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Eisenfuss57
Guest
also, ich versuchs mal. finde ich es gut, dass özil ein foto mit erdogan gemacht hat? nein, ganz sicher nicht. finde ich es gut, wie sich daraufhin eine vollkommen unverhältnismäßige empörungswelle breit macht und sich rassistsiche äußerungen immer weiter ausbreiten? noch viel weniger.
die gesamte diskussion wird so falsch geführt, dass es mich gruselt. özil hat wurzeln in der türkei und er hat wurzeln in deutschland. die beeinflussung ist hier vielschichtiger, der blickwinkel weniger eindeutig vorgegeben. die großeltern özils kamen nach deutschland, weil man sie wollte. günstige gastarbeiter eben. beide seiten fanden das gut. die mutter später dann putzfrau, der vater arbeitet in einer fabrik. familientradition wird groß geschrieben. özil äußerte sich dahingehend, dass er es nicht richtig und sehr schade fand, dass innerhalb der familie kein deutsch gesprochen wurde. er hat sich daraufhin dafür ausgesprochen, dass ein jeder der in ein land kommt und dort lebt, dessen sprache lernen und sprechen soll und keinesfalls isoliert leben sollte. özil selbst hat das befolgt. vereinfacht gesagt: ein leben zwischen zwei welten begonnen. als er sich entscheiden musste, ob er für die türkei oder für deutschland spielt, wurde von seiten der familie auf ihn eingeredet. die einen wollten, dass er sich für deutschland entscheidet, sein onkel appellierte an heimatgefühle für die türkei, welche er in dieser form nicht empfand. es ist alleine schon ein familiäres spannungsfeld, in welchem sich migrantenkinder bewegen. die externen spannungsfelder ganz ausgeblendet. als er seine türkische staatsbürgerschaft abgibt, gibt es anfeindungen aus der türkei. starke anfeindungen und "verräter" ist einer der harmlosesten begriffe, der fällt.
immer wieder betont özil, dass es möglich ist 2 kulturen zu schätzen, dass sein herz türkisch und deutsch ist. bei vielen vergebens. das will niemand hören. die einen wollen hören, dass es nur türkisch ist, die anderen, dass es nur deutsch ist. es gibt kein annähern.
politisch interessiert ist özil nicht. die sicht auf erdogan, die an ihn herangetragen wird, ist ganz sicher uneindeutiger als für uns. und selbst diese eindeutigkeit, die man hier in deutschland bei der sicht auf erdogan theoretisch hat, wird doch vom eigenen land praktisch ad absurdum geführt. es wir kooperiert, es werden flüchtlings- und waffendeals geschlossen, es wird sich getroffen. solange es nützlich ist mit dem "teufel" geschäfte zu machen, ist es also okay. da sind wir bei einem punkt, der von einem user im worum sehr gut zusammengefasst wurde: die schizophrenie bei der sache. während erdogan offiziell auf staatsbesuch in england ist, während deals gemacht werden, kooperiert wird, ist es aber hingegen verwerflich mit dem selben mann ein foto auf einem wohltätigkeitsevent für migrantenkinder zu machen. weil man von letzterem eben keinen eigenen nutzen hat. da ist es dann plötzlich kein problem mehr, die theoretisch vorhandenen moralischen grundsätze herauszuposaunen. die schaden einem ja nicht. die schaden einem nur, wenn sie vorteilen im wege stehen.
özil, von verschiedenen einflüssen geprägt, von uneindeutigkeiten umgeben, hat das zu erfüllen, was deutschland nicht mal selbst erfüllt.
nun zu dem statement: ich finde sicher nicht alles gut daran, einiges ist mindestens unglücklich. aber es ist so unfassbar bezeichnend, dass nun vorallem über mangelnde selbstreflektion schwadroniert wird und nicht über die offenen rassistischen anfeindungen, die er klar benennt. spätestens jetzt sollte auch bei einigen der groschen fallen und eine problematik erkannt werden, die eigentlich schon längst offensichtlich war. aber noch viel besser: das wird als "rassismuskeule" abgetan. es ist so höhnisch, dass ich nicht weiß, ob ich lachen oder kotzen soll. was erdreistet sich der türke denn bitte auch noch über rassismus zu reden. wer opfer von rassistischen anfeindungen ist und vorallem wer das bennen darf, das entscheiden immer noch wir. und solange ihn nicht "alle" rassistisch beleidigen, sondern nur einige, da ist doch alles sowieso okay. soll er sich mal nicht so anstellen. soll er sich halt in die türkei verpissen. da wird er dann auch rassistisch beleidigt. aber wenigstens auf türkisch.
Bevor du kotzt, kannst du mir bitte die rassistischen Anfeindungen die er klar benennt, näher bringen. Ich meine nicht die Sprüche von
irgendwelchen Idioten, bitte die von denen, die öffentliche Statements abgegeben haben.
Deine Darstellung mag ja so ganz nett sei und hast ja auch gut in Wiki recherchiert, haben aber leider weniger mit den hier kritisierten
Rücktrittsäußerungen von MÖ zu tun. Du scheinst MÖ ja gut zu kennen, wenn du hier behauptest, er sei eher unpolitisch.
Ähm, auch solche Leute können sich "nützlich" machen. Wie? Ganz einfach, sie lassen sich instrumentalisieren.
Übrigens bezeichnend sind doch die Kommentare von hochrangigen türkischen Ministern (faschistisch) zu dem Rücktritt.
Da spielen dann auch schon Mal die Interessen des Beraters eine Rolle. Naiv ist doch derjenige, der annimmt, dass gewisse Dinge
die vorfallen nicht von langer Hand vorbereitet sind. Beispiele gibt es ja genug.


