Moin! ist hier vielleicht nicht ganz richtig. In diesem Fall bitte verschieben. Danke.
Ich habe mir zum wahrscheinlichen Abstieg Gedanken gemacht:
Ich habe mir heute, 47-jährig, das Mannschaftsfoto 1979 angeschaut. Ich war damals 6 Jahre alt. Ich habe den Gesichtern aus dem Stegreif 8 Namen zuordnen können. Das fällt mir heute schon bei der 2004er Truppe schwer, und erstrecht bezweifle ich, dass sich in 41 Jahren noch ein einziger an einen einzigen Namen der Fratzen aus der aktuellen Truppe erinnern wird.
Darüber nachgedacht, was aus meinem Herzensverein geworden ist und was aus ihm werden soll, falls wir absteigen, bin ich sehr traurig geworden. Denn es ist eigentlich offenbar.
Unsere erfolgreichste Zeit setzt sich aus zwei schier unendlich erscheinenden Ären zusammen.
Die erste Ära war die Achse Böhmert – Lemke – Rehagel; die zweite Ära (nicht ganz so unendliche Achse) Born – Allofs – Schaaf. Zwei Vereinsbosse bringen es zusammen auf 39 Jahre (Böhmert 70-99; Born 99-09), und zwei Trainer auf 28 Jahre (Rehagel 81-95; Schaaf 99-13).
Seit etwa 2008 ist klar, so schnell boxen wir in der Meisterschaft nicht mehr mit. 2009 gab es nochmal ein Ausrufungszeichen im Pokal. Seitdem geht die sportliche Entwicklung kontinuierlich in eine Richtung.
Viele geben dem „Werder-Weg“ die Hauptschuld daran. Was ist falsch mit dem „Werder-Weg“?. Absolut garnichts! Wenn er funktioniert.
Es gibt einen Verein, der Anfang der 80er noch höchstens ebenbürtig mit der Liga war und es auf dem „Werder-Weg“ durch kluges Wirtschaften, vielleicht unsauberes Finanzgebaren, kontinuierlichen Fokus auf Weiterentwicklung, pi pa po, zu einem der Topclub Europas gebracht hat. Die Funktionäre heißen Franz, Uli, Kalle, Hassan, Oli…
Es ist nichts falsch damit. Wenn es funktioniert.
Falsch war, dass unser Verein die Entwicklung des Fußballgeschäftes völlig verkannt hat. Nach dem Rücktritt Borns wurde nicht viel der Dynamik des Geschäfts angepasst.
Die Ausrichtung des Fußballs war da schon deutlich. Kohle, Kohle, Kohle!
Und Werder hat, der Tradition verpflichtet, seinen bescheidenen Weg versucht. Lobenswert! Liebenswert! Absolut! Auch dafür liebe ich älterer Sack den SVW.
Im 21. Jahrhundert ist es aber wie es ist: der Bescheidene kriegt vor die Fresse!
Hinzu kommt, dass bei unseren heutigen Entscheidungsträgern gegen Null gehende Erfahrungen bei Millionenbilanzen (Filbry vs Born), Vereins-Geschäftsführung (Lemke vs Grunewald), Gesamtführung (Böhmert/Born/Lemke vs Bode/Grunewald/Fischer) vorhanden waren. Die lernten erst am aktuellen Projekt. Nicht cool!
Unterm Strich:
Die Bauern haben sich schon vor langer, langer Zeit vom Rest der Liga abgesetzt. Die Doofmunder haben 99 versucht, da mit zu halten und die AG gegründet. Seitdem gab es eigentlich nur noch gelegentlich wenige andere Vereine, die da stänkern konnten. Eben auch der SVW. Mittlerweile ist die Sache seit Jahren klar. Bauern voran – Doofmund dahinter.
Um die Meisterschaft würden wir also nicht mehr mitboxen; aber ein Stammplatz in Europa, oder zumindest darum mitmischen; ja. Eindeutig Werder.
Jetzt sehen wir uns an, welche Firmen das in der Hauptsache für sich ausmachen: Red Bull, VW, Aspirin, SAP und wer weiß was da noch kommt. Und dann noch ein, vielleicht zwei, andere Vereine wo gute Leute das Ruder in der Hand haben, besonnen gearbeitet wird, und der Trainer sein Team ausrichten kann.
Gehören wir dazu? Ich weiß das nicht! Ich denke nicht.
Was soll also passieren?
Soll der Verein seine Seele verkaufen? Millionen von außen auf Pump generieren, damit irgendwelche Spinner mit viel Geld mitreden dürfen (1860 war so ein Erfolgsmodell)? Und wir wissen im Jahr Y nicht einmal mehr, wie die Spieler im Jahr X hießen? Ist das Fußballfan-Seele? Kann man sich so mit seinem Verein identifizieren?
Ich persönlich nicht!
Ich persönlich gehe weiter gerne ins Stadion, gebe weiter gerne viel zu überteuerte 40 Euro für eine Karte aus und trinke ein (oder ein paar mehr) mit fünf Euro viel zu teures Bier. Das Geld fließt dann in den Verein und sorgt für den Erhalt eines für die zweite oder dritte Liga viel zu geilen Stadions, bevor dass auch nur ein fucking Cent diesem verschissenen DFL-Milliardenzirkus zugeschanzt wird, der am Ende am Erhalt der Traditionsvereine eh kein Interesse hat.
Ich persönlich möchte mich mit meinem Verein identifizieren können! Ich persönlich möchte ehrlichen, kampfbetonten Fußball sehen. Ich persönlich möchte Schiedsrichter, die eine Entscheidung treffen, und hinterher wissen die Fans wo sein Auto steht.
Ich persönlich wünsche mir eine Vereinsführung die sich genau darauf, unabhängig von der Zugehörigkeit zu einem Milliardenkonzern (DFL) genau auf diese Werte besinnt.
…und dann kann es auch wieder etwas mit dem Fußball werden.
Corona war eine Chance dieses völlig inhhaltlos aufgeblasene Geschwür zurück zu schneiden und samt seiner Wurzeln zu entheben. Leider nicht passiert! Ich schneide den Strauch etwas über der Erde ab und im nächsten Jahr wächst er umso unkontrollierter. Nicht cool!
Ich bleibe Werder!
Michael Mertin, Nicole Mertin, Lilly Mertin