenig daran. Und fast schon als Frechheit bezeichne ich, das vor kurzem noch z.B. Restaurants zum investieren in die Außengastronomie (z.B. in Heizstrahler, Zelte etc.) geradezu aufgefordert wurden. Die sitzen jetzt auch noch auf diesen Kosten. Man braucht kein Hellseher zu sein, um ein Restaurant- und vor allem Hotelsterben in nächster Zeit vorauszusagen.
Es sei denn, es gibt tatsächlich belastbare Daten, dass diese Einrichtungen signifikante Infektionsherde sind. In dem Fall wäre die Schließung für mich nachvollziehbar. Gehört oder gelesen habe ich dergleichen jedoch in den vergangenen Monaten nicht.
Viel entscheidender bei der Pandemiebekämpfung sind für mich die privaten Kontakte. Die hätte man schon viel früher viel deutlicher angehen müssen. Die jetzige Regel mit max. 10 Personen aus max. zwei Haushalten geht mir sogar immer noch nicht weit genug. Allerdings ist mir auch klar, das man diese Kontakte im heimischen Bereich nicht kontrollieren kann. Die Forderung von Lauterbach heute morgen, solche Kontrollen zu erlauben, halte ich -harmlos ausgedrückt- für eine Kriegserklärung an das eigene Volk. Absurd, völlig absurd, so etwas zu fordern. Ist der sich überhaupt klar darüber, WAS er da fordert?
Dass die Polizei klingelt, wenn es berechtigte Hinweise auf eine Party, Feier etc. gibt, finde ich okay, alles andere nicht. Nur ist bei einer derartigen Handhabung auch klar, dass die Regel de facto ein zahnloser Tiger, denn wenn Leute irgendwo in Scheunen, Garagen etc. im Nirgendwo feiern, werden diese Feiern vermutlich nicht auffallen.
Hier kann man wirklich nur etwas mit appelieren und mit Vertrauen bilden erreichen. Und mal ehrlich: Ist es verdammt nochmal wirklich so schwierig, mal im tristen Monat November mit dem Ups, ich muss meine Wortwahl ändern

zuhause zu bleiben und sich dort mit schönen Dingen zu beschäftigen? Mein Gott, wir leben doch zudem in einer Zeit, wo man über die verschiedensten Medien kostenlos Kontakt halten kann. Ist das wirklich zuviel verlangt?
Bei Deinem ersten Satz habe ich herzlich gelacht, nicht wegen des Inhaltes, sondern, weil Du ihn verfasst hast. Von vielen anderen hätte ich eine solche Aussage erwartet, aber nicht von Dir, der in Sachen Maskenpflicht und Datenangabe Regelverstöße befürwortet, toleriert oder mitmacht. Hätten bei Dir Appelle gefruchtet? Ich glaube kaum. Das dann bei anderen zu erwarten, entbehrt mMn nicht einer gewissen Komik. Dazu kommt, dass "im tristen Monat November mit dem Ups, ich muss meine Wortwahl ändern

zuhause" bleiben nicht so einfach ist, wie Du denkst. Gerade weil der November häufig ein trister Monat ist, macht er insbesondere Personen mit, aber vor allem auch ohne Familie, mit (Winter)depressionen schwer zu schaffen. Da sind Begegnungen und Freizeitaktivitäten hilfreich und wichtig. Kein Medium ersetzt realen Kontakt. Von daher ist das, was Du so platt verlangst, für viele eine echte Herausforderung, die sie an ihre psychischen Grenzen bringt. Im Frühjahr war das Wetter gut, und es war deutlich länger hell als jetzt. Daher erwarte ich, dass diese vier Wochen mit keinen bzw. kaum sozialen Kontakten jetzt gravierendere psychische Folgen für viele nach sich ziehen werden als der Lockdown im Frühjahr. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund hätte ich Regelungen wie, Gastronomie, Museen etc. auf, aber es dürfen entweder a) nur bis zu vier Personen aus zwei Haushalten oder b) ein Haushalt mit mehr als vier Personen zusammen hingehen, sinnvoll gefunden (sofern keine Fakten in Sachen Infektionsherde, siehe oben, dagegen sprechen).
Kurz noch zu den Schulen: Grundsätzlich bin ich klar dafür, diese so lange wie nur möglich offen zu halten. Allerdings gehen mir die dortigen Schutzmaßnahmen nicht weit genug, hier befürchte ich, das dort bald die Infiziertenzahlen deutlich nach oben gehen werden. Die beste Lösung wäre für mich Halbierung der Klassen und damit Halbierung des Präsenzunterrichts, die andere Hälfte dann Homeschooling. In dem Bereich sind uns viele andere Länder voraus.
Als mindestes sollte man aber endlich mal Plexischeiben in der Schultischmitte anbringen, das kostet nun wirklich nicht die Welt. Und auch die teilweise völlig überfüllten Schulbusse lassen sich vermeiden, in dem man deren Zahl erhöht.
Ich glaube auch, dass Schulen und Kitas relevante Infektionsherde sind und finde Deine Ideen richtig, sie sind jedoch kaum umsetzbar. Nicht alle Eltern können Homeschooling ableisten, sei es intellektuell oder mit Blick auf ihre berufliche Situation. Selbst wenn jemand im Homeoffice arbeitet, kommt er mit der parallelen Kinderbetreuung an seine psychischen Belastbarkeitsgrenzen (ich habe das bei diversen Kollegen und Freunden verfolgt). Viele andere haben die Möglichkeit erst gar nicht, von zu Hause zu arbeiten, und können ihre Kinder daher gar nicht zu Hause betreuen. Auch das Thema Busse ist nicht mal eben zu ändern. Neulich war eine Sprecherin der Stadtwerke Dortmund zu dem Thema in einem Radiointerview. Allein in Dortmund bräuchte man 850 Busse - und Fahrer - zusätzlich, um Corona-Abstände in Schulbussen einhalten zu können. Wo sollen die herkommen? Sprich, ich fürchte, mit dem Problem und den Infektionsrisiken werden wir aktuell leben müssen, aber es müssen schon jetzt längerfristige Lösungen angestoßen werden, die nächste Pandemie kommt bestimmt.
Was die Zahlen, die Statistiken betrifft: Man sollte sich endlich an den wichtigsten Zahlen orientieren, nämlich an denen der Krankenhaus- und Intensivbelegungen durch Coronakranke!
Wie stellst Du Dir das vor? Niemand weiß, wie sich die Zahlen entwickeln. Und wenn man da falsche Annahmen trifft, kommt man ggf. in die Lage, dass die Betten nicht mehr reichen. Eine Freundin von mir arbeitet hier in einem Krankenhaus, dort hat sich die Zahl der Patienten, die auf der Intensivstation zu Corona behandelt werden mussten, binnen einer Woche verdoppelt. Noch verkraftbar, sollte das aber in den kommenden Wochen mit einer ähnlichen Steigerung weitergehen, sehr schnell nicht mehr zu managen. Das wird aber von Krankenhaus zu Krankenhaus, von Ort zu Ort und von Region zu Region verschieden sein. Was ich allerdings wichtig fände, ist eine Veröffentlichung der Zahl der belegten Betten in kurzen, regelmäßigen Abständen, damit für alle sichtbar wird, in welche Richtung wir uns bewegen.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob die jetzt getroffenen Maßnahmen so signifikant wirken wie erhofft und bezweifle es, weil ich nicht glaube, dass die jetzt geschlossenen Einrichtungen, von Ausnahmen abgesehen, die wesentlichen Infektionstreiber sind. Ob ich mit der Vermutung richtig liege, wird die Zeit zeigen.
Was mich zusätzlich mit Blick auf die getroffenen Maßnahmen stört ist, dass bestimmte andere bekannte Infektionsherde, die man eindämmen könnte, gar nicht in den Maßnahmen auftauchen. Auch nach dem Tönnies-Skandal waren bis zuletzt diverse Schlachthöfe Infektionsherde, u. a. mit der Konsequenz dass der ländliche Landkreis Emsland dadurch zum Hot Spot wurde. Wurde darüber gesprochen? Nein. Sind ggf. andere Großbetriebe als Infektionsherde identifiziert worden? Wenn ja, kommt davon wenig an die Öffentlichkeit. In Düsseldorf weiß ich es z. B. von einem Mercedeswerk vor ein paar Wochen. Auch hier müsste man ansetzen, aber für diese Bereiche wird es vermutlich eine stärkere Lobby geben als für Gastronomie & Co., die Einschränkungen zu verhindern weiß.
Und zum Schluß noch kurz zum Thema Klimapolitik. Die interessiert zur Zeit gefühlt niemanden mehr. Mit fatalen Folgen. Wir stehen nämlich nicht vor einer Klimakatastrophe sondern sind bereits drin, weil wir sie nicht mehr abwenden können. Und die Auswirkungen und Folgen der Klimakatastrophe werden um ein vielfaches größer sein als die der Coronapandemie!
MMn kann man beides nicht miteinander vergleichen, und ich wüsste auch nicht, welchen Sinn ein solcher Vergleich hätte.