Selbstverständlich sind die Profivereine gewinnorientierte Unternehmen, denn sie müssen - von den Werks- und Mäzenenclubs ausgenommen - jeden € im Tagesgeschäft erst verdienen, damit sie diese überhaupt in den Kader hauen. Daß sie es nicht so offen kommunizieren, liegt u.a. daran, daß besonders bei den traditionsbewussten Fans Profit beim Fußball negativ behaftet ist und sich gerade mit diesen treusten der treuen Fans gutes Geld verdienen lässt, so daß die Cluboberen sich es mit diesen besten "Kunden" nicht verscherzen wollen. Das ist abgesehen von den inhabergeführten und von Mäzenen gesponsorten Vereinen Standard im Weltfußball, und somit auch bei Werder.
Die Unterschiede liegen vielmehr in der Handhabe der Unternehmensführung. Wie hier schon von mehreren Mitforisten erwähnt wurde, steht bei Werder Bremen der familiäre Charakter so stark im Vordergrund - zu Lasten der unternehmerischen Prinzipien, die bei der Führung eines mittelständigen Unternehmens mit dreistelligen Millionenumsätzen zwingend erforderlich sind. Dieses selbst in Anspruch genommene Alleinstellungsmerkmal mit dem Begriff "Werder-Weg" führte dazu, daß, wie es
@syker1983 formulierte, daß bis 2009 erreichte in den letzten 10 Jahren weggeworfen wurde und die Grün-Weißen nun vor dem Abgrund stehen.
Diese Nähe zum Abgrund ist besonders bei den Transfers erkennbar: es war über Jahrzehnte Usus bei Werder, das Transferbudget nicht zu überziehen, d.h. Transfers nur aus Transfererlösen zu finanzieren, ohne dabei auf andere Quellen zurückzugreifen. Das war auch ein Grund für Werders hohen Sympathiewerte in Fußball-Deutschland. Doch mittlerweile musste dieses ehrbare Prinzip bei Werder über den Haufen geworfen werden, denn durch eine überwiegend verfehlte Transferpolitik wies der Transfersaldo vom 01.07.16 - 30.06.19 ein Minus von 4 Mio. € aus. Somit war die "Kriegskasse" entsprechend leer, so daß als Vorgriff auf zu erwartende Transfererlöse ein Griff ins Eigenkapital erfolgte. Dieses belief sich per 30.06.19 auf 13,6 Mio €, die Transferausgaben in dieser Saison jedoch auf 15,5 Mio €... Ein gewisses unternehmerisches Risiko muß immer eingegangen werden, ganz dem hanseatischen Kaufmannspruch "buten un binnen, wagen un vinnen"; doch wenn ein Verein Spielerverpflichtungen nur noch mit dem temporären Plündern des Eigenkapitalkontos oder wie der HSV oder Schalke mit Fan-Anleihen stemmen kann, dann ist das bedenklich, um nicht zu sagen alarmierend.