Das Spiel gegen Milan hat uns wieder einmal klar und deutlich die Kardinalprobleme aufgezeigt.
Wir schaffen es einfach nicht, im und auch vor dem Spiel taktisch flexibel zu reagieren.
Gefangen in seiner Offensiv-Ideologie gibt es für Thomas Schaaf nur eine Möglichkeit, Spiele erfolgreich gestalten zu können - über offensive Dominanz. Das hörst Du in jeder seiner Aussagen und es geht soweit, dass sich das längst auf die Spieler übertragen hat. Per Mertesacker:
,, Wenn wir die Sicherheit zurückbekommen, dominieren wir die Spiele." Frings: (so ähnlich)
,,Über das Kombinationsspiel, das uns auszeichnet, gewinnen wir das Selbstvertrauen zurück. Wir müssen die entscheidenden Zweikämpfe gewinnen."
Auf die Idee, dass es durchaus möglich ist, Spiele zu gewinnen, indem die eigene Mannschaft taktisch perfekt auf den Gegner eingestellt ist oder die Sicherheit dadurch kommt, dass vor allem das Mittelfeld seine defensiven Aufgaben ernster nimmt als die offensiven und es somit auch der Abwehr leichter gemacht wird, die Ruhe zu finden und damit auch das Stellungsspiel im Verlauf einer Partie ständig verbessern zu können, kommt Thomas Schaaf scheinbar gar nicht.
Reagieren, statt Agieren, wenn es entweder der Spielverlauf oder die Klasse des Gegners von vornherein erfordert ist das, was Werder mE entscheidend - und zwar seit Jahren - fehlt.
Wenn ich mir die letzten 4 Begegnungen so anschaue, komme ich wieder mal zu dem Schluss, dass wir gegen Bielefeld, Schalke auswärts, Gladbach und Mailand eigentlich immer gleich gespielt haben. Die gleiche taktische Ausrichtung, die selbe Spielweise. Irgendwann, mal früher, mal später im Spiel rennen wir ideenlos an, werden immer abhängiger von Einzelaktionen. Wir schaffen es nicht, einen Gegner rauszulocken bzw. glaubt Thomas Schaaf, dass alles nür über Ballsicherheit und Kombinationsspiel funktioniert, dass nur so ein Gegner bezwungen werden kann. Er denkt anscheinend, dass Werder nur eine Chance hat, wenn Werder stets sein eigenes Spiel durchbringt. Dabei ist es scheinbar völlig egal, ob die Gegner Bielefeld und Gladbach zu Hause sind oder aber auf Schalke vor 60000 Blau-Weiss-Fans wie auch im EC gegen eine routinierte Weltauswahl wie des AC Mailand gespielt wird. Den Unterschied, warum wir hier mehr Chancen- und Spielanteile und dort etwas weniger davon haben, macht jeweils nur die individuelle Klasse des Gegners aus, nicht aber, weil Werder anders spielt.
Gegen Mailand z. Bsp. war zuallererst ersichtlich, dass wir sofort nur den Weg nach vorne kannten. Und das alles, obwohl jedes Kind weiss, das italienische Teams Passivität insbesondere mögen. Da waren Boenisch und Fritz, die fast wie unterstützende Flügelstürmer unterwegs waren, die sogenannte Raute, von der im Grunde so gut wie keiner schnell genug hinter den Ball kam, wenn Ballverluste auftraten. Es kann über Fritz Fehler vor dem 0:1 richtigerweise diskutiert werden, aber dass sowohl Tziolis als auch Baumann, Diego und Özil sowieso, ein Riesenloch im Mittelfeld hinterlassen hatten und weit in Milans Hälfte standen, ist der Punkt. Es war keiner da, der aussen hätte zusätzlich attackieren können bzw. keiner der in der Halbposition unterstützen konnte. Im Vergleich dazu: Mailand hatte mal durch Senderos, mal durch Ambrosini ähnliche Ballverluste, aber es waren sofort entweder Flamini, Pirlo oder Zambrotta da, die im Wechselspiel einrückten. Die ballorientierte Verschiebung als grosses Bremer Manko. Darüber hinaus fiel mir auf, dass Milan nicht nur Diego sehr gut doppelte, sondern auch auf Özil´s typische Tricks - Ballmitnahme mit der Innenseite oder Sohle, dann aussen vorbei oder Prallenlassen zum schnellen flachen Doppelpass - durch Flamini oder Bonera ebenso gut eingestellt war wie auf Almeida`s Distanzschussversuche, die regelmässig gut geblockt wurden, wobei die Verteidiger immer richtig standen. Milan hatte sich offensichtlich gut vorbereitet. Das zeigt unsere nächste Schwäche auf - ich weiss nicht, ob Werder die Gegner genau beobachten lässt, und wenn, wird scheinbar kaum darüber gesprochen. Denn, das was z.Bsp. Seedorf oder Flamini da spielen durften - speziell Seedorf spielt so seit gut 12 Jahren, hatte trotzdem reichlich Platz. Und gegen die kantigen Innenverteidiger Almeida mit gleicher Spielweise statt Rosenberg zu stellen, erschließt sich mir überhaupt nicht. Wäre aber ein Indiz, dass TS nur die eigene Mannschaft sieht, denn Rosi hatte zuletzt ziemlich danebengelegen. Wäre hier aber vermutlich der Richtige gewesen, weil Almeida nicht wirklich vorne eine Anspielstation ist. Genau die Wechsel - der einzige der den Pass in die Tiefe konnte, war Baumann und der ging herunter, als uns zunehmend die Ideen ausgingen.:wild: Später kam Harnik - statt Rosenberg?? TS wird sich schon dabei was gedacht haben, aber Otto Normalverbraucher muss nicht alles verstehen.
Nur genau das macht die Spitzenmannschaften aus. Die Kräfte so einzuteilen, wie sie vom Gegner gefordert werden, das Spiel auch mal auf das nötigste zu begrenzen, wenn der Gegner nicht mehr fordert. Aber noch wichtiger ist es, einerseits Möglichkeiten zu finden, wenn es sein muss auch psychologischer Natur, eine destruktive Mannschaft aus ihrer Reserve zu locken und andererseits auf fussballerisch besser besetzte Teams reagieren zu können. Da zeigt sich meist die wahre Klasse - nicht nur einer Mannschaft sondern auch derer, die sie führen. Denn es erfordert bei Mannschaften, die viele Wettbewerbe über einen längeren Zeitraum und auf hohem Niveau spielen, immer ein paar taktische Mittel mehr, sei es durch System oder Spieler mit unterschiedlichen Qualitäten für unterschiedliche Anforderungen, was die Gegner betrifft. Und an dieser Stelle hat TS nMn nach wie vor eine (viel) zu eindimensionale Sichtweise.
Bielefeld hat in Hamburg nicht anders gespielt als in Bremen, aber während Eilhoff und Wichniarek hier die Matchwinner waren, wurden sie dort zu den Deppen des Spiels. Warum war das so? Der HSV dominierte auch das Spiel, aber eben auf eine völlig andere Weise, als Werder das in der Regel tut. Die schiessen nicht dreissig Mal auf s Tor und marschieren drauflos, sondern setzen punktuell ihre Nadelstiche. Mal drücken sie 10 Minuten ohne richtig gefährlich zu werden, dann passiert 15 Minuten nichts, gibt es Ecken für den Gegner, aber urplötzlich einen Konter der Heimelf über aussen.
Für den Torwart z.Bsp. ist so ein Spiel hässlich, denn er hat von der Konzentration her immer die schwierigste Aufgabe in einer Elf. Wenn aber eine Mannschaft wie Werder kommt, die den Torhüter ständig unter Spannung und damit dessen Konzentration hochhält, wächst der nicht selten über sich hinaus. Auf diese Weise haben wir zuletzt Eilhoff, Neuer und Bailly berühmt geschossen. Oder den Fernandes von Bochum. Fromlowitz kam bei Hannover eine Woche vorher von der Bank, patzte schwer, war gegen Werder überragend und patzte die Woche darauf wieder. Wie jetzt Eilhoff. Warum?

Eben! :eek: Das ist das markanteste Beispiel von fehlender Flexibilität, trifft natürlich auch auf die gegnerische Abwehr zu, die sich so immer besser stellen kann. Auch ein Grund, warum unsere Bemühungen mit zunehmender Spielzeit regelmässig mit der Brechstange oder in Einzelaktionen enden.
Werder muss lernen, dass eine defensive Dominanz heutzutage wichtiger ist als jemals im Fussball zuvor. Im übrigen holen Teams, die ähnlich wie wir lediglich Fussball spielen wollen (Arsenal, Marseille) anderswo auch immer nur die goldene Ananas.
Das Gute an der Werderaner Spielweise ist im Umkehrschluss, dass sich hier Spieler, insbesondere Stürmer (Bsp. Ailton, Valdez, Charisteas) zu Höchstleistungen aufschwingen, diese dann aber nie mehr bestätigen konnten.