Von mir auch... Das Landleben hat jetzt richtig viele Vorteile.
Manche Einschränkungen werden sicherlich bis zum Frühjahr 2021 andauern, weil erst dann rechne ich mit einer flächendeckenden Impfung. Aber ohne deutliche Lockerungsmaßnahmen und vor allem Entgegenkommen der Wirtschaft/den Unternehmen wird es -da bin ich mir sicher- zu gewaltigem Protesten der Bürger kommen. In den USA gehen sie schon los, Demos mit Menschenmassen, in Florida wurden die Strände jetzt freigegeben und direkt von Menschenmassen übervölkert. Dagegen kann und wird die Polizei nicht mehr angehen können, sonst gibts da Bürgerkrieg. In Südafrika plündern hungernde Menschen Läden und LKW´s usw.
Im Frühjahr wird der Impfstoff vielleicht langsam verfügbar sein, ich denke aber persönlich, bis der flächendeckend verfügbar ist, wird es sicher eher mindestens Sommer werden. Schauen wir mal.
Diese Geschichte wird allerdings mehr und mehr zu einem Politikum und wie es bei vielen politischen Themen nun einmal so ist, gibt es einfach mal KEINE einfache, pauschale Lösung und jeder, der dies suggeriert, betreibt oberflächlichen Populismus. Jeder hat eine Meinung, aber viele Menschen sind leider nicht bereit, sich dezidiert mit der Situation zu beschäftigen um sich eine faire, FUNDIERTE Meinung bilden zu können (damit meine ich nun natürlich nicht Dich, denn das kann ich nicht beurteilen, sondern die von Dir angesprochenen Protestler).
Das Problem ist doch, dass es erstmal nur vordergründig und oberflächlich betrachtet ein Verteilungskonflikt zwischen Gesundheit und wirtschaftlichen Interessen ist. Der Lockdown ist nicht fast überall auf der Welt beschlossen worden, weil man der Wirtschaft schaden will, sondern weil es zwingend erforderlich war, will man eine Katastrophe mit Hunderttausenden, wenn nicht Millionen Toten und zumindest schwer Erkrankten alleine in Deutschland verhindern. Was fast alle an der Stelle in den Diskussionen immer wieder vergessen: Eine sichere Durchseuchung der Gesellschaft in kurzer Zeit und somit eine Herdenimmunität wäre nicht nur fatal für das Gesundheitssystem mit entsprechenden Folgen, sie ist auch quasi unmöglich zu erreichen. Völlig utopisch, selbst als theoretischer Denkansatz. Um auch nur annähernd in diese Richtung zu kommen, müsste man großflächig organisiert Ansteckungsveranstaltungen planen. Hinzu kommt der Aspekt, dass niemand weiß, wie lange so eine Immunität (wenn es sie denn gibt) überhaupt anhält. Diese Option ist daher mAn völlig unrealistisch.
Daher bleibt eigentlich als einzige Option dieses Problem zu lösen, vorsichtig und diszipliniert zu bleiben, bis der Impfstoff verfügbar ist. Der Punkt ist doch, dass wenn man dies nicht tut, nicht mindestens eine vorsichtige Balance sucht, dann wird man eben NICHT nur in eine humanitäre, sondern genauso in eine volkswirtschaftliche Katastrophe laufen. Schwerkranke Menschen arbeiten nicht und schwerkranke Menschen werden auch nicht investieren und kaufen höchstens das Allernötigste. Und jene Menschen, die in Bereichen arbeiten (dann eher leben als arbeiten), die dann massiv betroffen sind, kommen nicht mehr großartig dazu, Geld für Dinge auszugeben, die nicht zwingend erforderlich sind. Und wenn dies zum gesamtgesellschaftlichen Trend wird, bricht die Volkswirtschaft genauso zusammen als wenn wir nun einfach 18 Monate den Laden dicht machen. Weder der eine, noch der andere Weg darf daher gegangen werden. Das wird immer wieder vergessen, ist aber absolut entscheidend. Klar, man muss sehen, dass man den Wirtschaftskreislauf wieder anschiebt, aber das Ganze ist kein einfacher Verteilungskonflikt, in dem man sich einfach für eine Seite entscheiden kann. Es ist nicht nur aus humanitären Gründen, sondern viel mehr alleine schon aufgrund der komplexen Zusammenhänge zwingend notwendig, dass man sich dabei auf das Wichtigste und Umsetzbare beschränkt und die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen einhält. Wer so tut als könnte man nun einfach nach 1, 2 Monaten wieder in das alte Leben zurück und nun blind auf der Politik rumhackt und so tut als hätte diese eine freie Wahl hat die Situation mAn einfach nicht zu Ende gedacht. Diese Lage ist extrem prekär und es gibt KEINE einfache, gute Lösung. Es kann nur den VERSUCH geben, sich vorsichtig an etwas ranzutasten was funktioniert. Und dass man dabei lieber etwas zu vorsichtig als zu nachsichtig ist, kann man mAn den Entscheidungsträgern kaum verübeln, zumal NIEMAND, schon gar nicht die neunmalklugen Trumps dieser Welt, die nichts weiter als blinden, gefährlichen Populismus betreiben, konkrete Erfahrungen mit dieser Situation haben.
Und auch das sollte klar sein: Es wird sich nicht vermeiden lassen, das gerade die älteren oder schwer vorerkrankten Menschen besser geschützt werden müssen und sich auch selber besser schützen. Ich vermeide das Wort einsperren und das meine ich auch nicht, aber diese besonders gefährdete Gruppe wird deutliche Einschränkungen hinnehmen müssen. Letztlich in ihrem eigenen Interesse. Dann sollte das eigentlich unser gut ausgebautes Gesundheitssystem verkraften können.
Wir leben hier zwar nicht in Italien oder Spanien, wo die Strukturen zwischen Alt und Jung viel enger sind, aber es wird schwierig sein die betroffenen Risikogruppen zu isolieren. Insbesondere jene Menschen, die jünger sind, aber Vorerkrankungen haben, da diese eben oft mit anderen Menschen zusammenleben, die gesund sind. Alleine deswegen kann es mAn nicht der Weg sein, nun alles wieder auf Februar 2020 zu stellen, die Kontaktsperren wegfallen zu lassen und wieder in Bars zu gehen, als wäre nie etwas passiert. Die Vorerkrankten blieben Zuhause und wären ein absehbarer Kolleteralschaden, wenn man für Nichtrisikogruppen alles wieder auf Anfang stellt. Das beträfe selbst jene Menschen in Altersheimen, sofern man nicht die Pfleger dort mit isoliert (was natürlich nicht umsetzbar ist). Unabhängig davon, dass ich es moralisch sehr fragwürdig fände, manchen Bevölkerungsgruppen etwas zu verbieten und anderen nicht, wenn jene, die Zuhause blieben, dann doch von den anderen angesteckt werden können: Das funktioniert mAn schlichtweg nicht, weswegen der Weg eigentlich nur sein kann, dass die Gesellschaft als Gesamtheit sich in Disziplin, Vorsicht, Zurückhaltung, Geduld, Toleranz und auch Empathie üben muss, bis ein wirksamer Impfstoff vorhanden ist. Dann und erst dann, werden wir wirklich aufatmen können, ob die Populisten und Ungeduldigen dieser Welt es nun wahrhaben wollen oder nicht.