Die "neueste Variation", einen Spieler, der 7 Jahre im Verein ist und dessen grosse Stärken, aber auch Schwächen demzufolge hinlänglich bekannt sein sollten, auf den Sechser vor der Abwehr zu stellen, ist mir völlig schleierhaft. Naldo ist in der IV an guten Tagen Weltklasse, aufgrund der Schnellig- und Geschmeidigkeit, Zweikampf- und Kopfballstärke. Gerade in unserem System konnte er so oft das lange Bein noch dazwischen bringen, in grosser Not den letzten Pass abfangen, an den Brennpunkten abräumen. Was er noch nie hatte, ist ein ausreichendes Verständnis für den Raum, Positionstreue, gute Spieleröffnung. Wobei zu letzterem zu sagen wäre, dass sich das für einen IV immer noch im ordentlichen Rahmen bewegte, er hat ja trotzdem das ein oder andere Elemente in seinem Spiel drin, mal hier und dort ein langer Diagonal-Pass, der tatsächlich ein Spiel eröffnet. Nur ist das Prädikat "ordentliche Spieleröffnung" des IV`s gerade bei meistens allein agierenden, zentralen DM` s eben nur ausreichend. Hinzu kommt, dass seine ansonsten überragenden Stärken, wenn er den Gegenspieler vor sich hat, auf dieser Position aus dem Spiel genommen sind, weil die Gegner öfter auf gleicher Höhe oder noch weiter vorn angespielt werden oder eben mit Tempo aus dem Raum kommen, wodurch Naldo mit seiner Länge zu lange braucht, um sich richtig zu drehen und den Gegenspieler anzulaufen. Wenn dann auch noch wuselige oder antrittsstarke Mittelfeldspieler aus der spielgestaltenden Zone kommen, ist erst recht Polen offen. Ich halte Naldo`s Antizipationsfähigkeit in der IV für stark, im DM für unzureichend. Er muss hier Aufgaben bewältigen, die seine Schwächen zuungunsten der Stärken hervorbringen. Unnötig.
Aber da steht Naldo bei Werder wahrlich nicht allein. Und gerade die Sechserposition ist elementar für unser eindimensionales System. Nur leider spiel(t)en da ansonsten Bargfrede, zwischendurch Iggy, vorher Frings, immer Leute mit einem relativ geringen, strategischen Spielverständnis.
Jetzt wird mir sicherlich wieder Arroganz unterstellt, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass unser Trainerstab selbst nicht versteht, warum das eigene, unumstößliche System nicht funktioniert.