Wenn es überhaupt ein kleines Manko am gestrigen Tag gab, war es trotz des guten Ergebnisses, die zum Teil wieder mal zu schnellen Ballverluste im Spielaufbau und somit mir persönlich zu geringe eigene Spielkontrolle, teilweise hat Wolfsburg uns mehr laufen lassen, gerade die Phase nach der Halbzeitpause hat mir so gar nicht gefallen, zum Glück ist es am Ende aber gut gegangen.
Erneut eine ganz tolle Teamleistung auf die sich weiter aufbauen lässt.
Diese beiden Sätze, denen ich vollumfänglich zustimme, würde ich im engen Zusammenhang sehen.
Ich habe gerade in der ersten Halbzeit bei uns über 45 Minuten vergeblich einen Aufbau durchs Zentrum gesucht, finde jetzt auch keine Heatmaps oder so, die das verdeutlichen könnten. Gefühlt gab es keinen. Das war mit dem vorhandenen Personal dort schier unmöglich. Trotzdem hat die Mannschaft als Mannschaft großartig funktioniert. Es ist schon so, wie Hamann sagt, dass Kohfeldt ohne spielerisch viele Möglichkeiten im Kader zu haben, spielerisch viel möglich macht. Und in Sachen strategische Spielführung hatte das Team gestern einen deutlich erkennbaren Plan. Dass Wolfsburg anders als Mainz, Hoffenheim, Bayern oder Hertha unsere Schwächen im ZM nicht gelesen hat, kam uns zwar entgegen, dass sie es nicht ansatzweise nutzen konnten (bis auf die 10 Minuten nach der HZ), lag mE aber an der von Dir angesprochenen Teamleistung. Werder war nicht einfach nur aggressiv und hat gekämpft. Werder hat vor allem die Defizite des Gegners konsequent bearbeitet und parallel dazu das eigene Spiel durchgebracht. So zieht einer den anderen mit. Kainz trotz spielerischer Schwächen plötzlich drangvoll und oft gefährlich. Eggestein überragend und zusammen mit Kruse die Lebensader im Spiel gestern, obwohl Kruse nichtmal seinen besten Tag erwischte. So konnten wir die komplett fehlende Ballverteilung im ZM auffangen und selbst Junuzovic, der abgesehen von der ein oder anderen Szene, in der er den Gegner früh im Aufbau stören konnte, wieder mal einen äußerst kontraproduktiven Auftritt hingelegt hat, mit durchschleppen.
Wolfsburg hat trotz der sichtlich höheren individuellen Klasse keine Lösungen gefunden, wirkte konzeptlos, obwohl Werder quasi ohne zentrales Mittelfeld gespielt hat. Das Ergebnis schmeichelt denen noch, finde ich. Auf die chaotische Werder- Phase nach der Halbzeit hat Kohfeldt mit dem Wechsel (aus welchen verletzungsbedingten Gründen auch immer) reagiert und wieder Ruhe reinbekommen, obwohl anschließend Delaney auch nicht gerade durch Ruhe im Spiel auffiel. Aber die Anweisungen hatte.
Da war viel Kohfeldt mit drin. Die Variabilität in der jeweiligen Herangehensweise und Mischung zwischen Gegnerorientierung und eigener Authentizität, welche tsubasa letztens schon mal angesprochen hat, gefällt mir sehr gut. Respekt.