Ein Argument für die Einführung der Gemeinschaftsschule war ja, dass die Hauptschüler kaum noch Chancen hatten, in den Arbeitsmarkt zu kommen.
Man wollte also die Hauptschulen abschaffen.
Was jeder, der ein bisschen Verstand mitbringt, erahnen konnte, ist dann auch eingetreten: Es wurden nicht die Hauptschulen abgeschafft, sondern die Realschulen. Die Hauptschulen existieren weiter, sie heißen heute Gemeinschaftsschulen. Die Realschulen sind verschwunden. Die Realschüler von einst werden auf dem Gymnasium angemeldet.
Ich weiß, es ist eine etwas zugespitzte Analyse. Aber ganz von der Hand zu weisen ist das nicht.
Von Realschulniveau ist die Gemeinschaftsschule weiter entfernt, als die Realschule es jemals vom Gymnasium war.
Längeres gemeinsames Lernen bis zur 9. Klasse führt leider nicht dazu, dass ein Mitreißeffekt eintritt, ganz im Gegenteil.
Das Niveau ist unterirdisch. In der 10. Klasse hat man dann meist wirklich willige Schüler, die einen MSA anstreben.
Aber wer noch die Realschule miterlebt hat, muss spätestens beim Betreten einer 10. Klasse zugeben, dass die Gemeinschaftsschule einfach nur ein menschenverachtendes System ist. Da sitzen Schüler, die lernen wollen und auch Potenzial haben, aber über Jahre nicht entsprechend gefüttert werden konnten, weil sie länger gemeinsam nicht lernen durften.
Gleich kommt bestimmt ein Großmeister der Differenzierung um die Ecke, der mir erklärt, dass das dann ein Versäumnis der Lehrer sei.
Denn es wäre ja deren Aufgabe, so zu differenzieren, dass jeder nach seinem Bedarf gefüttert wird.
Man hat ganz bewusst, ein gutes System zerschlagen und durch ein schlechteres ersetzt.
Stattdessen wäre es sinnvoll gewesen, die Hauptschulen wieder zu stärken, so dass die Absolventen Perspektiven bekommen.