Willi Lemke ist mit Sicherheit nicht der einzige Mensch im Dunstkreis von Werder Bremen, der die Gabe hat, der Funktion als Aufsichtsrat mehr als nur zufriedenstellend nachzukommen. Falls doch, dann scheint bei Werder irgendetwas gewaltig schiefgelaufen zu sein, so daß man deswegen bestimmt nicht auf Knien rumrutschen sollte (das sollte man wenn überhaupt, nur gegenüber jemanden tun, der einem das eigene Leben oder das eines sehr nahestehenden Menschen gerettet hat).
Da Problem ist allerdings, sobald persönliche/emotionale Dinge eine Rolle spielen, ist die Gefahr sehr groß, daß die Sachlichkeit mehr oder weniger verloren geht und so wie ich Willi Lemke in den letzen mehr als 25 Jahren beobachtet habe, ist er jemand, der bei einer (persönlichen) Niederlage ur schwer eingestehen kann und stattdessen sehr gerne nachtritt.
Nach dem Ende seiner Managerzeit hatte sich das Verhältnis zwischen Werder und dem FC Bayern, vor allem gegenüber Wurst-Uli, einigermaßen entspannt, was Lemke aber trotzdem nicht davon abgehalten hat, in dieser Zeit Breitseiten gen Hoeneß abzufeuern, obwohl er (Lemke) mit dem operativen Geschäft von Werder nichts mehr zu tun hatte.
Als nächstes folgte die Verpflichtung von Miroslav Klose. Lemke wehrte sich gegen diesen bis dahin teuersten Transfer der Vereingeschichte wie ein bockiges Kind, welches im schönsten Spiel von Mutti zum Essen gerufen wurde und vermittelte dabei das Gefühl, daß KA so wie er ( Lemke) gefälligst "jeden Pfennig röngt, bevor er ausgegeben wird" (O-Ton Lemke zu Zeiten als Werder-Manager). Klose wurde aber, von seinem unrühmlichen Abschied abgesehen, zum sportlichen und finanziellen Erfolg für Werder, so daß Lemke aus dieser Episode als Verlierer rausging, während KA daraus als Sieger hervorging. Diese Niederlage brodelte in Lemke, so daß er förmlich auf eine Revance gegenüber KA "lauerte", wofür ihn der eine oder andere kostspielige Transferflop mit dem Nichterreichen der internationalen Startplätze eine willkommende Vorlage gab - oder anders ausgedrückt: die Gradlinigkeit, die Lemke als Werder-Manager ausgezeichnet hat, läßt er seit einigen Monaten aus persönlichen Gründen gegenüber KA vermissen.