Ich muß Dich enttäuschen, ich fühle mich, auch wenn wir contrairer Meinung sind, weder als Advocat Diaboli noch komme ich von der dunklen Seite der Macht.
Aber was meinst Du bitte mit einen näheren Eingehen auf sprich der Erfolg hatte seine Vorgeschichte. Ich hatte doch gerschrieben, daß KATS vor dem Double erfolgreiche Aufbauarbeit geleistet haben...
Sei es drum. Ich hatte ja nicht gesagt, dass Du ein Advocat Diaboli bist, sondern Dich gebeten, einer zu sein. Sprich: die für Dich contraire Meinung durchzuspielen, warum und wie es KATS schon einmal geschafft haben.
Eben kann, Möglichlkeitsform, dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Aber wenn wir bei dieser Theorie bleiben: bloß weil in der Vergangenheit diese Probleme in der Größenordnung fremd waren, sprich das Training richtig dosiert war, heißt es noch lange nicht daß die heutige Dosis auch die richtige ist.
Das bedeutet dann aber eben auch, dass die Dosis
weiterhin im vertretbaren Rahmen ist bzw. sein kann und andere Faktoren ursächlich sind. Aber gut, dass wir hier im Konjunktiv einer Meinung sind, wenn auch mit anderen Vorzeichen. Du eher nach dem Motto: Vieles ist gleich geblieben, TS ist schlechter geworden. Ich: TS' Arbeit ist gleich geblieben, andere Faktoren sind ungünstiger geworden.
Die Frage bleibt nicht, wenn man meine, von Dir mitziterte Äußerung
[...]
richtig liest und interpretiert, denn fürs Scouting und Training (zumindest in den Jugendmannschaften und der U23) ist TS nicht allein ursächlich und ausschließlich bzw. hauptverantwortlich.
Und sie bleibt eben doch: Wenn schon das Jugendspieler-Scouting und das Jugendtraining nicht den für Dich gewünschten Effekt haben, wie soll das dann TS am Ende der Nahrungskette zielbringend verwerten?!
Die Jahre davor und danach hab ich sehr wohl berücksichtigt, ebenfalls Dir zitiert:
Ein Frank Ordenewitz z.B. hat von 83/84 87/88, wo wir nie schlechter als 5. wurden, in 98 Bundesliga-Spielen 31 Tore geschossen, davon allein 15 in 30 Spielen im Meisterjahr 87/88, wo er erst 23 war, ein Marco Bode stand mit knapp 22 in der Startelf beim DfB-Pokal-Sieg gegen den 1. FC Köln und 11 Monate später mit knapp 23 im gewonnen EC-Finale gegen den AS Monaco. Christian Schulz kam lals 21jähriger im Doublejahr 03/04 auf 17 Bundesligaeinsätze und stand im gewonnen DFB-Pokalfinale gegen Aachen in der Startelf, welches uns ermöglicht wurde, weil u.a. ein ebenfalls 21jährer Nelson Valdez, der es in dem Jahr auf 21 Bundesligaspiele brachte, im Viertelfinale beim Zweitligisten Greuther Fürth in der 90. Minute die Vorlage zum 2:2 gab und im Halbfinale zu Hause gegen den Zweitligisten Lübeck in der 114. Minute den Siegtreffer zum 3:2 erzielte.
Und bei solchen Beispielen soll es für einen Trainer schwieriger sein, ohne Not im Titelkampf junge Leute einzusetzen?
Ich dachte, wir reden hier vor allem über die Ära Schaaf. Ordenewitz und Bode sind auf jeden Fall gute Beispiele, dass es unter Rehhagel möglich war, als eigener Nachwuchskicker in den BuLi-Kader aufzusteigen und zu performen. Gegenteiliges habe ich auch nicht behauptet.
Das es Valdez und Schulz, unter Schaaf wohlgemerkt, ebenfalls geschafft haben, spricht dann doch eher für die Qualität der Spieler und das TS es Nachwuchsspielern ermöglicht, unabhängig ob sie vereinsintern ausgebildet oder extern verpflichtet wurden, sich auch im Profiteam zu bewähren. Genauso wie es eben bei Borowski, Hunt und Bargfrede der Fall war, oder eben jetzt bei Hartherz (häufiger, auch mit viel Gemecker bedachter Vorzug vor Schmitz) oder eben Trybull.
Die v.g. Beispiele waren mit Sicherheit nicht mit Mega-Talenten von Götze, Schweinsteiger, Müller oder Reus gesegnet, aber das ist auch nicht der Anspruch von Werder Bremen bzw. den man als Fan erwarten sollte, noch von mir in meinem Beitrag gefordert worden ist, so daß ich Dir die Frage stelle, woher Du zu dieser Mutmaßung kommst?
Weil ich die Forderung nach dem Einbauen von jungen Spielern nur dann nachvollziehen kann, wenn die jungen Spieler auch die Qualität mitbringen, den entsprechend arrivierten Profi vor ihnen zu ersetzen oder gar zu übertreffen. Vielleicht ist der Bremer Nachwuchs einfach nur zu schlecht.
[...]
Bis zum Double hat das auch noch gut funktioniert, aber dann? Es kam 04/05 Aaron Hunt (der leider oft verletzt war) und Philip Bargfrede, der bis dato den positiven Eindruck aus dem Premierenjahr leider nicht mehr bestätigen konnte. Aber von allen anderen eingesetzten Talenten hat es bis heute keiner mehr geschafft, sich für 2 Jahre bei den Profis zu etablieren und das ist ein deutliches Zeichen auf die nachgelassenene Qualität unserer Nachwuchsförderung
Oder ein Indiz dafür, dass der Nachwuchsspielermarkt auch von anderen Vereinen stärker gescoutet wird und deshalb der Konkurrenzkampf um die Talente härter und nicht zuletzt teurer geworden ist.
Wahrscheinlich, ich weiß es nicht, ist es ein Mix aus stagnierender oder gar nachgelassener Nachwuchsförderung einerseits und der gestiegenden Konkurrenz andererseits.
Aber was hat das mit TS zu tun?!
Mythos? Dann wird
dieser FAZ-Artikel von 2007 ein wenig an Deiner Weltanschauung kratzen.
Eigentlich nicht, denn KA bestätigt genau das, was ich auch meinte: Die Talente kamen und kommen oft nicht aus dem eigenen Jugendbereich, sondern wurden von anderen Vereinen jung gekauft, weiter ausgebildet, und das zumeist direkt in der ersten Mannschaft unter TS, um dann möglichst wieder teuer und weiter ausgebildet verkauft zu werden. Deshalb brachte ich den "Mythos Ausbildungsverein
iVm unseren Nachwuchsteams".
Wir holen ganz selten Spieler, die ihren Zenit überschritten haben. Wir wollen weiter ausbilden.
Wir müssen von Zeit zu Zeit richtig gute Spieler abgeben.
Denn das ist der unter KATS, aber auch schon unter ORWL präferierte Weg: Nicht aus den eigenen Jugendmannschaften zu generieren, wobei Perlen natürlich gerne mitgenommen werden, sondern von außen zu verpflichten, den Feinschliff zu geben, und dann teuer wieder zu verkaufen.
Der Unterschied ist eben, was Du unter Ausbildungsverein verstehst und was KA unter Ausbildungsverein versteht. Ich würde es eher Weiterbildungsverein nennen, klingt aber doof.
Edit: Wenn bei
google die Suchbegriffe "Werder" und "Ausbildungsverein" eingegeben werden, ist das erste Suchergebnis Dein verlinkter Artikel aus der FAZ, das dritte Suchergebnis dieser in etwa zeitgleich erschienene Artikel von sueddeutsche.de:
Werder und die Geldvereine. Ebenfalls sehr lesenswert, das KATS'sche Konzept wird noch einmal, wie schon in der FAZ, grob beschrieben. Allerdings Vorsicht: Tränen drohen
Z.B. indem TS es verstärkt trainieren läßt?
Vielleicht tut er es ja. Und bei einem Profi sollte es doch eigentlich(!) reichen, wenn es, wie wohl auch zumindest passiert, angesprochen wird: Eigene Ecke → Ballverlust → zum eigenen Strafraum spurten.
Noch nie etwas von Stresstraining gehört? Fußballtrainer sind dafür weniger prädestiniert, dafür Psychologen um so eher. Werders Nachwuchsmanager ist Diplom-Pychologe, man muß die vorhanden Ressourcen nur nutzen.
Doch, natürlich. Aber es geht hier ja um TS, und deshalb schrieb ich dass durch TS mal eben so behoben werden kann.
Harttgen hat sogar nen Doktortitel, wenn ich mich recht entsinne. Das allein macht ihn aber per se noch nicht zu einem Pädagogen, Couch oder Mentaltrainer.
Ich gebe Dir in soweit recht, dass gewisse zusätzliche Synergieeffekte sicherlich, und auch in anderen Bereichen, zu erzielen wären.
[...]
Führungsqualität ist wenn überhaupt nur bedingt lernbar, sondern ist eine Eigenschaft, den man entweder intus hat oder eben nicht. Und ob ein junger Spieler über diese Qualitäten verfügt, kann man am besten feststellen, wenn man sein dahingehendes Verhalten in einer Jugend- oder Nachwuchsmannschaft beobachtet.
Führungsqualität ist erlernbar. Grundvoraussetzungen können maximal günstig oder eben ungünstig sein. Und eine Grundvoraussetzung von herausragender Bedeutung ist nun mal die fachliche Kompetenz, sprich bei einem Fußballspieler die Qualität des Fußballspiels.
Wenn nun aber der eigene Nachwuchs nicht gut genug ist, um überhaupt in den Profikader aufzusteigen (außer eben als kurzfristige Aushilfe), können sie eben auch nicht im Profikader führen. Also müssen die Führungsspieler eben von aussen her, bzw. Spieler verpflichtet werden, bei denen die Hoffnung besteht, dass sie in diese Rolle hineinwachsen.