Wie irgendwer schon ganz richtig angemerkt ist ist es schwer über solche Themen in Foren zu schreiben und seine Meinung angemessen zum Ausdruck zu bringen. Ich versuche es trotzdem mal:
Auf den ersten Blick mag es so aussehen dass es egal ist ob ihr eure Stimme abgibt oder nicht. Viele Nichtwähler denken es kommt nicht auf ihre Stimme an, da sie sich sowieso nicht auswirkt auf das Wahlergebnis. Für jeden einzelnen trifft das natürlich zu, aber auf alle Wähler bezogen ist das ein Irrtum.
„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Ich gehe nicht davon, dass ihr wollt, dass keiner mehr wählen geht, denn wie soll unser Regierungssystem denn alternativ aussehen?
Ihr habt vermutlich also andere Gründe, die eher in der Parteienverdrossenheit und in eurem Protest anzufinden sind.
Diese Unzufriedenheit an den Parteien kann ich durchaus verstehen (die am System nicht, denn ich sehe keine Alternative) und auch den Wunsch Protest zu äußern.
Aber doch bitte nicht in dieser Form
Wenn ihr protestieren wollt engagiert euch in Interessengruppen, NGOs oder versucht möglichst viele von eurem Protest zu überzeugen, aber aus Protest nicht zu wählen ist mMn höchst widersprüchlich.
Wenn jemand sagt: "Ich interessiere mich partout nicht für die Politik, hab eh keine Ahnung und eigentlich auch keine Lust wählen zu gehen." Kann ich die Einstellung zwar genauso nicht nachvollziehen, würde mir aber auch nicht die Mühe geben mich damit auseinanderzusetzen.
Bei Wächter beispielsweise sehe ich durchaus das Interesse an dem politischen Geschehen, sonst würde er sich hier nicht äußern, kann allerdings absolut nicht nachvollziehen warum er dann nicht wählen geht. Gründe genug wurden schon genannt.
Hier noch mal die zwei meiner Meinung nach entscheidensten Punkte:
1. Wenn alle nicht wählen gehen würden, wäre die Demokratie gefährdet und eine Alternative hat hier noch keiner genannt.
2. Wer nicht wählt unterstützt die extremen Parteien. Begründungen dazu wurden ja schon genannt, ich versuch es trotzdem noch mal.
Als Beispiel nehme ich jetzt mal die Wählerschaft der CDU und SPD. Meiner Einschätzung nach sind die Wähler der CDU konserativer und tiefer mit der CDU verbunden als die Wähler der SPD. Ein CDU-Wähler, insb. CSU-Wähler, geht immer wählen, SPD-Wähler schwanken allerdings öfter ob sie zur Wahl gehen oder nicht.
Das Potenzial der SPD-Wähler ist also vermutlich höher als das der CDU-Wähler trotzdem erhält die CDU mehr Stimmen, weil dort alle zur Wahl gegangen sind.
Als "Beweis" kann man anführen, das die SPD in der Vergangenheit bei gutem Wetter mehr Stimmen erhalten hat als bei schlechtem Wetter, da bei gutem Wetter die Wahlbeteiligung höher ist und die potenziellen Nichtwähler sich entscheiden doch einen Spaziergang zu machen und ihr Kreuz bei der SPD machen, statt bei schlechtem Wetter zu Hause sitzen zu bleiben.
Ähnlich ist es bei den extremen Parteien. 90% der NPD-Wähler müssten wahrscheinlich ans Bett gefesselt werden, damit sie nicht zur Wahl gehen. Sollte also die Parteienverdrossenheit an den regelmäßig an der Regierung beteiligten Parteien weiter steigen und die Reaktion darauf wäre bei allen die Entscheidung nicht wählen zu gehen, würde das erst der CDU zu gute kommen (was ja vollkommen legitim ist und ich gar nichts gegen sagen will) und dann den extremen Parteien wie der NPD, die dadurch gute Chancen hätten wieder in den deutschen Bundestag einzuziehen. :stirn:
Eigentlich würde ich gerne noch mehr zu dem Thema schreiben, aber mir fehlt leider die Zeit, hoffe ich konnte meine Punkte trotzdem deutlich und verständlich machen.