Das einzig positive an der momentanen Situation ist, dass wir gegen die Krisenklubs bisher gut gepunktet haben und mit Köln und Frankfurt noch zwei solche auf uns warten.
Man sollte sich aber von Skripnik als Cheftrainer verabschieden.
Beim Wechsel von Dutt zu Skripnik ist auch nicht plötzlich die Kaderqualität gestiegen. Skripnik war der richtige Mann zur richtigen Zeit. Die Mannschaft war konzentriert und hat sich selbst weniger Eier gelegt. Ausnahme: Wolf. Speziell in der Rückrunde hat die Mannschaft absoluten Willen gezeigt, auch Standarts kriegst du nicht geschenkt, und Standarts sind auch nur gefährlich wenn sich alle ordentlich reinhauen.
Sicherlich haben wir phasenweise über unseren Verhältnissen gespielt, dabei haben wir gepunktet wie Championsleague Teilnehmer, das erwartet aber auch niemand. Man darf aber erwarten, dass wir innerhalb von 20 Minuten zumindest zwei Mal ein vergleichbares Angriffsmuster auf den Platz bringen, welches über langen Hafer hinausgeht.
Skripnik hatte alle Möglichkeiten das Maximum aus diesem Kader herauszuholen. Als langjähriger Werderaner hatte er volle Rückendeckung vom Verein, den Fans, den Spielern, er kannte die Jungendspieler, das Spielglück hat er auch noch mitgebracht und sogar sein schlechtes Deutsch ist ihm positiv ausgelegt worden. Wie oft hört man es fehle einfach das Selbstvertrauen, mehr Selbstvertrauen als nach der Siegesserie kann man doch gar nicht haben. Und auch nach vier Spieltagen in dieser Saison kann das nicht der Grund für die folgenden schlechten Leistungen sein.
Nach einem Jahr im Amt muss man einfach feststellen, dass Skripnik es nicht geschafft hat der Mannschaft ein erkennbares Spielkonzept einzutrichtern, selbst die Einsatzbereitschaft ist hin und wieder fragwürdig. Skripnik ist nicht Tuchel, der aus der Reserve kommt und die Erste Schritt für Schritt weiterentwickelt.
Der Werder-Weg ist alternativlos, die Entwicklung der Mannschaft und der Jugendspieler ist alternativlos, aber genau das passierte nicht. Unter Dutt nicht und jetzt nicht. Der Kader wird auch im nächsten Jahr nicht besser sein. Wenn wir so weitermachen wie bisher steigen wir ab, vielleicht bleiben wir noch mal oben, dann eben nächstes Jahr, aber irgendwann sicher.
Man sollte sich ermutigt und nicht entmutigt fühlen von den Beispielen Freiburg oder auch Nürnberg. Freiburg hat unter Streich ganz guten Fussball gespielt, es gab trotz Abstieg keinen Grund etwas zu ändern, die sind nächstes Jahr wieder in der ersten Liga. Nürnberg hat unter Verbeek guten Fussball gespielt, er wurde entlassen Nürnberg hat inzwischen zwei oder drei Trainer mehr verbraucht und steht immer noch unten. Beide sind auch zu einem großen Teil an der Chancenverwertung gescheitert, bei uns knipsen sowohl Ujah als auch Pizza wenn sie Vorlagen bekommen. Abgesehen davon heißt guter Fussball nicht gnadenlose Offensive sondern auch defensiver Konterfussball kann guter Fussball sein.
Ob Verbeek für uns aufgrund der vielen Gegentore der richtige wäre lasse ich mal dahingestellt. Aber er ist jemand mit einer klaren Vorstellung und kann diese der Mannschaft auch mitgeben, das hat er meiner Meinung nach bewiesen. Niemand hier kannte ihn vermutlich vor Nürnberg, es gibt also schon Trainer die nicht offensichtlich "auf dem Markt" sind.
Skripnik wurde hier heran gezüchtet ohne jemals dem Leistungsdruck des Profifussballs ausgeliefert gewesen zu sein. Er bringt uns jetzt leider nicht voran. Dass es keinen finanzierbaren Trainer gibt der jetzt geeigneter wäre, kann ich nur schwer glauben.
Fazit: Werder ist ein Abstiegskanditat. So wie die halbe Liga, hinter den üblichen Verdächtigen und ein, zwei Überraschungsteams, spielt man sich die Plätze in der zweiten Tabellenhälfte aus. Aber auch Abstiegskanditaten können vernünftig spielen und sich entwickeln, wenn es ihnen denn jemand beibringt. Hier sollte eine saubere Trennung im Winter erfolgen.