Ich bin seit 36 Jahren nun Werder Fan und habe mich heute angemeldet, da es an der Zeit ist mal meinen ganzen Frust hier von der Seele zu schreiben, der sich in den letzten sieben bis acht Jahren angestaut hat.
Jeder der mal Fußball im Verein gespielt hat ist sich dessen bewusst, dass das Selbstvertrauen in sich selbst als Spieler die Grundlage der Leistung ist, die ich auf dem Platz zeigen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich einen hohen Marktwert besitze oder nicht. Denn wer in der Bundesliga als Spieler angekommen ist. Der kann auch sehr gut Fußball spielen. Klassisches Beispiel ist z.B. André Schürrle, der mittlerweile bei Dortmund wieder befreit aufspielen kann. In unserem Kader merke ich nichts davon, dass auch nur ein Spieler dieses Selbstvertrauen ausstrahlt und damit automatisch auch seine Mitspieler mitreißt. Es ist auch Aufgabe des Trainerteams sich darum zu kümmern, das die Spieler mental fit sind. Aber wie soll der aktuelle Trainerstab solche Kunststückchen vollbringen, wenn diese selbst in der Kritik stehen und vor allem, wenn sie selbst keinen Plan haben, wie sie mit Ihren Schützlingen und altgedienten Recken umzugehen haben. Herr Skripnik mag ein prima Mensch sein. Doch das reicht im hochbezahlten Fußballgeschäft einfach nicht. Auch nicht eine Trainerlizenz zu besitzen und sich mit Taktik auszukennen. Ein Trainer muss seine Spieler aus dem F F kennen und ihn da einsetzen, wo sich sein Potenzial entfalten kann. Vor allem muss er die Mannschaft motivieren können und auch mal die Peitsche herausholen, wenn er merkt, dass die Spieler ihm nicht folgen. Jeder große Trainer hat dieses gewisse Charisma und die Ausstrahlung eines Alphatieres. Gerade unser Kader braucht eine starke Hand, die zeigt wo es langgeht. Das kann ich seit dem Dienstantritt vom 26.10.2014 nicht erkennen. Bei Werder hat sich seit dem Weggang von Thomas Schaaf und Klaus Allofs leider immer mehr der Schlendrian breitgemacht, wo wir heute finanziell, sportlich und auch vom Image her vor einem Scherbenhaufen stehen. Intern ist das mit Sicherheit auch jedem Vereinsmitglied bekannt. Doch es fehlt der Mumm damit auch offen umzugehen. Die Durchhalteparolen reichen mir schon lange nicht mehr und machen mich als alten Werderfan doch sehr betroffen. Es war vor der goldenen Generation (2004 - 2010)auch nicht immer eitel Sonnenschein. Von 1971 bis 1980 wurden Millionen in die Mannschaft gepumpt, aber der Erfolg kam einfach nicht. Ganz im Gegenteil. Ein schleichender Niedergang machte sich breit, bis schließlich in der Saison 79/80 der Abstieg besiegelt war. In einer ähnlich fatalen Lage befinden wir uns gerade. Wir benötigen einen Trainer und einen Führungsstab, der mit Zuckerbrot und Peitsche den Spielern vertrauen einimpft und eine klare taktische und spielerische Ausrichtung vorgibt. Erstmal müssen wir die Abwehr stabilisieren, um überhaupt ein Funken Hoffnung in die Elf zu bekommen. Wer Herrn Skripnik bereits als Spieler schätzen gelernt hat, der weiß, dass dieser Mensch ein Kämpfer ist und niemals aufgeben wird. Ist zwar eine bewundernswerte Eigenschaft hilft aber dem Verein nicht weiter. Die Krux ist momentan ja, dass in der Führungsetage die Spieler der goldenen Ära eingenistet haben und sich gegenseitig Rückendeckung geben, um so etwas wie Führungsstärke vorzugaukeln. Solange Werder diesen Kurs fährt und sich nicht kritisch hinterfragt, ob der Werder Weg noch zu halten ist, wird sich auch in der Trainerfrage nie etwas ändern. Ich frage mich auch ernsthaft, ob die Verantwortlichen überhaupt mal in die Basis hineinschauen, um auf Tuchfühlung mit den zahlenden Fans zu gehen. Vor die Kamera treten und jedesmal die im Kern gleichen Statements zu verkünden kann jeder gute Verkäufer auch. Doch ich glaube mittlerweile gar nichts mehr. Erst wenn ich sehe, dass da jemand mit dem Willen eines Otto Rehagel, Thomas Schaafs oder von mir aus auch Torsten Frings einen Neuanfang startet schöpfe ich wieder Hoffnung. Mein Appell an die Werder Führungsriege: Macht Schluss mit der Kumpanei und stellt euch dem harten Geschäft der Bundesliga. Ihr habt mit Sicherheit von Euren erfolgreichen Vorgängern etwas lernen können. Wenn nicht, dann solltet Ihr das schleunigst nachholen, bevor Werder finanziell und sportlich in die Bedeutungslosigkeit versinkt.
Sorry, dass der Text so lang geworden ist. Aber das musste mal raus.