Lutscher kann das behaupten, weil er Recht damit hat.
Und er hat den Mut bewiesen, einen sehr unpopulären Beitrag zu schreiben, weil auch ihm klar gewesen sein muss, dass er damit viel Widerspruch anzieht.
Eben weil Sokratis enorm viel Alarm gemacht hat, viel gelaufen ist, gerade am Anfang des Spiels sehr auffällig war und an sehr vielen Offensiv-Aktionen beteiligt war und überall auf dem Platz sozusagen in vorderster Front zu sehen.
Da denken dann viele Leute "wow" ! und "Tolles Spiel" !
Ist aber in der Gesamtwürdigung nicht richtig.
Er kriegt zwar Fleiß- und Gummipunkte für seinen tollen Einsatz. Das ist aber letztlich nicht das bzw. nicht allein das, was man von einem guten 6er heute fordern muss.
Das Spiel war zwar deutlich besser als die peinlichen Versuche von Naldo, aber eben nicht insgesamt gut und noch nicht mal "befriedigend" Ober gerade so befriedigend, ich weiß es nicht, man kann das so oder so sehen. Aber auf keinen Fall auch nur annähernd "gut".
Ein guter 6er muss vor allem ein schnelles Aufbauspiel durchführen, schon vor der Ballannahme wissen, wohin er ihn verteilen muss und dies am besten direkt erledigen und zwar so, dass daraus eine gefährliche Aktion vorbereitet und die gegnerische Defensive überrascht werden kann. Er muss ohne Ball richtig laufen und anspielbar sein, wenn seine Einleitung in die Sackgasse führt, weil der Gegner gut läuft und steht und auch dann vorher wissen, was er macht. Die entscheidenden Dinge passieren dabei alle ohne Ball oder sehr schnell und meist unspektakulär (weil der vorletzte tödliche Pass nicht so auffällt wie der letzte), deshalb sind exzellente 6er oft so unauffällig.
Defensiv muss er richtig verschieben und vor allen anderen Dingen das Timing haben, aus einer sich verschiebenden geometrischen Formation auch mal raus zu rücken und einen ballführenden Spieler zu attackieren, um Bälle zu gewinnen oder gegnerischen Spielaufbau zu unterbinden. Er muss wissen, wann er zB. tief einrücken oder auf den Flügeln doppeln muss. Auch hier ist Antizipation, Timing und Spiel ohne Ball neben den "altmodischen" Zweikämpfen das Entscheidende.
Sokratis hat mich gegen Fürth ein wenig an den besseren Wesley erinnert: Hansdampf in allen Gassen, enormer Einsatz, großes Laufpensum, überall auf dem Platz als Aktivposten zu finden. Aber in den entscheidenden Aufgabenstellungen war er nicht da, woanders oder griff nicht ein. Für die biederen Fürther ergaben sich so schon in den ersten 10 Minuten etliche haarsträubende gute Einschussgelegenheiten, die sich mit einem funktionierenden defensiven Mittellfeld nie in solch kurzer Zeit in solcher Häufung ergeben dürfen.
Daher hat Lutscher entgegen des offensichtlichen ersten Eindrucks mit seiner Bewertung unter dem Strich Recht. Und da sowohl Luki als auch Pavlovic beide nicht untauglich agieren, liegt es gar nicht so fern, Sokratis mal wieder auf RAV zu bringen, wo er etliche hervorragende Spiele gemacht hat und wo es uns im Moment an einer Top-Besetzung fehlt.
Nehmen wir zum Vergleich der Leistung auf der "6" den Tom Trybull aus dem Gladbach-Spiel. Der war viel unauffälliger, hat aber bis zum Nachlassen seiner Kräfte viel mehr und viel besser das gemacht, was man heute von einem intelligenten, modernen 6er erwarten muss. Trybull fehlten noch die Physis, der absolute Wille zum sich-Durchsetzen und ein wenig Glück, unter dem Strich war seine bis ca. 8 Minuten vor der Auswechslung (nach langer Zeit im absoluiten off) gebrachte unauffällige Leistung aber ein sehr erfreulicher Lichtblick.