Es wäre also sein Job gewesen, der Mannschaft durch ein einfach strukturiertes System zu helfen, in dem die Schwächen der Defensivspieler kaschiert und die der Offensivspieler genutzt werden können.
Das hat er am Anfang versucht. Erinnere Dich noch mal an die Spiele. In Braunschweig standen unsere AV`s tief, was beim mannschaftlichen Verschieben immer ein großer Nachteil ist und eigentlich nicht sein darf. Doch zumindest hatten wir drei Mittelfeldleute, von denen Makiadi und Kroos stetig in die Halbräume zwischen AV und IV einrückten, davor zudem Junuzovic der zusätzlich streng die Horizontale bearbeitete. So haben wir defensiv ordentlich gestanden. Das wirkt freilich vordergründig ängstlich, aber es erfüllte zumindest ersteres in Deinem zuletzt zitierten Satz.
Es stimmt, dass vieles Stückwerk und Zufall war, besonders im Umkehr-/ Offensivspiel, wo Hunt und Ekici als quasi einzig vorgesehene Kreativentlastung nicht zuammenpassten, da der eine die Wege und Räume sucht und der andere kein Spieler ist, der den Ball laufen lässt. Und dann hast Du halt den Effekt, wenn viele tief stehen und die davor keine Passwege oder Raumgewinne anbieten, dass zahlreiche lange Bälle kommen. Gegen Augsburg war es kaum anders. Nur ist vieles davon wie gesagt zu Saisonbeginn eher normal.
Ausserdem fand ich, dass wir die Spiele mit strategisch guter Ausrichtung angegangen sind, will sagen wir waren durchaus geduldig und haben die Schwächen des Gegners gesucht unter Berücksichtigung der eigenen (vielen) Schwächen.
In Gladbach hat Favre das Taktikpuzzle in der zweiten HZ gegen Dutt klar gewonnen, weil Dutt nicht imstande war, auf den (zu diesem Zeitpunkt etwas unglücklichen) Rückstand zu reagieren.
Auch find ich richtig, dass das gegen Frankfurt und in Gladbach (hier allerdings erst gegen Spielende) nicht reichte, aber in beiden Spielen kamen halt mehrere Umstände zusammen. Die Spiele, in denen es klappt und in denen es nicht klappt, werden sich bei einer Mannschaft der Qualität wie unsere und in der Lage, in der sich unsere Truppe befand und befindet, die Waage halten, es gleich sich halt aus. Wir haben fussballerisch (auch da stimme ich Dir zu) wenig zuzusetzen, aber es ist eben nur ein Teilaspekt, nicht der einzige Punkt.
Deshalb fand ich`s umso unverständlicher, dass wir obige Ausrichtung völlig grundlos aufgegeben haben. Eine Mannschaft, die verunsichert ist und spielerisch aus genannten Gründen wenig zustande bringt, aber gerade anfängt, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Systeme zu lernen, der kannst Du nicht auch noch die wenigen gechaffenen Grundlagen sofort wieder unter dem Hintern wegziehen. Sowas kannst Du versuchen, wenn der Rahmen stimmt und die Mechanismen einigermaßen ineinandergreifen.
Was Du zu Bargfrede/ Makiadi sagst, okay, wenn Du Bargfrede als den in Zweikampf und Dynamik ausgleichenden Faktor zu Makiadi siehst, stimmt das natürlich. Aber auch hier beschreibst Du nur einen Teil. Makiadi hat kein strategisches Gespür, deshalb hilft hier auch nicht ein Spieler daneben, der noch weniger davon hat. Dann brauchen wir nicht über "Balance finden" reden. Klar fehlen die Alternativen, aber Bargfrede deswegen einzubauen, ist keine Lösung, sondern bloßes Hin- und Herschieben, Rein- und Raus ohne nennenswerte Wirkung. Nur dass Du damit die Mannschaft noch mehr verwirrst.
Ja, klar fehlt uns dort so ein Akteur, das ist nichts Neues. Schaaf wollte immer Spieler, die besonderes anbieten und hat dafür eher auf Strukturspieler verzichtet. Als TS ging, hat Werder auf dieser "Balance"- Position konsequent gesucht. Nach Caldirola und di Santo, die Eichin gemeinsam mit der sportlichen Abteilung klargemacht hat, hatte Werder zwei Spieler für das ZM im Visier, die den Anspruch von Mannschaftsdienlichkeit, Raumdenken und einfachem Fussball erfüllten, darunter einen holländischen Juniorennationalspieler. Doch dann wollte Dutt unbedingt Makiadi, der wiederrum fast so viele kostete, wie die anderen beiden zusammen, so dass beiden abgesagt werden musste.